Posse in Torgau Stadt baut Fußgängerbrücke, aber nicht für alle

Die 9. Sächsische Landesgartenschau wirft ihre Schatten voraus. In zehn Tagen startet das florale Großereignis in Torgau. Herzstück der Schau wird das Glacis, der ehemalige historische Verteidigungsring um die Altstadt, der heute als Stadtpark genutzt wird. Damit die Besucher barrierefrei über das Laga-Gelände spazieren können, muss eine Straße für den Individualverkehr gesperrt werden. Um Bürgern einen größeren Umweg zu ersparen, hat die Stadt dort einen temporären Übergang gebaut, der allerdings für mächtig Kritik sorgt.

Ein Behelfsbrücke aus Metall steht an einer Straße
Die nicht barrierefreie Fußgängerbrücke über das Landesgartenschaugelände sorgt in Torgau für Ärger. Bildrechte: Stadt Torgau/Eileen Jack


Seit wenigen Tagen steht sie da und sorgt schon für mächtig Wirbel: die Brücke über die Wolffersdorffstraße in Torgau. Sie ist keine Schönheit und bleibt auch nur bis Anfang Oktober stehen, bis zum Ende der Landesgartenschau. Gebaut hat sie die Stadt Torgau. Einwohner sollen dadurch ohne Umwege von der Innenstadt in den nördlichen Teil Torgaus kommen, überqueren somit das Gelände der Landesgartenschau ohne Eintritt zu bezahlen.


Doch das Bauwerk aus Metallstangen und Lochblechstufen lässt manchen Torgauer ratlos zurück. Für Rollstuhlfahrer, Familien mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollatoren gibt es dort kaum ein Drüberkommen. Die Brücke ist nicht barrierefrei.

Hindernis sorgt für Unverständnis

Schon beim Bau der temporären Brücke habe es unter den Schaulustigen Unverständnis und großes Gelächter gegeben, erzählt Denny Köchel MDR SACHSEN. Viele hätten sich gefragt, so Köchel, wie Menschen mit Gehbehinderungen oder Familien mit Kinderwagen dieses Hindernis überwinden sollen. "Der nördliche Teil Torgaus ist jetzt regelrecht abgeschnitten. Wer die Brücke nicht nutzen kann, muss jetzt fast drei Kilometer Umweg gehen", erklärt Köchel.

Der nördliche Teil Torgaus ist jetzt regelrecht abgeschnitten. Wer die Brücke nicht nutzen kann, muss jetzt fast drei Kilometer Umweg gehen.

Denny Köchel Einwohner von Torgau

Köchel findet, dass die Brückenvariante noch einmal überdacht werden sollte. Ein Kritiker der Landesgartenschau ist er nicht, hat sich bereits eine Dauerkarte gekauft und freut sich im Grunde auf das Ereignis.

Unmut bei Anwohnern wächst

Anders die Kommentare unter dem Brücken-Post auf der Facebook-Seite der Stadt Torgau. So schreibt eine Userin: "Dieses Teil ist doch einfach nur unmöglich. Warum nicht gleich noch höher, mehr Stufen gut für die Fitness.(...) Ich bin froh, wenn der ganze Spuk vorbei ist".

Und eine Anwohnerin des Laga-Geländes, die im Repitzer Weg wohnt, hat überhaupt kein Verständnis mehr. Sie schreibt: "Wir haben von Beginn der Bauarbeiten an nicht ein einziges Informationsschreiben im Briefkasten gehabt. (...) Auf Nachfrage bei der Stadt zur Laga-Situation in dem nächsten halben Jahr hatte man bisher nur ein müdes Lächeln für uns Anwohner übrig. (...) Ich bin nicht nur enttäuscht darüber, wie man mit uns als direkt Betroffene umgeht, sondern mit welcher Selbstverständlichkeit von uns gefordert wird, das Ganze hinzunehmen! Aber meine 'Kotzgrenze' ist definitiv mit diesem Übergang erreicht!"

Ich bin nicht nur enttäuscht darüber, wie man mit uns als direkt Betroffene umgeht, sondern mit welcher Selbstverständlichkeit von uns gefordert wird, das Ganze hinzunehmen! Aber meine "Kotzgrenze" ist definitiv mit diesem Übergang erreicht!

Userkommentar Facebookseite Stadt-Torgau

Stadt: Brücke in erster Linie für Schüler gebaut

Den Vorwurf über Baumaßnahmen nicht informiert zu haben, weist Stadtsprecherin Eileen Jack zurück. "Natürlich stimmt es nicht, dass die direkten Anwohner nicht informiert worden sind", sagte sie auf Anfrage von MDR SACHSEN.

Natürlich stimmt es nicht, dass die direkten Anwohner nicht informiert worden sind.

Eileen Jack Sprecherin Stadt Torgau

Unkommentiert blieb dagegen die Kritik an der fehlenden Barrierefreiheit. Die ursprünglichen Planungen hätten an dieser Stelle eigentlich gar keinen Überweg vorgesehen, erklärte Jack. Die Fußgängerbrücke sei eine Idee und ein Angebot des Bauunternehmens gewesen. Nutzen sollen sie in erster Linie Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Schulzentrums im Repitzer Weg, um ohne großen Umweg zur Schule zu kommen.

Ansonsten seien alle Grundstücke der Wolffersdorffstraße, der Straße Am Stadtpark und des Reptizer Weges während der 170 Tage dauernden Landesgartenschau erreichbar, so Jack. Zu Fuß und mit dem Auto. Für Fußgänger, für die das Treppensteigen keine einfache Aufgabe ist, allerdings nicht direkt sondern auf Umwegen.

1,3 Kilometer in fünf Minuten oder 90.000 Euro

"Der Umweg von dem hier die Rede ist, beträgt nach der Freigabe des Wolffersdorffplatzes genau 1,3 Kilometer und ist mit dem Fahrrad in gut fünf Minuten zu bewältigen", versteht Stadtsprecherin Jack die Aufregung über die Sperrung des kleinen Teilstücks der Wolffersdorffstraße nicht. Immerhin könnten die Bürger, die diesen Umweg nicht bewältigen können oder wollen, den Bus-Shuttle nutzen, um zum Beispiel von der Innenstadt zum Bahnhof zu gelangen.

Der Umweg von dem hier die Rede ist, beträgt nach der Freigabe des Wolffersdorffplatzes genau 1,3 Kilometer und ist mit dem Fahrrad in gut fünf Minuten zu bewältigen.

Eileen Jack Sprecherin Stadt Torgau

Ohne Sperrung der Straße hätte ein erhebliches Sicherheitsproblem bestanden, erklärte Jack das Vorgehen der Stadt. Gut 400.000 Besucher erwarten die Macher der Landesgartenschau. Um von einem Teil des Geländes in den anderen Teil zu kommen, müssen alle die Wolffersdorffstraße queren. Wäre die Straße für den Individualverkehr offen geblieben, wären zusätzliche Absperrungen des Geländes und damit rund 90.000 Euro Zusatzkosten erforderlich geworden, so Jack. Wie teuer das temporäre Bauwerk ist, konnte oder wollte die Stadt Torgau nicht mitteilen.

MDR (bb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 12. April 2022 | 13:30 Uhr

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