Pandemie-Sommer Nach Corona-Ausbruch lässt Gesundheitsamt Feriencamp in Moritzburg abbrechen

Eine Woche lang raus aus der Großstadt, den Wald genießen, Baden und neue Freunde finden - das war der Plan für knapp 50 Kinder aus Berlin im Moritzburger Wald in Sachsen. Doch dann infizierten sich Betreuerinnen und Kinder im Camp mit Corona.

Ein Junge sitzt 2016 auf dem Kinder-Reisekoffer BedBoxA
Die Sommerfreude für knapp 50 Kinder aus Berlin in Sachsen währte nur kurz. Ihr Ferienausflug wurde wegen eines Corona-Ausbruchs vorzeitig beendet. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

In Moritzburg ist ein Kinderferienlager abgebrochen worden, nachdem mehrere Teilnehmer Corona-Infektionen hatten. Das bestätigte das Gesundheitsamt Meißen auf Nachfrage von MDR SACHSEN. Zuerst hatte die "Sächsische Zeitung" über die Erkrankungen im Karl-May-Dorf in Moritzburg berichtet, das der Dresdner Jugendverein Roter Baum organisiert. In dem Zeitungsbericht hatte ein Betreuer schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter erhoben. Und zwar soll er die Infektionen angeblich vertuscht und Eltern nicht rechtzeitig informiert haben.

Tests zeigten weitere Infektionen

Das Gesundheitsamt Meißen sei am Dienstag, den 12. Juli, über einen Corona-Ausbruch informiert worden. "Noch am 12. Juli erfolgte eine Begehung des Gesundheitsamtes im Ferienlager mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Sachgebieten Infektionsschutz und Kommunalhygiene." Tags zuvor sei eine Betreuerin mit coronatypischen Symptomen ins Krankenhaus gekommen. Am 12. Juli erkrankte ein Kind mit coronatypischen Symptomen. An dem Tag kam es ebenfalls ins Krankenhaus. Das Kind soll eine Asthma-Vorerkrankung gehabt haben. "In der am 12. Juli 2022 durchgeführten Testung fielen drei weitere Kinder mit einem positivem Schnelltest auf", so das Gesundheitsamt.

Gesundheitsamt kontrollierte zwei Mal

Daraufhin seien der Camp-Leitung Hygieneauflagen mitgeteilt worden. Denen zufolge hätten die Eltern der Kinder aus Berlin informiert werden sollen, die positiv getesteten Kinder von den Eltern abgeholt werden. Außerdem hätten alle im Camp täglich getestet werden müssen. Schnelltests, Mundschutz, Handschuhe und Desinfektionsmittel hätten zur Verfügung zu stehen, die positiv getesteten Kinder hätten isoliert werden müssen. Außerdem wurde laut Gesundheitsamt: "Mundschutzpflicht für alle Betreuerinnen und Betreuer sowie positiv getesteten Kinder" angeordnet.

Behörde kritisiert "hygienische Missstände"

Am Mittwochabend, 13. Juli, kam ein weiteres Kind ins Krankenhaus und das Gesundheitsamt erneut ins Karl-May-Dorf. "Es fand eine weitere Vor-Ort-Begehung des Gesundheitsamtes gemeinsam mit Kreisjugendamt und dem Lebensmittelüberwachungsamt statt. Aufgrund der hygienischen Missstände wurden weitere Auflagen erteilt, deren Umsetzung zeitnah kontrolliert wurde", erklärte das Gesundheitsamt Meißen dazu.

Camp-Zuständiger weist Vorwürfe zurück

Der für das Ferienlager zuständige Geschäftsführer der Firma JugendLeben Dresden, Tilo Kießling, weist den Vorwurf hygienischer Missstände zurück. "Wir haben uns bemüht, alles einzuhalten", sagte er MDR SACHSEN. Als er unangekündigt in Moritzburg war, hätten alle Betreuerinnen und Betreuer Mundschutz getragen, die positiv getesteten Kinder seien in Zimmern räumlich getrennt von den anderen gewesen. Aus Kießlings Sicht habe die Campleitung den Eltern nichts verheimlicht, sondern sie per Mail informiert. "Ein unsinniger Vorwurf. Die meisten Kinder haben ein Handy. Selbst, wenn wir etwas verheimlichen wollten, Eltern erfahren heute alles in Echtzeit", meinte Kießling zum Vorwurf der Intransparenz.

