Soziales Engagement Schlangen vor den Tafeln in Sachsen werden länger

In Sachsen gibt es mehr als 40 Tafeln. Bedürftige erhalten dort kostenlos frische Lebensmittel und Dinge des täglichen Lebens. Bis vor drei Jahren ging ihre Zahl zurück, doch mit der Coronapandemie steigt sie wieder. Die Tafel in Freital merkt das besonders deutlich.

Zwei Frauen mit Arbeitsschürze begutachten gespendetesm abgepacktes Gemüse in grünen Kisten. Ansicht von schräg oben.
Viele Freitaler spenden täglich frisches Obst und Gemüse. Bildrechte: Die Tafeln/Nikolaus Urban

Vor dem Eingang der Freitaler Tafel haben sich bereits mehrere Menschen eingefunden. In wenigen Minuten öffnet sich die Tür und die Wartenden bekommen frisches Obst, Brot, Gemüse oder Dinge des täglichen Bedarfs. Doch mit jeder Minute steigt auch die Anzahl der Kunden - die Schlange wird immer länger. Die Chefin des Hauses, Karin Rauschenbach, schaut mit Sorge auf die Entwicklung. Woche für Woche kämen mehr Bedürftige.

Pandemie verschärft Situation

Corona habe dazu beigetragen, so Rauschenbach. Ihrer Meinung nach läge es daran, dass viele Leute keinen Job mehr haben und Lebensmittel immer teurer werden. Auch eine junge Frau mit ihrem Sohn wartet geduldig in der Reihe. Seit drei Monaten nutzt sie das Angebot der Tafel und das, obwohl sie jeden Tag arbeiten geht. Ihren Namen möchte sie nicht nennen, kann aber nur bestätigen, dass Obst und Gemüse selbst im Discounter teurer geworden sind.

Zwei Schnitzel am Wochenende sind möglich, dann muss ich aber auf die Kartoffeln verzichten

Alleinstehende Freitalerin Kundin der Tafel

Doch die Tafel in Freital leiste noch mehr als die Lebensmittelversorgung, sagt Karin Rauschenbach. Kinder- und Jugendarbeit oder Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen, wenn jemand zum Beispiel auf der Suche nach einer Wohnung ist. Deshalb kämen Bedürftige gerne hierher. Hier würden sie mit offenen Armen empfangen und wertgeschätzt. "Für einen Moment können wir den Menschen eine heile Welt bieten."

Deutscher-Tafel-Tag
In Sachsen waren 2020 insgesamt 44 Tafeleinrichtungen mit bis zu ca. 200 stationären und mobilen Ausgabestellen tätig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

An sechs Tagen in der Woche hat die Tafel in Freital geöffnet. Mehr als 40 Frauen und Männer helfen ehrenamtlich. Doch das reicht nicht, sagt Karin Rauschenbach. Sie bräuchte noch mehr Mitarbeiter, um die Aufgaben zu bewältigen. Gesucht werden Helferinnen und Helfer, die Obst und Gemüse sortieren oder die Ware holen und ausliefern.

Ohne was im Magen geht nichts

Vor allem die Kinder lägen ihr am Herzen, sagt Karin Rauschenbach. Deshalb habe sie sich bereits was Neues einfallen lassen. Ab dem Frühjahr soll es in Freital ein Schülerfrühstück geben. Mädchen und Jungen dürfen sich vor Unterrichtsbeginn ausgiebig sattessen. Außerdem bekommen sie ein Lunchpaket mit in die Schule. Dreimal die Woche soll dieser Service angeboten werden.

Quelle: MDR(jc)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Der Feiertagsnachmittag | 25. Dezember 2021 | 14:10 Uhr

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