Oberbürgermeisterwahl Delitzsch Rechter OB-Kandidat droht "LVZ" nach Ausladung aus Gesprächsrunde

Anlässlich der Oberbürgermeisterwahl in Delitzsch lädt die Leipziger Volkszeitung zu einer Gesprächsrunde mit allen Kandidaten ein – außer mit Hagen Grell. Der Parteilose ist seit Jahren in der rechten Szene vernetzt und verharmloste kürzlich in einem Youtube-Video den Holocaust.

Rathaus auf dem Marktplatz in Delitzsch, 2004
Am 29. Mai wird in Delitzsch ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Bildrechte: dpa

Nach einem YouTube-Video, das ihrer Redaktion zugespielt wurde, war die Entscheidung für Hannah Suppa klar. Sie ist die Chefredakteurin der "Leipziger Volkszeitung" und lud Hagen Grell von einer Gesprächsrunde mit allen Oberbürgermeisterkandidaten in Delitzsch aus.

Es handle sich bei dem Video um "ein YouTube-Video, das inzwischen gelöscht ist, in dem er den Holocaust verharmlost, den Holocaust relativiert. Und nicht nur das, er ist ja ein sehr bekannter YouTuber der rechten Szene gewesen und hat dort umfänglich rechte Verschwörungstheorien geteilt. Und hat auch viel Kontakt zu anderen Mitgliedern von anderen Vereinigungen wie der Identitären Bewegung", erklärt die "LVZ"-Chefredakteurin.

Grell plant Retourkutsche

Nach der Entscheidung hatte Grell auf seinem Telegram-Kanal mehrmals gegen die "LVZ" mobilisiert. Dort heißt es unter anderem: "Wir haben schon etwas Schönes geplant, um auf diese bodenlose Frechheit zu antworten. Spaß haben und 'LVZ' blamieren!"

Gemeint ist eine Demonstration am Tag des Kandidatengesprächs. MDR AKTUELL hat Grell dazu angefragt. Aktiv gegen die "LVZ" zu mobilisieren, rechtfertigt er mit der Demokratie: "Dass das kein Angriff auf Frau Suppa oder die 'LVZ' direkt ist. Sondern einfach zu zeigen: Man macht es besser. Und was jetzt Frau Suppa persönlich betrifft: Sie hat sich mit ihren Aussagen und Taten natürlich selber ein bisschen zum Ziel gemacht. Zum Ziel von Kritik, wie sie in der Demokratie üblich ist. Das heißt, das muss ich aushalten. Das muss aber auch ein Chefredakteur aushalten."

Experte: Rechte setzen auf Emotionalisierung

Auf seinem mittlerweile gelöschten YouTube-Kanal hatte Hagen Grell auch unter anderem den AfD-Rechtsaußen Björn Höcke interviewt. Auf Telegram wird Grell von den "Freien Sachsen" unterstützt – eine Partei, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Dass die rechte Szene die Medien zum Feindbild mache, sei ein altes Phänomen, sagt Johannes Kiess. Er ist stellvertretender Direktor des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts für Demokratieforschung in Sachsen: "Es wird extrem viel mit Emotionen gearbeitet. Also mit Wut, Trauer, Verächtlichmachung. Häme, die dann genutzt wird. Und daran merkt man, dass es weniger um einen rationalen, auf Argumenten basierenden Diskurs geht, sondern sehr, sehr stark in dieses Emotionalisierende hereingegangen wird."

Opferrolle als Mobilisierungsstrategie

Der Politikwissenschaftler unterstützt die Entscheidung der "LVZ". Menschen aus der rechten Szene würden sich in solchen Fällen aber häufig als Opfer darstellen.

Kiess erklärt: "Also das ist immer dieses Narrativ, das dann aufgefahren wird: Die lassen mich nicht zu Wort kommen, die sind unfair und so weiter. Aber das ist vorgeschoben, das ist Teil der Mobilisierung. Denn schon alleine, dass sie sagen, dass sie nicht zu Wort kommen, ist ja ein zu Wort kommen. Ich denke, wir haben eher das Problem, dass sie zu oft zu Wort kommen."

Wenn das Kandidatengespräch der "LVZ" am 16. Mai in Delitzsch stattfindet, werden auch Polizei und Security vor Ort sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Mai 2022 | 06:20 Uhr

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