Grünes Gewölbe Dresdner Juwelendiebstahl: Angeklagter gesteht Beteiligung

Der Einbruch in das historische Grüne Gewölbe in Dresden 2019 galt als riesiger Coup. Juwelen im Wert von 113 Millionen Euro sind aus dem Schloss entwendet worden. Im Januar startete der Prozess gegen Mitglieder des berüchtigten Remmo-Clans aus Berlin. Ein Angeklagter legte nun im Prozess ein Geständnis ab.

Das Juwelenzimmer im Historischen Grünen Gewölbe im Dresdner Schloss der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
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Im Prozess um den Juwelendiebstahl aus dem historischen Grünen Gewölbe in Dresden hat erstmals einer der sechs Angeklagten sein Schweigen gebrochen. In einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung räumte er ein, an der Vorbeitung der Tat beteiligt gewesen zu sein. So habe er mit zwei Komplizen die spätere Einbruchstelle ausgekundschaftet. Bei der Tatausführung sei er nicht dabei gewesen. Nach seinen Worten war er unmittelbar vor der geplanten Ausführung in Berlin von der Polizei kontrolliert worden und wollte deshalb das Risiko nicht eingehen. Bei dem Einbruch waren Ende 2019 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von mehr als 113 Millionen Euro gestohlen worden.

Fünf Tage vor der Tat angesprochen

Nach der Erklärung seines Rechtsanwalts wurde der Angeklagte R. fünf Tage vor dem Einbruch angesprochen, ob er sich bei der geplanten Tat beteiligen möchte. R. habe den Plan für "genial", die Tat "gut vorbereitet" sowie die Beute "beträchtlich" gefunden und sei noch am selbigen Tag zur "Einweisung" nach Dresden gestartet. Seine Aufgabe sei es gewesen, einen Wagen für die Fahrt zu besorgen.

Die Angeklagten im Prozess um den Juwelenraub im Grünen Gewölbe
Der Prozess um den Juwelenraub im Grünen Gewölbe wird im Landgericht Dresden verhandelt. Bildrechte: dpa

Mit dem Mietwagen zum Auskundschaften nach Dresden

R. mietete sich laut der Erklärung daraufhin in Berlin einen VW Golf, holte kurz vor Mitternacht zwei weitere Männer in Berlin ab und fuhr mit ihnen nach Dresden. Auf der Fahrt hätten die Männer dem Bericht zufolge erklärt, sie gehörten zu denen, die "draußen Schmiere stehen". In Dresden angekommen, parkten die Männer auf dem Wohnmobilparkplatz an der Elbe, liefen über die Augustusbrücke zum Schloss und kundschafteten dort Mauer und Einstiegsstelle aus. Weil R. einen Tag vor der geplanten Tat von der Polizei in Berlin angehalten und kontrolliert wurde, sprang er von dem Einbruch ab. Das Risiko war R. laut dem Bericht zu hoch.

Angeklagter bestätigt Bericht des Rechtsanwalts

"Das ist richtig so", bestätigte der Angeklagte, nachdem der Rechtsanwalt seinen Bericht verlesen hatte. Die Ermittler hatten die DNA des Angeklagten R. in einem am Tattag genutzten Mercedes gefunden. Dem Bericht zufolge sei diese dorthin gelangt, weil das Auto auch nach der Tat noch benutzt worden ist.

Die Angeklagten im Prozess um den Juwelenraub im Grünen Gewölbe
Andreas Ziegel (l), Vorsitzender Richter am Landgericht Dresden, kommt am Dienstag zum Prozess um den Juwelenraub im Grünen Gewölbe in den Verhandlungssaal im Landgericht. Bildrechte: dpa

Video zeigt Tage vor dem spektakulären Coup

Gleichzeitig zeigt ein Video das Geschehen sechs Nächte vor dem Einbruch ins Dresdner Grüne Gewölbe. Demnach haben sich drei Personen unbehelligt fast eine halbe Stunde am späteren Einstiegsfenster zu dem Museum im Residenzschlosses aufgehalten. Sie kletterten am 19. November 2019 um 2:42 Uhr mit großen Taschen über eine Mauer vor dem Westflügel, wie auf einem Video der Polizei zu sehen ist, das am Dienstag im Prozess am Dresdner Landgericht gezeigt wurde. Zu sehen sind darauf auch noch andere Personen, aber weder Sicherheitsdienst noch Polizei.

Die Angeklagten im Prozess um den Juwelenraub im Grünen Gewölbe
Die Angeklagten des berüchtigten Remmo-Clans haben die Tat von Berlin aus geplant, das Schloss jedoch vor Ort erkundet. Bildrechte: dpa

Warten auf Treppenstufen vor der Schinkelwache

Das zeigt das Video genau: Zunächst nähern sich mehrere Personen zu Fuß vom Theaterplatz, sitzen minutenlang auf den Treppenstufen zur Schinkelwache und schauen über die Straße auf den Schloss-Westflügel. Weitere dunkel gekleidete Menschen kommen dazu, gehen wieder weg, bis schließlich drei Personen mit großen Taschen auf die Mauer am nordwestlichen Eckturm zugehen, die in die Umzäunung des Schlosses mündet. Erst sind noch ihre Schatten an der Fassade des Fensters zu sehen, dann verschluckt sie die Dunkelheit in der Ecke – bis auf zwischenzeitliche Lichtblitze. Erst um 3:09 Uhr steigen drei Personen nacheinander zurück über die Mauer und gehen mit vier anderen davon. Genau zu erkennen sind die Personen auf den Aufnahmen verschiedener Überwachungskameras nicht.

Die Angeklagten im Prozess um den Juwelenraub im Grünen Gewölbe
Die sechs Angeklagten des Remmo-Clans haben insgesamt 13 Anwälte, die sie vertreten. Bildrechte: dpa

Anklage wegen schweren Bandendiebstahls

Wegen des spektakulären Coups vom 25. November 2019 sind sechs 23 bis 28 Jahre alte Männer wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung angeklagt. Die Deutschen stammen aus einer bekannten arabischstämmigen Berliner Großfamilie. Sie sollen aus dem Schatzkammermuseum 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4.300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von über 113 Millionen gestohlen und zudem Sachschäden in Höhe von über einer Million Euro hinterlassen haben.

Die Angeklagten im Prozess um den Juwelenraub im Grünen Gewölbe
Die sechs angeklagten Männer sind zwischen 23 und 28 Jahre alt. Bildrechte: dpa

Juwelen-Garnituren in dieser Geschlossenheit "gibt es nicht mehr"

Der Verhandlungstag begann mit der Zeugenbefragung einer Restauratorin des Museums zu dessen Bedeutung und dem Wert der historischen Juwelen. Die beiden geplünderten fürstlichen Garnituren seien einzigartig in der Welt, sagte die 55-Jährige. "Solche Ensembles in der Geschlossenheit gibt es nicht mehr." Nach der auf Blatt 1.258 der Akte erfassten Verlustliste blieben von prominenten Beutestücken wie den Epauletten nur Reste übrig.

MDR (kt)/Mina/dpa/hrm

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sachsenspiegel | 29. März 2022 | 19:00 Uhr

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