Reaktionen Freude über geplantes Chemieforschungszentrum in Delitzsch

Die Stadt Delitzsch bekommt im Zuge des Strukturwandels eins von zwei Großforschungsinstituten. Auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik soll ein Zentrum für die Transformation der Chemie entstehen. Die Stadt hofft nun auf einen gewaltigen wirtschaftlichen Schub.

Der Marktplatz von Delitzsch mit der Stadtkirche St. Peter und Paul.
Das beschauliche Delitzsch soll ein Standort für Innovationen für die Chemieindustrie werden. Bildrechte: dpa

Delitzschs Oberbürgermeister Manfred Wilde zeigt sich angesichts der geplanten Ansiedlung eines Großforschungsinstituts für Chemie in seiner Stadt euphorisch: "Ich glaube, wir stehen vor einer epochalen Zäsur für die nächsten zehn bis 15 Jahre." Es werde eine Welle an Innovationen geben.

Bau auf Gelände der früheren Zuckerfabrik

In Delitzsch soll auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik das sogenannte "Center for the Transformation of Chemistry" (CTC) entstehen. Ein weiterer Standort ist in Leuna in Sachsen-Anhalt vorgesehen. Der Bund fördert die Zentren mit gut einer Milliarde Euro.

In dem künftigen Chemieforschungszentrum wird nach umweltfreundlicheren Produktionsformen gesucht. Es geht um Fragen der Kreislaufwirtschaft in der Chemie. 1.000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Auch die Universität Leipzig ist daran beteiligt.

Zusammenarbeit mit der Uni Leipzig

Auch die Universität Leipzig ist an dem Projekt beteiligt. Man sei stolz, hier gemeinsam mit der Universität in Halle ein Partner zu sein, erklärte die Rektorin der Universität Leipzig, Prof. Eva Inés Obergfell. "Das CTC ermöglicht im mitteldeutschen Revier eine nachhaltige Entwicklung der ehemaligen Braunkohleregionen. Wir tragen dazu bei, die neue große Herausforderung für die chemische Industrie zu meistern: von fossilen Energie- und Rohstoffquellen weitgehend unabhängig zu werden."

Das ist die Möglichkeit, aus Mitteldeutschland heraus diese Chemieindustrie neu aufzubauen.

Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen

Über den Zuschlag für das CTC im Mitteldeutschen Revier freut sich Sachsen mit Sachsen-Anhalt. Dort könne "die Geschichte der Chemie" neu aufgesetzt werden, da es mit Blick auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit andere Prozesse und Rohstoffe für die Produktion brauche, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). "Das ist die Möglichkeit, aus Mitteldeutschland heraus diese Chemieindustrie neu aufzubauen."

Linke: Kernregionen des Strukturwandels müssen ebenfalls profitieren

Laut Kretschmer gehen mehr als 20 Prozent der sächsischen Kohlegelder in das Chemieforschungszentrum sowie in ein Astrophysikzentrum in der Oberlausitz. "Wir wissen aus der Erfahrung der vergangenen 30 Jahre, dass das funktionieren wird", sagte er. "Das ist genau der richtige Weg. Ich glaube, die Menschen in den Regionen haben eine tolle Perspektive."

Marco Böhme, Sprecher für Energie- und Klimaschutz der Linken im Sächsischen Landtag, äußerte Bedenken. "Auch für das mitteldeutsche Revier gilt, dass die betroffene Kernregion berücksichtigt werden muss. Es ist also wichtig, dass diese Investitionen nicht nur dem Raum Delitzsch zugute kommt", mahnte er.

MDR (ama)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 29. September 2022 | 19:00 Uhr

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