Studie Einzelhandel leidet unter Pandemie und Online-Handel

Leere Schaufenster und verschlossene Ladentüren: Die Corona-Pandemie macht dem Einzelhandel in Sachsen weiterhin zu schaffen. In den Innenstädten von Dresden, Leipzig und Chemnitz stehen immer mehr Geschäfte leer. Dagegen wollen nicht nur die einzelnen Städte, sondern auch das Wirtschaftsministerium angehen.

Leere Geschäfte in der Dresdener Innenstadt.
Die Corona-Pandemie sorgt für viele leer stehende Geschäfte in Sachsens Innenstädten. Bildrechte: MDR/Lukas Meister

Die Corona-Pandemie und der verstärkte Online-Handel setzen dem Einzelhandel in Sachsen stark zu. So stehen in Dresden etwa zehn Prozent der Verkaufsfläche in der Innenstadt leer, wie eine Studie im Auftrag des City-Managements ergab. Das entspricht etwa 22.000 Quadratmetern Fläche, auf denen sich ehemals Betriebe des Einzelhandels und der Gastronomie befanden. Die meisten Leerstände gebe es um den Altmarkt, entlang der Wilsdruffer Straße sowie rund um die Prager Straße und am Hauptbahnhof.

Es ist wie ein Sterben auf Raten.

Friederike Wachtel Dresdner City-Management

Als Folge der 2G-Verordnung und der verfügten Schließzeit von 20 Uhr seien deutlich weniger Menschen im Zentrum unterwegs, sagt die Geschäftsführerin des Dresdner City-Managements, Friederike Wachtel. Immer mehr Kundinnen und Kunden steigen den Angaben nach vermutlich dauerhaft auf den Online-Handel um.

Dresden bekommt Fördermittel

Der Dresdner Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) will leer stehende Ladenlokale durch die "Kultur- und Kreativwirtschaft oder innovative Marktangebote" beleben. Der Stadt waren unlängst 1,8 Millionen Euro Fördermittel des Bundes zur Entwicklung der Innenstadt zugesprochen worden.

Einzelhandel in Chemnitz konkurriert mit Einkaufszentren

Im Chemnitzer Stadtzentrum sollen Weihnachtshändler vorübergehend leer stehende Geschäfte beleben. Die Händlerinnen und Händler in der Innenstadt müssen sich gegen sieben große Einkaufszentren behaupten. Allein das Chemnitz Center mit fast 90.000 Quadratmetern hat mehr Verkaufsfläche als die gesamte Innenstadt mit ihren 68.710 Quadratmetern.

Stadtrat will Leipziger Innenstadt wiederbeleben

Die Leerstände in der Leipziger Innenstadt sind laut Verwaltung "signifikant gestiegen". Selbst gute Lagen seien "problematisch". Die Händlerinnen und Händler seien mit der Eröffnung neuer Geschäfte vorsichtig. Viele von ihnen berichteten von Umsatzrückgängen durch die verschärften Corona-Regeln.

Die Lage des Einzelhandels werde erst nach dem Ende der Pandemie sichtbar werden, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Zwar habe der Handel in der Innenstadt noch eine Leitfunktion, doch er müsse weiter gestärkt werden, etwa durch Kultur und Kommunikation. Der Stadtrat will jährlich 500.000 Euro ausgeben, um Innenstadt, Stadtteilzentren und Magistralen wiederzubeleben oder deren Attraktivität zu steigern.

Neuer Lockdown wäre ein Desaster

Ein erneuter kompletter Lockdown im Weihnachtsgeschäft wäre für den Einzelhandel und für ganze Innenstädte ein Desaster, sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen, René Glaser. Viele Unternehmen würden das nicht überstehen. "Die Konsequenzen werden in den Innenstädten noch deutlicher sichtbar."

Schon der Lockdown Ende vergangenen Jahres habe das Einkaufsverhalten der Menschen zulasten des Einzelhandels verändert. Das Eigenkapital der Handelsbetriebe sei durch die langen Schließzeiten längst aufgebraucht. Erneute massive Umsatzeinbrüche könnten die Betriebe nicht ohne angemessene Wirtschaftshilfen auffangen. Ohne eine Revitalisierung des Handels drohten vielen Innenstädten, Stadtteilzentren und Ortskernen weitere Leerstände und Verödung.

Wirtschaftsministerium will Innenstädte stärken

Dem Wirtschaftsministerium ist der zunehmende Leerstand in den sächsischen Innenstädten nicht entgangen. Diese Entwicklung habe sich schon länger abgezeichnet, heißt es in einer Antwort auf eine Kleine Parlamentarische Anfrage. Die Pandemie könne dies aber beschleunigen.

Dem Rückgang des Einzelhandels müsse mit einer "stärkeren Funktionsmischung" begegnet werden. Strategisches Ziel der Städtebauförderung 2022 sei deshalb, aus Innenstädten "attraktive, identitätsstiftende und multifunktionale Standorten für Wohnen, Arbeit, Wirtschaft, Soziales und Kultur" zu machen.

Quelle: MDR; dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSENSPIEGEL | 04. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

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