Steigende Armut Tafel für Bedürftige öffnet in Bad Düben

Ob Tankstelle, Discounter oder beim Bäcker um die Ecke - die Inflation treibt die Preise in die Höhe. Bei vielen Menschen wird das Geld knapp. Die Tafeln sind für viele Personen die letzte Anlaufstelle, um sich mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Allein im Umkreis von Bad Düben gibt es Hunderte Bedürftige. Auch deswegen haben dort drei Frauen eine neue Tafel gegründet. Dabei soll diese künftig mehr sein, als nur eine reine Essensausgabe. Was genau geplant ist, wollte Max Zaczek wissen.

Ein Bau-Lkw steht vor einen kleinen Einkaufsladen
In Bad Düben soll eine neue Anlaufstelle für Bedürftige entstehen. Die Tafel soll in die ehemalige Verkaufsstelle "Nah und frisch" in der Blücherstraße kommen. Bildrechte: Max Zaczek

In Bad Düben hat sich ein neuer Tafel-Verein gegründet, um künftig bedürftige Menschen vor Ort zu unterstützen. Denn auch in Bad Düben verarmen immer mehr Menschen, so Bürgermeisterin Astrid Münster. Die Stadt könne da aber wenig machen, sagt sie: "Insofern ist das System der Tafeln genial. Das ist ja mittlerweile auch sehr gut infrastrukturell aufgebaut. Aber es ist eben nur die zweitbeste Lösung." In der Regel sollte es da in einem reichen Staat wie Deutschland eine andere Lösung geben, meint die Bürgermeisterin: "Die gibt es aber noch nicht. Insofern müssen wir da als Stadt mit in die Bresche springen und unterstützen."

Um sich dem Tafel-Landes- und Bundesverband anzuschließen, hat sich nun der neue Tafel-Verein in Bad Düben gegründet. Die Idee ist nicht neu, aber lange gab es auch kritische Stimmen, wieso eine Tafel in der Stadt gebraucht werde. Mittlerweile unterstützen viele Bad Dübener das Vorhaben. Doch es gibt weiter kritische Stimmen. "Es ist sehr gut für Leute, die nicht viel Geld haben. Für Bedürftige ist das zwar Okay, aber ich habe weniger als viele Bedürftige. Ich werde aber nicht hingehen, denn ich kann nichts nachweisen", sagt eine Bürgerin im Interview.

Tafel richtet sich an alle Bedürftigen

Um das Tafelangebot nachzuweisen, brauchen Bürgerinnen und Bürger in der Regel einen Bedarfsschein, erklärt Susanne Pfalz. Sie wird die Vorstandsvorsitzende des neuen Vereins sein. Susanne Pfalz und ihre Mitstreiterrinnen arbeiten alle ehrenamtlich, das künftige Tafel-Angebot wird aus Spenden kommen. Das Angebot richte sich an alle Bedürftigen, auch ohne Bedarfsschein, sagt Susanne Pfalz. Ältere und Kranke, die nicht zur Tafel kommen können, sollen künftig ein bis zwei Mal im Monat etwas geliefert bekommen: "Und wir richten uns an alle, bei denen es gerade knapp ist. Eine Mama, die jetzt gerade eine Nachzahlung bekommen hat, werden wir nicht wegschicken."

Drei Frauen. EIne Frau mit blauen Oberteil und langen, dunklen Haaren, Vivian Herrmann. Eine Frau mit dunklen, nach hinten gebundenen Haaren und in schwarzer Jacke, Susann Pfalz. Eine Frau mit rötlichen Haaren und Brille und schwarzer Jacke, Constanze Gräfe (Schatzmeisterin)
Vivian Herrmann (v.l.), Susann Pfalz und Constanze Gräfe wollen mit ihrer Tafel Bedürftige in Bad Düben und im Umkreis unterstützen. Bildrechte: Max Zaczek

Wir richten uns an alle, bei denen es gerade knapp ist. Eine Mama, die jetzt gerade eine Nachzahlung bekommen hat, werden wir nicht wegschicken.

Susanne Pfalz Vorsitzende des Vereins "Tafel Bad Düben e.V."

Hunderte im Umkreis von Bad Düben bedürftig

Mit den umliegenden Gemeinden umfasst Bad Düben etwa 10.000 Einwohner. Davon sind rund 400 Menschen mittlerweile auf Unterstützung angewiesen, sagt Bürgermeisterin Münster. Genau die wolle die Tafel erreichen. Das Problem: Oft sei bei den Betroffenen die Scham zu groß. Wenn es nach Susann Pfalz geht, soll die Bad Dübener Tafel deshalb künftig mehr sein, als eine reine Essensausgabe: "Es soll auch eine Begegnungsstätte sein. Bei manchen fehlen auch die sozialen Kontakte." Susanne Pfalz kann es sich deswegen gut vorstellen, zum Beispiel Spiele- oder Kochnachmittage mit Kindern zu veranstalten.

Stadt will Verein bei Miete unterstützen

Der Verein würde gern so schnell wie möglich mit der Arbeit beginnen, bestenfalls noch vor Weihnachten. Doch vorher muss das Amtsgericht die Vereinsgründung erst noch absegnen, sagt Astrid Münster. Erst dann könne konkret geplant werden. Wohin die Tafel in Bad Düben künftig zieht, ist allerdings schon klar. Sie wird in die ehemalige Nah- und Frisch-Filiale in der Blücherstraße einziehen. Für Bürgermeisterin Münster der ideale Standort: "Dort ist alles gegeben. Barrierefreiheit, Kühlmöglichkeiten, Regale. Die Miete ist ja auch nicht ganz unerheblich. Die werden wir als Stadt in Form eines Zuschusses an den Verein im ersten Jahr mitfinanzieren müssen."

Eingangsbereich eines Einkaufsladens mit der Aufschrift "Nah und frisch"
Die künftige Tafel in der Blücherstraße soll nicht nur Essensausgabe, sondern auch Begegnungsstätte werden. Bildrechte: Max Zaczek

Die Miete ist ja auch nicht ganz unerheblich. Die werden wir als Stadt in Form eines Zuschusses an den Verein im ersten Jahr mitfinanzieren müssen.

Astrid Münster Bürgermeisterin von Bad Düben

Eine Weihnachtsaktion werde es aber in jedem Fall geben, sagt Münster, bevor die Tafel in Bad Düben dann ab Anfang kommenden Jahres loslegen könne.

MDR (phb/mz)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport des Studios Leipzig | 15. Oktober 2022 | 16:30 Uhr

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