Kinosterben? Sachsens Kinos fast ohne Gäste - Cinestar in Crimmitschau schließt

In Crimmitschau hat das Kino geschlossen, weil es sich wirtschaftlich nicht mehr trägt. Die Situation der Kinos in Sachsen ist alles andere als rosig. Die Besucher fehlen und manche Vorführung gerät zur Privatvorstellung.

Sommerkino in Chemnitz.
Zwei Besucher sitzen in der Vormittagsvorstellung des Kinos Metropol in Chemnitz. Bildrechte: MDR/Monika di Carlo

"Jurassic World", "Die Geschichte der Menschheit" und "Top Gun" - das waren die letzten Filme, die am Mittwoch im Crimmitschauer Cinestar über die Leinwand flimmerten. Jetzt haben sich die Pforten des örtlichen Filmpalastes geschlossen. Die Projektionsflächen bleiben weiß.

Kino in Crimmitschau geschlossen

Das Kino mit seinen drei Sälen sei nicht mehr rentabel gewesen, bedauert André Raphael, Oberbürgermeister von Crimmitschau. "Ich war immer sehr stolz, dass eine Stadt mit knapp 19.000 Einwohnern ein Kino in dieser Form hatte", sagte er in der Rückschau. Allerdings seien die Besucherzahlen bereits vor Corona mäßig gewesen. "Corona hat das Übrige noch dazugetan. Ich verstehe natürlich auch die wirtschaftlichen Überlegungen."

André Raphael, Oberbürgermeister von Crimmitschau
Das Kino in Crimmitschau wurde dicht gemacht. Alternativ könnte sich der Crimmitschauer OB André Raphael sporadische Filmvorführungen auf dem Marktplatz vorstellen. Bildrechte: Stadtverwaltung Crimmitschau

Ich war immer sehr stolz, dass Crimmitschau mit knapp 19.000 Einwohnern ein Kino in dieser Form hatte, verstehe natürlich auch die wirtschaftlichen Überlegungen.

André Raphael Oberbürgermeister von Crimmitschau

Die Stadtverwaltung überlegt, inwieweit Alternativen geschaffen werden können. So gibt es beispielsweise die Idee, mal auf dem Markt einen Kinofilm zu zeigen oder in einem Gebäude - als eine Art Studiokino.

Filmtheaterverband: Kein Kinosterben

Die Situation der Unternehmen sei nicht einfach, aber von einem Kinosterben will Christine Berg, Vorstandsvorsitzende vom Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino), nicht sprechen. Man habe tatsächlich kürzlich acht Kinos verloren. Bei deutschlandweit mehr als 1.700 Kinos sei das nicht erheblich.

Allerdings fehle in allen Lichtspieltheatern Publikum, wie Berg berichtet: "Bei den Besucherzahlen sieht es leider nicht so gut aus. Wir haben immer noch einen Umsatzeinbruch von 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019." Dass 60 Prozent des Publikums wiederkommen, sei natürlich eine positive Nachricht. "Aber trotzdem ist da immer noch Luft nach oben." Insbesondere das ältere Publikum fehle.

Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch und redet.
Christine Berg, Chefin des Verbandes HDF Kino, hofft auf steigende Besucherzahlen in den Kinos. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei den Besucherzahlen sieht es leider nicht so gut aus. Wir haben immer noch einen Umsatzeinbruch von 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019.

Christine Berg Hauptverband Deutscher Filmtheater

Metropol: Manchmal nur zwei Gäste pro Film

Auch im Chemnitzer Kino Metropol kehren die Besucher nach der angeordneten Schließzeit aufgrund der Corona-Pandemie eher zögerlich zurück. Bei manchen Vorstellungen sitzen gerade einmal zwei Gäste im Saal, so auch an dem Vormittag, an dem sich Kinochefin Maret Wolff für ein Interview mit MDR SACHSEN Zeit genommen hat. Auch wenn sich solche Privatvorstellungen wirtschaftlich für Kinos nicht rechnen, fährt man im Metropol den Film ab. "Aus Kulanz", erklärt die Kinochefin.

Das Biotop Kino ist arg in Gefahr.

Maret Wolff Kino Metropol in Chemnitz

Gut laufen laut Wolff Komödien - wie immer in Krisenzeiten - und natürlich die Blockbuster wie "Top Gun" und "Jurassic World". Das bringe dem Programmkino vereinzelte Spitzen. "Aber es ändert nichts an der grundlegenden Tatsache, dass das Biotop Kino rein aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten arg in Gefahr ist."

Sommerkino in Chemnitz.
Für Juli hat Maret Wolff vom Metropol Chemnitz wieder ein Freilichtkino organisiert. Bildrechte: MDR/Monika die Carlo

Im Juli bietet das Metropol neben einigen Blockbustern auch Sonderfilme sowie das Freilichtkino, welches das Haus gemeinsam mit anderen Akteuren in der Möbelgalerie Tuffner organisiert. Es werde eine bunte Mischung aus Kulinarischem, Musik und Kino, kündigt Wolff an. Die beiden Besucherinnen verlassen gerade den Kinosaal. Der Film ist vorbei und sie sehen zufrieden aus: "Schöner als Fernsehen, man sollte sich das ab und zu mal gönnen", so ihre Meinung.

MDR (mc,ma)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport | 29. Juni 2022 | 16:30 Uhr

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