Justizvollzugsanstalt Handwerk und Naschzeug aus der JVA in Torgau

Wer den besonderen Weihnachtsschmuck sucht, wird in Torgau fündig. In der Justizvollzugsanstalt werden im Advent Handwerk und Naschwaren verkauft – produziert hinter Gitterstäben. Die Häftlinge fertigen Schwibbögen, Pyramiden und Räucherhäuschen und backen Stollen in ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen.

Weihnachtsverkauf der JVA Torgau.
An jedem Donnerstag in der Vorweihnachtszeit werden die Produkte der Insassen vor der JVA Torgau verkauft. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

In Torgau verkaufen Häftlinge der Justizvollzugsanstalt in der Vorweihnachtszeit ihre selbstproduzierten Waren. Der Erlös der weihnachtlichen Artikel geht an den Freistaat. Bei der Herstellung beweisen die Straftäter viel Feingefühl.

Kuno kann drechseln

Einer von ihnen ist Kuno. Warum er erneut in der JVA Torgau einsitzt, will er nicht sagen. Aber alle sind froh, dass er wieder da ist. Denn Kuno kann drechseln. Drechseln sei unabdingbar zur Herstellung der hängenden Weihnachts-Pyramide, erzählt die Chefin des Kunstbetriebes hinter Gittern, Heike Krause. "Die haben wir seit zwei Jahren nicht im Sortiment gehabt, weil wir jemanden von den Inhaftieren brauchen, der drechseln kann." Da Kuno erst vor zwei Monaten zurück in die JVA kam, sind die Pyramiden nun kurz vor Weihnachten nur in geringer Stückzahl erhältlich, bedauert Krause.

Handwerkskunst aus dem Knast

Erhältlich sind sie direkt vor den Toren der JVA. Verkauft werden dort nicht nur Pyramiden, sondern auch Schwibbögen, Lichterbäume, Räucher- und Vogelhäuschen und nachhaltige Adventskalender aus Holz. Alles in Handarbeit gefertigt.

Weihnachtsverkauf der JVA Torgau.
Die Schwibbögen, Räucherhäuschen und Pyramiden entstehen in filigraner Handarbeit. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Die Handwerkskunst ist aufwändig. So braucht Kuno gut vier Tage, um eine der fast einen Meter hohen Pyramiden mit Zweigen, Tier- und Menschenmotiven herzustellen.

Diese Jäger mit den Waldtieren und diese Vögel, das sind filigrane Feinarbeiten, die wir mit der Dekopiersäge machen. Ich kann sagen, ich habe jedes Element hier dran selbst gebaut, sehe und weiß, wieviel Arbeit und Mühe und wieviel Herzblut und Liebe da drin stecken. Ich mach das gern.

Kuno Strafgefangener in der JVA Torgau

Gebrannte Tabletts von Holger

Zwei Tische weiter sitzt Holger. Er nennt sich selbst "der Brenner". Er stellt Tabletts mit eingebrannten Motiven her. Gerade entsteht in seinen Händen Schloss Hartenfels nach einer Fotovorlage. Zwei Tage braucht er dafür, sagt er. "Das Schwierigste ist dann, die Schatten reinzukriegen. Man darf nicht so sehr aufdrücken, sonst wird es zu dunkel oder es bleibt zu hell. Und dann kommt noch die Kreativität hinzu. Entscheiden, wo man die Schatten setzt, damit es nicht zu nackig aussieht."

Willkommene Abwechslung zum Knastalltag

Alle, die in den Werkstätten der JVA Torgau arbeiten, machen das freiwillig, bekommen dafür auch einen Lohn. Sie nutzen die Arbeit, um aus ihren Zellen rauszukommen. Das sei wichtig, sagt die Personalchefin der JVA Torgau, Anja Scheibel.

Wir stellen selber fest und bekommen dies auch zurückgemeldet, dass die Gefangenen hier eine sehr wertvolle Arbeit haben, sich dadurch gut stabilisieren. Dass sie es als sehr wertvoll für sich empfinden, einen strukturierten Tagesablauf zu haben.

Anja Scheibel Personalchefin JVA Torgau

Stollen sind der Renner

Besonders beliebt im Knastladen sind Stollen in außergewöhnlichen Geschmacksrichtungen, sagt Scheibel. Die Backwaren mit Glühwein, Cranberry oder Schwarzwälderkirsch waren im vergangenen Jahr im Nu ausverkauft. Gebacken werden sie von den Häftlingen, die auch Brot und Brötchen in der JVA herstellen. Der Renner sind zudem Schwibbögen mit Torgauer Motiven.

Verkauf auch im Internet

Das Weihnachtsbüdchen vor der JVA Torgau öffnet immer donnerstags von 14 bis 19 Uhr. Einige der Produkte gibt es auch im Internet.

MDR (bab,ltt)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 24. November 2022 | 19:00 Uhr

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