Arbeitskampf Tarifstreit bei Franken Brunnen: Beschäftigte in Eilenburg fordern Lohnangleichung

Die Lohnunterschiede zwischen Ost und West sind immer wieder ein Aufreger und Anlass für Streiks. Auch beim Getränkehersteller Franken Brunnen in Eilenburg kämpfen die Mitarbeitenden um eine Angleichung der Gehälter an die ihrer Kolleginnen und Kollegen in Bayern. Die Tarifverahndlungen gestalten sich allerdings schwierig.

Frankenbrunnen Eilenburg
Bei Frankenbrunnen in Eilenburg füllen die Mitarbeitenden Getränke ab. Auch die Marke Sachsenquelle wird dort produziert. Bildrechte: Lars Tuncay

Im Tarifstreit zwischen dem Getränkehersteller Franken Brunnen in Eilenburg und der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) hat es am Mittwoch ein "verhandlungsfähiges Angebot" gegeben. Laut NGG-Sprecher Christian Ullmann liegt das Angebot "auf dem Tisch". Darüber entscheiden müssten nun die Beschäftigten. Sowohl beim Lohn als auch dem Weihnachtsgeld habe das Unternehmen nachgebessert. Über den konkreten Inhalt des Angebots wollte die NGG gegenüber MDR SACHSEN keine Auskunft geben, um die Verhandlungen nicht zu gefährden.

Rund 280 Euro weniger

Die 85 Mitarbeitenden des Werks in Eilenburg kämpfen schon länger um eine Lohnangleichung an die Gehälter der Kolleginnen und Kollegen in Bayern. Am Dienstag gab es bereits einen Warnstreik. "Wir fordern für die Beschäftigten sechs Prozent mehr Lohn und eine Angleichung beim Weihnachtsgeld, um so die Lohnlücke zwischen den Kollegen in Bayern zu schließen", sagte Gewerkschaftssprecher Christian Ullmann. 31 Jahre nach der Wende sei ein Lohnunterschied für die gleiche Arbeit nicht mehr zeitgemäß. Die Mitarbeitenden in Eilenburg verdienen rund 280 Euro weniger im Monat, als die Beschäftigten in Bayern.

Preisniveau als Problem

Im Vorfeld der Verhandlungen zeigte Geschäftsführer Markus Humpert Verständnis für die Forderungen seiner Angestellten, hatte aber Zweifel an der Umsetzbarkeit. "Wir haben ein ganz anderes Preisgefüge", betont Humpert. Für eine Kiste Sachsenquelle bekomme das Unternehmen in Sachsen 13 Prozent weniger als in Bayern. Ein anderes Preisniveau habe deswegen auch Auswirkung auf die Kostensituation und "auf die Möglichkeiten, die wir hier zur Verfügung stellen können", so der Geschäftsführer.

Gewerkschaft lehnte erstes Angebote des Unternehmens ab

Vor der dritten Verhandlungsrunde hatte das Unternehmen eine Lohnerhöhung von insgesamt 4,1 Prozent angeboten - eine Corona-Prämie und eine Erhöhung des Weihnachtsgelds waren Teil des Angebots. Doch die Beschäftigten waren damit nicht einverstanden. "Die 3,4 Prozent (ohne Weihnachtsgeld und Corona-Prämie Anm. d. Red.), die uns bisher angeboten worden sind, würden die Lohnlücke, die aktuell besteht um 20 Euro schließen", sagte Verhandlungsführer Ullmann. Bei dem Tempo würde es noch 15 Jahre dauern, um die Lohnlücke zu schließen. "Das erleben die Leute, die jetzt hier arbeiten nicht mehr", ist sich Ullmann sicher.

Auch den Beschäftigten war das Angebot des Unternehmens zu wenig.

Wir wollen sechs Prozent, um nicht mehr der billige Osten zu sein. Ich konnte mir selber zwei Betriebe von unseren Unternehmen in Westdeutschland anschauen und weiß, dass die Kollegen dort auch unserer Meinung sind und wir dasselbe verdient haben, wie die dort.

Mitarbeiter bei Franken Brunnen in Eilenburg

Schwierige Verhandlungen und kein Ende in Sicht

Geschäftsführer Humpert bedauerte die schwierigen Verhandlungen und sah wenig Kompromissbereitschaft. "Wir haben vor der ersten Verhandlung überhaupt keine Forderungen bekommen. Die ersten Forderungen kamen erst einen Tag vor der zweiten Verhandlung. Es wurde einfach gestreikt, ohne etwas zu sagen", so Humpert. Bisher sei überhaupt nicht verhandelt worden. "Wir können nur erkennen, man will streiken, um Signale zu setzen. Das ist aber kein Weg, um vernünftige Kompromisse zu erzielen", so Humpert weiter.

Sollten die Beschäftigten das neue Angebot ablehnen, wollen sie erneut streiken.

Quelle: MDR(mar/lt)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 05. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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