Corona-Krise So will der Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge den Lockdown verhindern

Der Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge will den Lockdown verhindern und Schulen und Kitas offen halten. Nirgendwo sonst in Deutschland ist die Zahl der Corona-Infektionen so hoch wie südlich von Dresden. Die Kliniken im Landkreis haben nur noch sechs Betten für Corona-Patienten frei. Jetzt zieht die Verwaltung die Reißleine.

Eine Maske liegt in Pirna im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im Laub.
Trübe Aussichten für den Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Spätestens Mitte der Woche wird er den Wert von 1.000 bei der Wocheninzidenz überschreiten. Nur die Hälfte der Bewohner sind zwei Mal geimpft. Die Krankenhäuser im Landkreis haben nur noch sechs freie Covid-19-Betten. Bildrechte: dpa

Die Landkreisverwaltung Sächsische Schweiz-Osterzgebirge will einen Lockdown verhindern. Deshalb hat sie die Einwohner dazu aufgerufen, ihre Kontakte über das gesetzlich vorgesehene Maß hinaus einzuschränken. Landrat Michael Geisler sagte, in den Krankenhäusern seien noch fünf Normalbetten und ein Intensivbett frei. Nach deren Belegung müssten Notfälle in umliegende Landkreise gefahren werden. Wegen der Wegezeit sinke die Überlebens-Chance der Betroffenen.

Knapp unter der 1.000er-Inzidenz

Der Kreis ist bundesweit Negativ-Spitzenreiter mit einer Sieben-Tag-Inzidenz von 924,3. Landrat Michael Geisler (CDU) rechnet damit, dass der Wert von 1.000 am Dienstag oder Mittwoch erreicht wird. Und: "Die Lage wird sich so schnell nicht entspannen", sagte er bei einer Pressekonferenz am Montag.

Das ist die aktuelle Corona-Lage im Landkreis - Aktuell wurden 3.359 Menschen positiv aufs Corona-Virus getestet. Das sind 119 mehr als tags zuvor.
- Die meisten Infizierten leben in Freital, Pirna und Dippoldiswalde.
- Der Inzidenzwert lag am 8. November bei 924,3.
- 139 positiv auf SARS-CoV-2 getestete Menschen liegen im Landkreis in Krankenhäusern. Davon müssen 34 intensiv versorgt werden, 105 Corona-Patienten liegen auf Normalstation.
- Von den Covid-Betten in den Kliniken im Landkreis sind nur noch ein Intensivbett und fünf Normalbetten frei.

(Quelle: Zentrum für Medizinische Informatik, Stand 08.11.2021).

Mehr Impfangebote, mehr Kontrollen

Das gesamte Handeln sei jetzt darauf ausgerichtet, einen Lockdown zu verhindern. Helfen sollen dabei auch die Bundeswehr in der Kontaktnachverolgung und das Land Sachsen bei der Impforganisation. Denn die Impfquote im bundesweiten Corona-Hotspot-Kreis liegt laut Geisler bei derzeit 51 Prozent. Auf Bundesebene sind es dagegen 67,1 Prozent. Zur Impfbereitschaft in seiner Region sagte Geisler: "Das ist keine Quote, mit der man einer Pandemie begegnen kann." Der Landrat kündigte mehr Impfangebote an. Dazu sollen in Pirna, Freital, Sebnitz und Dippoldiswalde feste Impfstellen öffnen.

Eine Corona Teststation von außen.
"Testen, testen, testen", hat Landrat Michael Geisler als Devise ausgegeben und hofft auf kostenfreie Bürgertests. Einstweilen sollen Reservebestände in den Teststationen mit genutzt werden. Bildrechte: dpa

Das hat der Landkreis noch vorgesehen:

  • Verstärkte Kontrollen, um die geltenden Corona-Schutzmaßnahmen zu überprüfen. Dazu sollen zehn Kontrollteams mit je drei Leuten im Landkreis unterwegs sein. Vorige Woche hieß es von Sozialministerin Petra Köpping (SPD) noch, dass drei Teams je Landkreis kontrollieren sollen.
  • Bis es wieder kostenfreie Corona-Schnelltests für alle gibt, sollen Tests aus eigenen Reserven bereitgestellt werden.
  • Empfehlung, fortan in Innenräumen nur noch FFP-2-Masken zu tragen. Das gelte nicht für Schulen und Kitas.
  • Kindereinrichtungen und Schulen will der Landkreis offenhalten.
  • Es werde überlegt, Kurkliniken einzubinden, um mehr Betten-Kapazitäten zu bekommen. Aber es fehle Fachpersonal.
  • Der Dienstbetrieb der Verwaltung wird eingeschränkt, um genügend Personal für die Kontaktverfolgung zu haben. Davon ausgenommen sind die Kfz- Zulassung, Führerscheinbehörde sowie das Jugend- und Sozialamt.
  • Regelmäßige Tests für alle Nichtgeimpften in der Verwaltung. Das Angebot sei auch für Geimpfte offen.

Ein Politiker mit einer neuen medizinischen OP-Maske im Gesicht blickt in die Kamera. Es ist der CDU-Politiker und Landrat Michael Geisler, der für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zuständig ist.
Landrat Michael Geisler empfiehlt das Tragen von FF2-Masken in Innenräumen. Schulen und Kitas sind von der Empfehlung ausgenommen. Bildrechte: Daniel Förster

Wir wollen erreichen, dass die Krankenhäuser und Rettungsdienste nicht überlastet werden.

Michael Geisler Landrat des Kreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Quelle: MDR/kk/pb/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 08. November 2021 | 17:30 Uhr

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