Seelsorge und Beerdigungen Kirche kritisiert neue Corona-Verordnung in Sachsen

Die evangelische Landeskirche Sachsen fordert auch bei Beerdigungen eine Lockerung der Corona-Auflagen. Sprecherin Köbsch verwies bei MDR AKTUELL darauf, dass die aktuelle Landesverordnung zwar wieder Demonstrationen mit bis zu 1.000 Teilnehmern erlaubt. Für Bestattungen bleibe es dagegen bei der Obergrenze von 20 Personen. Das sei unverhältnismäßig.

eine Kerze wird entzündet
Seelsorge in Zeiten von Coronaregeln Bildrechte: Colourbox.de

Sachsens evangelische Landeskirche hat die neuen Corona-Regeln im Freistaat stark kritisiert. Und zwar aus zwei Gründen. Der erste Grund lautet: Mit den neuen Coronaregeln sei nach wie vor kaum Seelsorge möglich, erklärt Tabea Köbsch von der Evangelischen Landeskirche. Für Seelsorge gilt nämlich die 3G-Vorschrift.

Einordnung hoch problematisch

Tabea Köbsch erklärt: "In der neuen Corona-Verordnung ist explizit benannt, dass die Inanspruchnahme von Seelsorge, die ist dort unter körpernahe Dienstleistungen eingeordnet, dass diese in Anspruchnahme von Seelsorge künftig nur noch mit einem Nachweis 'geimpft, genesen getestet' möglich ist. Und diese Einordnung ist hoch problematisch für uns."

Warum, dafür nennt Tabea Köbsch ein Beispiel. Angenommen es geschah ein schlimmer Verkehrsunfall, vielleicht sogar mit Toten. Kurz nach dem Unfall sitzen Überlebende traumatisiert im Krankenhaus. In so einem Fall kann die kirchliche Seelsorge helfen. Die Seelsorger selbst seien geimpft, erklärt Tabea Köbisch. Doch diejenigen, die Hilfe benötigen, sind das vielleicht nicht.

Nach der Corona-Verordnung müssten die Seelsorger die Überlebenden des Verkehrsunfalls vor dem Gespräch nach ihrem Impfausweis oder negativen Testergebnissen fragen. Und das sei problematisch: "Oftmals sind es Gespräche. Da kommt es ganz selten nur zu einem Körperkontakt. Da kann man sich schützen mit einer Maske, mit Abstand und es sind Einzelgespräche, in denen sich in der Regel nur zwei Personen gegenübersitzen," so Köbsch.

Kritik an Obergrenze

Die Kirche kritisiert außerdem die Vorschriften für Beerdigungen. Die Corona-Verordnung Sachsens schreibt hier eine Teilnehmer-Obergrenze von 20 vor. Und zwar nicht nur für kirchliche, sondern auch für nichtkirchliche Beerdigungen.

Das sei unverhältnismäßig, kritisiert Tabea Köbsch: "Die Beschränkungen der Teilnahme an Beerdigungen, die ja einen ganz wichtigen Moment für Angehörige darstellen, in dem man sich verabschiedet, in dem man selbst Trost und Stärkung erfährt, diese Dinge lassen sich nicht nachholen Und da möchten wir einfach für die Angehörigen sprechen, dass da so viel wie möglich teilnehmen können."

Unverständnis zeigt die Landeskirche dafür, dass dagegen Demonstrationen mit bis zu 1.000 Teilnehmern möglich sind. Mit Impfungen und Tests, mit Abstand und Masken gäbe es genug Möglichkeiten, das Risiko einer Ansteckung auf Beerdigungen zu verringern - und dann auch mehr als 20 Menschen zuzulassen.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2022 | 06:06 Uhr

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