Bei den Missständen soll es sich auch um unaufgeräumte Zimmer der Ferienkinder gehandelt haben. "Haben Sie mal in Kinderzimmer von Sieben- bis Zwölfjährigen geschaut? Es ist nicht ungewöhnlich, dass es dort nicht picobello aussieht", sagte der langjährige Organisator von Ferienlagern, der auch für die Linke im Stadtrat Dresden im Jugendhilfe- und Sportausschuss sitzt.

In einem Telefonat in der Nacht auf Mittwoch zu Donnerstag habe ihm eine Ärztin im Auftrag des Gesundheitsamtes gesagt, das Camp abzubrechen. Eine schriftliche Anordnung oder Begründung des Amtes lag ihm nach eigenen Angaben am Freitagnachmittag noch nicht vor.

Erkrankte Kinder wieder fit

Die meisten Eltern der 50 Kinder aus Berlin seien Alleinerziehende oder aus sozial schwierigeren Verhältnissen. Sie hätten nicht sofort nach Moritzburg eilen können. Ein Bus mit 33 gesunden Kindern fuhr am Donnerstagabend nach Berlin zurück, wo Kießling sie einen Tag eher als geplant ihren Eltern übergab. "Die Kinder waren sehr traurig, dass ihr Urlaub vorzeitig endete. Von den Eltern habe ich keine Vorwürfe gehört", so Kießling. "In einem Kleinbus seien fünf positiv getestete Kinder heimgefahren worden. "Nach meiner Kenntnis geht es den Kindern, die mit Fieber im Krankenhaus waren, gut, ebenso der Betreuerin", sagte Kießling.

Die Kinder waren sehr traurig, dass ihr Urlaub vorzeitig endete.

Tilo Kießling Geschäftsführer und Organisator von Feriencamps

Laut Kießling würden in diesem Sommer keine Corona-Vorschriften oder Auflagen für Ferienfreizeiten bestehen. Das Moritzburger Camp sei für den Dresdner Verein das erste Ferienlager in dieser Sommersaison gewesen. "Wenn das, was wir erlebt haben, jetzt die typische Dynamik ist, weiß ich nicht, wie wir den Sommer über die Bühne bringen sollen." Er fände es gut, wenn Gesundheitsämter für Freizeiten Schnelltests zur Verfügung stellen würden. Als Konsequenz aus dem Infektionsausbruch sollen nun alle Teilnehmenden, die über den Roter Baum e.V. in Sommerferiencamps kommen, vor Abfahrt getestet werden. Das betrifft rund 1.600 Kinder in 50 Camps.

Jungen und Mädchen stehen 2020 in der Ferienanlage am Beetzsee auf einer Badeinsel.
Einen Tag eher als geplant waren die Ferientage für Großstadtkinder aus Berlin im Moritzburger Wald und an den Teichen vorbei. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Welche Corona-Maßnahmen aktuell gelten

In Sachsen steigen die Corona-Infektionen derzeit, Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer bei den Infektionen aus. "Das heißt, es ist weiter Vorsicht geboten", sagte Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) in dieser Woche. Dort, wo viele Menschen sind, sollten Masken getragen werden, vor allem in Innenräumen, erklärte sie. Und: "Die Empfehlung ist, vorsichtig zu bleiben und sich zu schützen." Mit Blick auf die Ferien- und Urlaubszeit mahnte Köpping nochmals, sich testen zu lassen. "Ich mache mir ein bisschen Sorgen vor der Urlaubszeit", so die Ministerin. Wenn Menschen in der Folgewoche in den Urlaub fahren, bestehe die Gefahr, dass sie sich dann nicht testen ließen. Die aktuelle Corona-Variante solle man jedoch nicht unterschätzen.

Die Empfehlung ist, vorsichtig zu bleiben und sich zu schützen.

Petra Köpping sächsische Sozialministerin (SPD)

Diese Corona-Regeln sind in Sachsen gültig:

  • bisherige Basisschutzmaßnahmen wie medizinischer Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Nahverkehr bis einschließlich 13. August 2022
  • in Krankenhäusern und Arztpraxen nur noch OP-Masken statt FFP2-Masken Pflicht, keine Testpflicht mehr für Geimpfte und Genesene unter Beschäftigten und Besuchern dieser Einrichtungen.

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