Kongress IT-Experten diskutieren in Leipzig über Angriffe aus dem Netz

Die Stadtverwaltung Leipzig sieht sich nach eigenen Aussagen täglich mehreren hundert Cyberangriffen ausgesetzt. Über manipulierte Mails oder Webseiten werde versucht, einen Schadcode ins Computer-Netz der Verwaltung zu schleusen. Im Mai 2021 seien fast 30.000 solcher Versuche gezählt worden, hieß es aus dem Rathaus. Wie können kritische Infrastrukturen geschützt werden? Darüber beraten Experten derzeit in Leipzig.

Kongreß in der Kongreßhalle am Zoo in Leipzig
260 Teilnehmer hatten sich für die Veranstaltung in der Kongresshalle am Zoo in Leipzig angemeldet. Bildrechte: Tom Schulze/Leipziger Messe GmbH

Nach dem geglückten Cyberangriff auf die Verwaltung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld ging in den IT-Abteilungen sächsischer Behörden und Unternehmen rege Betriebsamkeit los. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung kündigte weitere Backups und Serverstandorte an. Auch die Landkreise Leipzig und Nordsachsen versprachen, ihre IT-Sicherheit zu überprüfen.

Angreifer zielen mitten ins Herz

Werden die Computer einer Verwaltung lahm gelegt, gibt es vorerst keine Pässe, Anträge bleiben liegen. Noch verheerender könnte ein gelungener Angriff auf die sogenannte kritische Infrastruktur sein. Bereiche wie Energie, Wasser, Ernährung, Transport und Verkehr, Finanz- und Versicherungswesen sowie auch Medien und Gesundheit sind das Herzstück einer funktionierenden Gesellschaft und damit besonders schutzbedürftig. Bei der Konferenz Protekt 2021 - der Konferenz für den Schutz kritischer Infrastruktur (KRITIS) geht es in Leipzig dieser Tage genau darum. Sie ist nach eigenem Bekunden die einzige auf den Schutz kritischer Infrastrukturen fokussierte Konferenz in Deutschland.

Wie eine Schrotflinte

Thomas Popp ist als Staatssekretär für Digitale Verwaltung und Verwaltungsmodernisierung in Sachsen einer der Schirmherren des Kongresses. Angesichts der Zahlen von Angriffen im Netz spricht er von "Krieg". Das sei wie eine Schrotflinte, die ständig betätigt werde. Und deshalb müsse man sich bestmöglich schützen.

Wenn man der Pandemie etwas positives abgewinnen möchte, dann ist es, dass die Digitalisierung in den Vordergrund gerückt ist. In dem Moment, in dem mehr digitalisiert wird, müssen sie gleichzeitig mehr in die IT-Sicherheit investieren.

Thomas Popp Staatssekretär für Digitale Verwaltung und Verwaltungsmodernisierung

Angriffe und Erpressersoftware können Existenzen bedrohen

Hackerangriffe sind teuer. Eine Cyberattacke koste rund 21.000 Euro, rechnet der Sächsische Datenschutzbeauftragte Andreas Schurig vor. Die Zahl der Angriff und das Ausmaß der Schäden würden stark zunehmen. Im vergangenen Jahr hätten sich die Kosten digitaler Angriffe allein auf die deutsche Wirtschaft auf etwa 24,3 Milliarden Euro belaufen. Das sei viermal so hoch gewesen, wie noch im Jahr zuvor.

Die Kosten würden aber nicht nur Unternehmen in ihrer Existenz bedrohen, sondern auch Privatpersonen, dann nämlich, wenn sensible Daten in die Hände von Kriminellen gerieten. Betroffenen könne so finanzieller und sozialer Totalschaden drohen, so Schurig.

Andreas Schurig
Der Datenschutzbeauftragte Sachsens, Andreas Schurig, weiß, wie teuer Hackerangriffe werden können - auch für Privatleute. Bildrechte: dpa

Der Freistaat Sachsen und der Datenschutzbeauftragt geben Hinweise für Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen, wie sie sich besser im Netz schützen.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Leipzig | 10. November 2021 | 16:30 Uhr

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