Sächsisches Kulturgut Kachelmann will Versteigerung des Meißner Kornhauses an AfD verhindern

Das mehr als 500 Jahre alte Kornhaus auf dem Burgberg in Meißen soll zwangsversteigert werden, weil ein Investor seine Rechnungen nicht bezahlt. Die AfD möchte das geschichtsträchtige Gebäude nun erwerben und darin ein Tagungszentrum errichten. Dagegen regt sich Widerstand. Der Moderator und Meteorologe Jörg Kachelmann ruft zu Spenden auf, um notfalls den Verkauf an die AfD zu verhindern.

Das Kornhaus auf dem Burgberg über Meißen wird zum Politikum. Das geschichtsträchtige Gebäude wurde 2008 von dem italienisch-österreichischen Immobilieninvestor Venere GmbH von der Stadt gekauft. Seitdem verfällt es zunehmend. Weil nach Angaben der Stadt die Grundsteuer und Rechnungen zu Sicherungsarbeiten nicht bezahlt wurden, hat Meißen die Zwangsvollstreckung beantragt.

Die AfD kündigte nun an, sie wolle das Gebäude am 4. Juli bei einer Zwangsversteigerung erwerben und denkmalgerecht sanieren. Das Startgebot liegt bei 370.000 Euro. In dem Gebäude solle ein Tagungs- und Schulungszentrum mit angeschlossenen Übernachtungsmöglichkeiten etabliert werden, teilte die AfD mit. Doch dagegen gibt es breiten Widerstand.

Kachelmann startet Spenden-Aufruf auf Twitter

Auch der Moderator und Meorologe Jörg Kachelmann möchte nicht, dass das historische Kornhaus in die Hände der AfD kommt. Er hat auf Twitter eine Spendenaktion gestartet. "Ich versuche Menschen zusammenzubringen, die im Notfall helfen, dass das Gebäude nicht an die rechtsextreme Partei verkauft wird", sagte Kachelmann MDR SACHSEN. Er ist der Meinung, das Land Sachsen sollte das Gebäude erwerben und erhalten. "Ich hoffe, dass der Freistaat tut, was er tun sollte."

Er selbst möchte einer von vielen sein, die mithelfen, dass der "Notfall" nicht eintritt. "Hauptsache die AfD bekommt es nicht", so Kachelmann. Dazu möchte er auch nach Meißen kommen und mit dem Meißner SPD-Landtagsabgeordneten Frank Richter sprechen, der sich ebenfalls dafür einsetzt, dass das Kornhaus nicht versteigert wird. "Das gehört zum Respekt, dass man sich das vor Ort ansieht und zuhört." Er fühle sich zudem mit dem Sendegebiet verwachsen.

Meißner Landtagsabgeordneter Richter: Gebäude gehört in öffentliche Hand

"Das Gebäude gehört in öffentliche Hand und nicht in private Hand und schon gar nicht in die Hand irgendeiner Partei", sagte Richter im Gespräch mit MDR SACHSEN. Verursacher des Problems sei die Stadt Meißen, die das Gebäude an einen privaten Investor verkauft hat, ohne die Möglichkeit, das Gebäude zurückzukaufen. "Das war ein Fehler", so der Parlamentarier, der für die SPD im Landtag sitzt.

Das Kornhaus auf dem Meißner Burgberg gehöre ohne Zweifel zum kulturellen Tafelsilber des Freistaates.

Es ist in seiner politischen, historischen und architektonischen Bedeutung ein wertvolles Element sächsischer Identität.

Frank Richter Landtagsabgeordneter der SPD

Die Stadt sollte auf die öffentlichen, staatlichen und privaten Partner zugehen, um gemeinsam mit ihnen ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, verlangt Richter.

Grüne: Kornhaus kein Spielball rechter Populisten

Die Grünen im Landtag forderten Landesregierung und die Stadt Meißen auf, gemeinsam nach Lösungen zum Erwerb des Kornhauses zu suchen. Das Kornhaus dürfe nicht zum Spielball rechter Populisten werden, erklärte der Grünen-Abgeordnete Thomas Löser. Das Gebäude brauche perspektivisch eine angemessene Nutzung und sollte allen Menschen offenstehen. Im Doppelhaushalt 2021/22 sei die Erstellung eines Nutzungskonzeptes verankert. Bisher fehle es an Informationen zur Umsetzung des Vorhabens.

Land Sachsen sieht keinen "Staatsbedarf"

Die Linke forderte die Staatsregierung auf, das Kornhaus zu kaufen und in die Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen GmbH zu überführen. Doch der Freistaat bleibt bei seiner Haltung, das Kornhaus nicht in die staatliche Hand zu übernehmen. Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte MDR SACHSEN, daran ändere auch ein Zwangsversteigerungsverfahren nichts. Es bestehe kein Staatsbedarf an einer solchen Immobilie.

MDR (kb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus der Region Dresden | 20. Mai 2022 | 14:30 Uhr

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