Neue Corona-Infektionen in Altersheimen Unterschiedliche Corona-Maßnahmen in Sachsens Pflegeheimen

Noch ist nicht bekannt, wie es zu dem Corona-Ausbruch in einem brandenburgischen Altenheim gekommen ist. Dabei sind mittlerweile zwölf Bewohner gestorben. Feststeht aber, dass mehr als 80 Prozent der Bewohner geimpft waren, jedoch nur etwa die Hälfte der Pfleger. Sächsische Altenheime gehen sehr unterschiedlich mit der Situation um.

Ein Pfleger hält Hand einer Seniorin
Wie ist die Situation in den sächsischen Pflegeheimen angesichts steigender Corona-Infektionen? Bildrechte: dpa

Wer das AWO-Seniorenzentrum "Am See" in Markranstädt besuchen möchte, muss vorher anrufen und sich dann an der Hausklingel anmelden. Das mache man schon länger so, erklärt Heimleiterin Elvira Kahl.

Seniorenzentrum reagiert auf Corona-Fall

Seit einigen Tagen sei das aber noch einmal wichtiger geworden. Denn im Markranstädter Altenheim habe sich ein 91-jähriger geimpfter Bewohner mit Corona angesteckt. Das sei der erste Fall seit Beginn der Pandemie, erzählt die sichtlich angefasste Heimleiterin.

"Wir haben sofort reagiert. Wir haben das Haus geschlossen. Das war die erste Reaktion, dass Besucher, die sich angemeldet haben, dass die auch wieder getestet werden, auch geimpfte Besucher. Ungeimpfte oder nicht genesene Besucher haben wir ja immer getestet, aber die geimpften Besucher halt noch nicht."

Infolge wurden auch die Bewohner und die Mitarbeiter getestet. Zudem arbeite ab sofort ein fester Stamm an Pflegekräften in dem betroffenen Bereich des Hauses. Elvira Kahl will jetzt auch häufiger die Pflegekräfte testen lassen. Bislang galt für Geimpfte: einmal wöchentlich, für Ungeimpfte: alle drei Tage. Nur öfter testen, reicht für Eugen Brysch, Vorstand der deutschen Stiftung Patientenschutz, aber nicht mehr aus.

Angesichts steigender Inzidenzen sollte in den Altersheimen ab sofort täglich getestet werden, sagt er: "Wir müssen testen bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, bei allen Besuchern und auch bei allen Bewohnerinnen und Bewohnern, weil auch ein Geimpfter kann das Virus weitergeben – oft weiß er es gar nicht."

Heimleiter sind gegen Impfpflicht für Pflegekräfte

Täglich getestet werde derzeit in einem Altersheim der Diakonie in Glauchau, berichtet der Heimleiter Jens Kaiser. Dort seien nämlich fünf Corona-Verdachtsfälle festgestellt worden. Im zweiten Haus, das Kaiser betreut, gebe es derzeit keine Corona-Fälle. Deshalb würden dort alle Mitarbeiter dreimal wöchentlich getestet.

Generell täglich zu testen, sei für Jens Kaiser aber nicht machbar. "Eine tägliche Testpflicht halte ich personell für schwierig realisierbar, anlassbezogen bei einem möglichen Ausbruchsgeschehen auf jeden Fall sinnvoll."

Auch eine Impfpflicht für Pflegekräfte, wie vereinzelt in der Politik gefordert, sei nicht durchsetzbar, meint Jens Kaiser. Jeder Mitarbeiter müsse frei entscheiden können, ob er sich impfen lassen möchte. Eine Liste darüber führe er nicht. Aber natürlich werbe Kaiser dafür, sich impfen zu lassen. Mehr könne er nicht tun.

Im AWO-Seniorenheim in Markranstädt weiß Leiterin Elvira Kahl, wie viele Pflegekräfte nicht geimpft seien: fünf von 45. Aber Elvira Kahl sagt auch: Jetzt eine Impfpflicht einzuführen, würde den Pflegenotstand weiter verschärfen. "Wenn sie den Leuten sagen, ihr müsst euch impfen lassen, dann gehen die. Das denke ich. Dann sagen die, ich suche mir eine andere Arbeit."

So bleibt auch für Elvira Kahl am Ende nur, für die Impfung zu werben, die Sicherheit im Heim hochzuhalten und zu hoffen, dass keine weiteren Corona-Fälle dazukommen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: 05. November 2021 | 06:13 Uhr

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