Lebensmittelspenden Steigende Preise und Ukraine-Krieg setzen Sachsens Tafeln unter Druck

Die steigenden Lebensmittelpreise führen dazu, dass mehr Menschen zu den Tafeln kommen, um sich mit Essen zu versorgen. Die örtlichen Tafeln erhalten vor allem von lokalen Supermärkten und Discountern Lebensmittelspenden.

Die Tafel - Logo auf einer Fensterscheibe
Die steigenden Lebensmittel- und Spritpreise setzen die Tafel in Sachsen unter Druck. Bildrechte: IMAGO / Rolf Poss

Die steigenden Preise sorgen für eine hohe Nachfrage bei den sächsischen Tafeln. "Wir werden regelrecht überrannt - sowohl von deutschen Kunden als auch von Geflüchteten aus der Ukraine", sagte ein Sprecher des Landesverbands Tafel Sachsen. "Besonders am Monatsende merkt man, dass bei vielen kein Geld mehr da ist, um die Familie zu versorgen."

Tafel: Spenden im Zentrallager auf stabilem Niveau

Im Landesverband sind 44 Tafeln im Freistaat organisiert. Pro Woche versorgten sie durchschnittlich bis zu 1.500 Haushalte - hinzu kämen Geflüchtete aus der Ukraine, sagte der Sprecher. Die örtlichen Tafeln erhalten demnach vor allem von lokalen Supermärkten und Discountern Lebensmittelspenden.

In Dresden betreibt der Landesverband zusätzlich ein Zentrallager, aus dem sich die Einrichtungen bedienen können. "Dort sammeln wir Großspenden. Die Zahl der Spenden im Zentrallager ist auf stabilem Niveau", sagte der Sprecher. Allerdings müssten sich gerade Tafeln mit einem weiten Anfahrtsweg überlegen, ob das Geld für die hohen Benzinkosten reiche, um nach Dresden zu fahren und Lebensmittel abzuholen.

Fakten zu den Tafeln in Sachsen • In Sachsen waren 2020 insgesamt 44 Tafeleinrichtungen mit bis zu ca. 200 stationären und mobilen Ausgabestellen tätig.
• 43 Tafeln davon sind im Landesverband Tafel Sachsen e.V. organisiert. Alle Einrichtungen sind Mitglied im Bundesverband Tafel Deutschland e.V.
• 18 Tafeln befinden sich in Trägerschaft von Wohlfahrtsverbänden und regional tätigen, sozialen Einrichtungen. Die übrigen arbeiten auf Grundlage juristisch selbständiger Vereine.
• Im Jahr 2020 wurden ca. 200.000 sozial bedürftige Bürgerinnen und Bürger regelmäßig oder vorübergehend mit Lebensmittelspenden und Waren des
täglichen Bedarfs durch sächsische Tafeln versorgt.
Quelle: Landesverband Tafel Sachsen e.V.

Viele Kriegsgeflüchtete zu versorgen

Seit Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine kämen zudem sehr viele Geflüchtete aus der Ukraine zu den Tafeln. "In erster Linie sind das Menschen, die privat untergebracht sind und noch keine Sozialleistungen erhalten", sagte der Sprecher. Viele Kommunen verwiesen die Geflüchteten an die Tafeln. "Das geht so weit, dass die Kommunen den Ukrainern erzählen, dass wir als Tafeln untergeordnete Behörden sind und sie bei uns ein Recht auf Lebensmittel haben."

Trotz des steigenden Drucks gebe es noch keine Meldungen darüber, dass Tafeln flächendeckend einen Aufnahmestopp verhängt hätten, sagte der Sprecher. Menschen mit ukrainischem Pass würden generell versorgt, ohne dass die Tafeln nach deren Hintergründen und nach einer eventuellen Registrierung fragten.

MDR (ma)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 09. Mai 2022 | 07:00 Uhr

Mehr aus Sachsen

Ein Mann steuert einen Bagger übe einen Joystick und drei große Bildschirme 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK