Elementarschäden Naturkatastrophen in Sachsen: Versicherung und Vorsorge

Von Hochwasserschäden haben längst nicht mehr nur Menschen zu befürchten, die direkt an Flüssen leben. Im Laufe der Jahre haben sich Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen gehäuft. Spätestens seit dem Dauerregen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, der ganze Städte unter Wasser setzte, ist klar, dass eine Unwetterkatastrophe überall hereinbrechen kann. Doch was bedeutet das für die Zukunft?

Königstein in (Sachsen) steht am 04.06.2013 teilweise unter Wasser
Das Kaffeehaus in Königstein (gelbes Haus vorn) stand zuletzt im Jahr 2013 unter Wasser. Bildrechte: dpa

Antje Zimmermanns denkmalgeschütztes Kaffeehaus in Königstein hat drei Mal das Elbehochwasser erwischt. Zuletzt lud 2013 eine Mannschaft von Helfern durchgeweichte Teppiche, Fetzen nasser Tapete und viel Schlamm in Container. Die jüngsten furchtbaren Regenfluten in den westlichen Bundesländern und die Überschwemmungen in der Sächsischen Schweiz und im Vogtland gehen der 60-Jährigen sehr nahe.

Ich kann das so nachfühlen, ich rieche sogar das Hochwasser. Der Gestank danach. Und wenn Du alles verlierst - das ist schon dramatisch.

Antje Zimmermann Hausbesitzerin

Für die Königsteinerin ging der Schaden damals in die Hunderttausende. Aber sie hat sich immer wieder aus der Misere heraus gekämpft. Heute hat sie eine Hochwasserversicherung. Das war ein Kraftakt: Weil ihr Haus in der höchsten Gefahrenzone liegt, ist die Versicherung extrem teuer. Sie koste im Jahr 7.000 für das Haus und noch einmal 7.000 für das Inventar. "Da musst du viel Kaffee verkaufen, um das wieder reinzuholen", sagt Antje Zimmermann. Dazu komme eine Selbstbeteiligung im Hochwasserfall in Höhe von 20.000 Euro.

Außerdem hat die Café-Haus-Besitzerin nach der Flut 2006 weitestgehend hochwassersicher gebaut: ohne Gipskarton, mit Fensterrahmen und Türen aus Plastik und Fußboden aus Asphalt. Das war ebenfalls eine Bedingung, um sich versichern zu lassen.

Verbraucherschützer für Versicherungspflicht

Damit die Policen bei Elementarschadenversicherungen erschwinglicher werden, sprechen sich Verbraucherschützer seit Langem für eine Pflichtversicherung aus. Denn wenn alle Hauseigentümer diese abschließen müssten, käme man weit günstiger, argumentiert die Verbraucherzentrale Sachsen im Sinne der Versicherungsnehmer. Seit den jüngsten Überflutungen ist das wieder zu einem Thema auf Bundesebene geworden. Ähnlich wie bei einer Krankenversicherung oder einer Autohaftpflicht will sich Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach (CDU) bei der nächsten Justizministerkonferenz der Länder für eine verpflichtende Elementarschadenversicherung einsetzen.

Versicherungsbranche hält dagegen

Die Versicherungsbranche sieht diese Vorstoß kritisch. Es wird befürchtet, dass Hausbesitzer dann auf eigene Maßnahmen verzichten. Eine solche Pflicht nehme Hausbesitzern und Unternehmen den Anreiz, gegen Flut- und andere Extremwetterrisiken vorzusorgen, findet Oliver Hauner, Leiter Sachversicherung, bei Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). "Das könnte dazu führen, dass entweder für die Versicherungsnehmer die Prämien unbezahlbar hoch oder am Ende die Risiken für die Versicherer untragbar groß werden."

Laut Zahlen des GDV haben in Sachsen 48 Prozent der Häuser über einen Versicherungsschutz gegen Elementarrisiken wie Starkregen und Hochwasser. Das seien rund 400.000 Wohngebäude, so Hauner.

Vorbereitet sein, Warnsysteme nutzen

Betroffene wissen, dass bei Unwetter wenig Zeit zum Handeln bleibt. "Der Starkregen kommt so schnell", sagt Antje Zimmermann aus Königstein. Ihre Café-Einrichtung lässt sich wie eine Legobausatz auseinander nehmen, der Backofen ist auf Rädern gebaut und es gibt eine Strategie, wo überall die Möbel und Geräte trocken abgestellt werden können.

Die Methode, sich vorher in Ruhe einen Schlachtplan hinzulegen, kann Uwe Müller vom Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie nur begrüßen. "In so einer Situation, wenn man betroffen ist, ist man aufgeregt und vielleicht auch ein bisschen chaotisch." Man sollte deshalb schon vorher die nötigen Handgriffe durchgegangen sein und sich vielleicht sogar eine Liste zurechtlegen, die man dann einfach abarbeitet.

Woher weiß ich, ob mein Haus gefährdet ist?

Wer wissen will, ob er in einem hochwassergefährdeten Gebiet wohnt, kann sich durch die Hochwasserkarten des Landesamtes klicken. Allerdings sind hier keine starkregengefährdeten Gebiete aufgezeigt, schränkt Müller ein. Zudem sind Hochwasserkarten bei jeder Gemeinde einsehbar. Auch können auf der Seite des Landeshochwasserzentrums aktuelle Pegelstände der Flüsse nachgeschaut werden. Des Weiteren gibt es Apps, mit denen man sich für seine Gegend Hochwasser- oder Unwetterwarnungen aufs Handy schicken lassen kann.

Hilfestellung zur richtigen Vorsorge und beim Aufräumen danach gibt ebenfalls eine aus einem EU-Projekt heraus entstandene Toolbox. Diese Werkzeugkiste steht im Internet und liefert Kommunalverwaltungen und Hauseigentümern ein umfassendes Angebot an präventiven Maßnahmen wie Gefahrenanalysen und Kartierungen, an Bauvorschlägen und Einsatzverfahren im Hochwasserernstfall und an Katalogisierungsvorschlägen für die Schadensregulierung bei Versicherungen im Nachgang.

Elementarschadenversicherung Sie schützt bei Schäden durch Naturereignisse, wie Überschwemmung, Erdbeben, Schneemassen und Hochwasser.

Die Versicherung greift bei Wasserschäden nur dann, wenn das Wasser an die Oberfläche gelangt ist. Schäden, die durch Grundwasser entstehen, das von unten in das Mauerwerk drückt, sind nicht versichert.

Häuser in Risikolagen werden oft nur gegen viel Geld oder gar nicht versichert. Wer schon mal von einem Elementarschaden betroffen war, findet unter Umständen keinen neuen Versicherer.

Wer eine Elementarschadenversicherung abschließt, sollte darauf achten, dass Schäden durch Witterungsniederschläge und Schäden durch Rückstau mit eingeschlossen sind.

Quelle: MDR/ma/bd

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 12. August 2021 | 19:00 Uhr

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