Krebserkrankungen Leipziger Start Up stellt Brustimplantate aus dem 3D-Drucker vor

Brustimplantate aus Silikon können vom Körper als fremd erkannt werden. Ein Unternehmen aus Leipzig hat deshalb eine Alternative aus Kunststoff entwickelt, der sich im Körper abbaut. Das Material kommt aus dem 3-Drucker und soll Krebspatientinnen beim Brustwiederaufbau helfen, aber auch für Brustvergrößerungen eingesetzt werden.

3D Druck Brustimplantate
Aus dem 3D-Drucker: Ein Leipziger Start Up will Brustimplantate herstellen, die durch Eigenfettgewebe gefüllt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Leipziger Start Up Bellaseno will durch Brustimplantate verursachte Nebenwirkungen zukünftig umgehen. Das Material kann den Entwicklern zufolge im Körper abgebaut werden. Bisher werden Brustimplantate, die aus ästhetischen oder medizinischen Gründen zum Einsatz kommen, in der Regel aus Silikon hergestellt. Das kann aber zu Nebenwirkungen führen. Der menschliche Körper reagiert teilweise abwehrend auf den als fremd erkannten Stoff, was zu einer sogenannten Kapselfibrose führen kann. In der Folge kann es zu einer Deformierung und Verhärtung des Implantats kommen, sagt Dr. Tobias Großner, Manager im Unternehmen und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Kunststoff soll sich in zwei Jahren abbauen

Das von Bellaseno entwickelte Implantat hingegen soll den Körper nicht belasten. Das Unternehmen hat zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie ein Implantat aus abbaubarem Kunststoff entwickelt. Es bildet eine Art durchlässiges Gerüst, in dessen Gitterstruktur Eigenfettgewebe aus anderen Körperstellen gespritzt werden kann. Das Implantat soll sich, anders als Silikon, innerhalb von zwei Jahren abbauen.

3D Druck Brustimplantate
Die Implantate bestehen aus einem Kunststoff, der sich nach zwei Jahren selbst auflöst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das kennen viele Patienten schon von Fäden, die sich auflösen können. Bei den Brustimplantaten kommt ein ähnliches Material zum Einsatz.

Dr. Tobias Großner Unternehmen Bellaseno

Übrig bliebe dann nur das Fettgewebe, dessen Form sich auch nach Abbau des Gerüsts nicht verändern soll.

Implantat möglichst präzise an den Patienten anpassen

Damit wolle das Unternehmen auf die weltweite Nachfrage nach möglichst natürlichen medizinischen Produkten reagieren, sagt Tobias Großner. "Der Schlüssel liegt hier im Design", erklärt er. Denn durch die Herstellung im 3D-Druck sei es möglich, die Implantate genau an die Bedürfnisse der Patientinnen anzupassen. Um die Präzision zu sichern und in der Geschwindigkeit herzustellen, die sich das Unternehmen wünscht, stellt es seine Geräte auch teilweise selbst her.

Eine Frau zeigt ein Brustimplantat
Bisher werden Brustimplantate vor allem aus Kunststoff mit einer Silikonfüllung hergestellt. Bildrechte: Harald Tittel/dapd

Oberärztin: Körpereigenes Gewebe bringt Vorteil für die Patienten

Dr. Susanne Briest, Oberärztin am Brustzentrum des Leipziger Universitätsklinikum, hält diese Entwicklungen für sehr vielversprechend. "So müsste kein körperfremdes Implantat zum Einsatz kommen", sagt sie. Die Oberärztin sieht einen großen Vorteil darin, wenn es gelänge, den Brustaufbau mit eigenem Körpergewebe zu gestalten, da es das Risiko von Nebenwirkungen reduzieren könnte. Dem Unternehmen Bellaseno, mit Sitz in der Leipziger Bio City, zufolge sind bei ersten präklinischen Studien keine Nebenwirkungen wie die Kapselfibrose nachgewiesen worden.

Bis das neuartige Implantat als industriell einsatzfähiger Prototyp vorliegt, könnte es aber noch drei Jahre dauern. Zunächst sollen die Implantate in klinischen Studien in Australien getestet werden.

MDR (ps)

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