Ernüchterndes Fazit Bündnis für bezahlbaren Wohnraum in Leipzig gescheitert?

So rasant wie die Bevölkerungszahl Leipzigs wächst, schwindet auch bezahlbarer Wohnraum. Um diese Entwicklung zu bremsen, Verdrängung zu verhindern und auch einkommensschwächeren Bürgerinnen und Bürgern Wohnraum zu ermöglichen, hat sich im vergangenen Jahr ein Bündnis von rund zwanzig Akteuren und Akteurinnen am Leipziger Wohnungsmarkt gegründet. Doch deren Arbeit geht nur langsam voran.

Auf dem Areal hinter dem bayerischen Bahnhof soll der neue Stadtraum entstehen.
Auf dem Areal hinter dem bayerischen Bahnhof soll ein neuer Stadtraum entstehen. Doch bislang ist davon nur wenig zu sehen. Bildrechte: Stadt Leipzig

Leipzig will mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. Bis 2024 sollen insgesamt 10.000 Sozialwohnungen mit einer Kaltmiete von maximal 6,50 Euro pro Quadratmeter entstehen. 66 Millionen Euro an Fördergeldern stehen dafür zur Verfügung. Um die gerecht zu verteilen, hat sich 2019 ein Bündnis aus der Stadt Leipzig und Vertretern von Mieterinteressen, der Wohnungswirtschaft, der Wohnungsbaugenossenschaften sowie Vereinen wie der "Kontaktstelle Wohnen" gegründet. Das Ziel: Gemeinsame Vereinbarungen zu treffen, damit der bezahlbare Wohnraum geschaffen werden kann und erhalten bleibt.

Ernüchterndes Fazit

Doch nach rund zwei Jahren ist Ernüchterung eingekehrt. "Es gibt nach meinem Dafürhalten keine greifbaren Ergebnisse", sagt Ronald Linke, Vorstandsvorsitzender beim Verein Haus und Grund Leipzig. Einzelne Bündnispartner hätten sich daher bereits abgewendet. "Ich nehme wahr, dass die Stadt ihre eigenen Dinge vorantreibt, ohne die Bündnispartner zu beteiligen oder anzuhören."

Neubaublock
In diesem Neubau in Paundsorf sollen bis Ende des Jahres 21 Wohnungen entstehen. Sieben davon sind sozial gefördert. Die Nachfrage ist groß. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als Beispiel führt er die Vergabe von fünfzig Einfamilienhausgrundstücken an. Er habe erst aus der Zeitung erfahren, dass diese nach einem Punktesystem verteilt werden sollen, wo unter anderem ehrenamtliches Engagement ein Kriterium für die Bewerbung sein soll. Dies hätte man vorher im Bündnis diskutieren müssen. Stattdessen habe die Stadt im Alleingang entschieden.

Wohnungsnotstand größer als Gedacht

Oft werde vergessen, dass bezahlbar Wohnen auch eine Frage des Einkommens sei, sagt Andreas Dohrn. Der Pfarrer der Peterskirche ist in der Kontaktstelle Wohnen aktiv. Er kritisiert, dass viele Akteure auf dem Leipziger Wohnungsmarkt sich nicht dafür interessieren, wie viele Menschen es in der Stadt gibt, die in Wohnungsnot sind. "Die Europäische Union sagt, vierzig Prozent des Haushaltsnettos auszugeben für die Bruttokaltmiete – das ist Wohnungsnot."

Es gibt eine Untersuchung von der Böcklerstiftung, und die kommt zu dem Schluss: Unter dieses Kriterium fallen 23.000 Haushalte in Leipzig. Geht man davon aus, dass diese Haushalte im Schnitt zwei Personen umfassen, heißt das, wir haben statistisch 46.000 Menschen nach europäischen Unionskriterien in Wohnungsnot.

Andreas Dohrn Kontaktstelle Wohnen

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Nebenan herrscht dagegen Leerstand: Rund fünf Prozent der sanierten Bestandswohnung finden bislang keine Mieter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Stadt baut zu langsam

Baugenehmigungen brauchen nach wie vor zu lange, kritisiert Jörg Keim, Vorstandsmitglied in der Wohnungsbaugenossenschaft Kontakt. "Die großen Bauprojekte, über die die ganze Zeit geredet wird, wie etwa der Bayerische Bahnhof oder der Eutritzscher Freiladebahnhof, kommen zwar in die Gänge, aber es ist noch nichts am Markt. Auch wir möchten in Heiterblick weiterbauen und erschließen, aber auch da hat sich noch nicht so sehr viel getan."

Mann während Interview.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bezahlbarer Wohnraum ist in Leipzig durchaus vorhanden. Es gibt Leerstand in Wohngebieten in Paunsdorf, Grünau, auch in Mockau, Schönefeld und durchaus auch in anderen Stadtteilen. Vielleicht bekommt aber nicht jeder an jedem Fleck seine Wohnung zur richtigen Zeit.

Jörg Keim Vorstandsmitglied Wohnungsbaugenossenschaft Kontakt

Stadt spricht von "zähem Prozess"

Dass sich Bauplanungen verzögern, sei ein allgemeiner Trend, erklärt Stadtsprecher Matthias Hasberg. Die Grundstücksvergabe in Erbpacht und der Vergabebonus fürs Ehrenamt sei ein Anliegen des Stadtrats gewesen.

Mann während Interview.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Wohnungsbau ist ein langer und mitunter auch zäher Prozess, weil so viele unterschiedliche Ansichten und Argumente aufeinander prallen. Aber es ist ein lang angelegter Prozess. Das Bündnis wird den Prozess auch die nächsten Jahre begleiten müssen.

Matthias Hasberg Stadt Leipzig

Vom Anspruch, mehr als 1.000 Sozialwohnungen pro Jahr zu schaffen, ist man derzeit noch weit entfernt. Gerade mal 336 seien bislang fertig, bestätigt Hasberg. "Da gehts uns wie der privaten Bauwirtschaft auch: Pläne sind da, das Geld ist da, und dann müssen wir Firmen finden, die das bauen", sagt Hasberg. "Das ist nach wie vor schwierig." Es seien jedoch bereits Verträge für mehr als 1.600 Sozialwohnungen geschlossen, so Hasberg.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Sachsenspiegel | 29. November 2021 | 19:00 Uhr

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