Bildende Kunst Eisskulpturen zur Weihnachtszeit in Pegau

In der chinesischen Metropole Harbin findet jedes Jahr das größte Eisskulpturenfestival der Welt statt. Tausende Arbeiter erschaffen in drei Wochen eine künstliche Eiswelt aus Gebäuden, Figuren und mythischen Kreaturen. Bis zu 50 Meter hohe Türme werden aus einzelnen Eisblöcken oder -ziegeln aufgeschichtet. Auch in Pegau im Landkreis Leipzig wird an diesem Wochenende mit dem vergänglichen Material gearbeitet. Allerdings nicht mit so vielen Arbeitern und nicht in dem Ausmaß wie in China. Eisig schön ist es aber trotzdem.

Ein Mann arbeitet mit einer Kettensäge an einem Eisblock.
Aus gut 140 Kilogramm Eis entsteht ein Schwan. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Auf dem Pegauer Marktplatz direkt unter dem Weihnachtsbaum herrscht an diesem dritten Adventswochenende keine vorweihnachtliche Stille. Mit Kettensäge und Eispickel bewaffnet, schnitzt das Künstlerehepaar Jiang Bian-Harbort und Sebastian Harbort aus großen Eisblöcken vergängliche Kunstwerke. Bereits im vergangenen Jahr schufen die beiden an gleicher Stelle Kunstvolles aus gefrorenem Wasser - sehr zur Freude der Bewohner Pegaus.

Faszination Eis

Für Sebastian Harbort ist Eis ein schöner und homogener Werkstoff. Schnell sei die Form des Motivs zu erkennen, erzählt der Bildhauer aus Kitzen MDR SACHSEN, während er den ersten Eisblock bearbeitet. Gut eine Stunde braucht er in der Regel, um aus einem Block eine Skulptur zu machen. Ist es richtig frostig kalt, so Harbort, dann könne filigraner gearbeitet werden. Aus einer Stunde werden dann so gerne mehr. Und noch etwas fasziniert ihn an dem kalten gefrorenen Material.

Eis hat natürlich einen besonderen Reiz, wenn es beleuchtet wird. Es funkelt dann wie ein Diamant.

Sebastian Harbort Bildhauer

Anders als bei Holz verzeiht das Eis, wenn man mal einen kleinen Fehler geschnitzt hat. Schnell sind Ausrutscher korrigiert. "Dadurch, dass das so homogen gefrorenes Wasser ist, muss man nicht wie beim Holz gegen die Maserung arbeiten. Hier kann man in alle Richtungen schnitzen, und das macht natürlich viel Spaß", erklärt Habort.

Kleine Eiswelten in Pegau

In Pegau hat eine Bildhauerfamilie rund um den Weihnachtsbaum mehrere Eisskulpturen erschaffen. Die vergängliche Kunst wird von der Kulturstiftung Sachsen gefördert.

Eispickel und Schnitzmesser liegen auf einer Lederdecke.
Zum Eisschnitzen braucht es einiges an Werkzeug. Neben Eispickeln wird auch Holzschnitzwerkzeug und natürlich Kettensägen verwendet. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Eispickel und Schnitzmesser liegen auf einer Lederdecke.
Zum Eisschnitzen braucht es einiges an Werkzeug. Neben Eispickeln wird auch Holzschnitzwerkzeug und natürlich Kettensägen verwendet. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Eine Frau zeichnet mit einem Eispickel eine Vorlage in einen Eisblock.
Bildhauerin Jiang Bian-Harbort plant einen Fisch aus dem Eisklotz zu schnitzen. Bevor es los geht, muss die Vorlage in das Eis gekratzt werden. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Ein Mann zeichnet mit einem Eispickel eine Vorlage in einen Eisblock
Auch Sebastian Harbort zeichnet erst vor, bevor er das schwere Gerät einsetzt. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Ein Eisblock auf einem Podest.
Aus rund 140 Kilogramm Eis wird in einer Dreiviertelstunde ein Schwan. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Ein Mann arbeitet mit einer Kettensäge an einem Eisblock.
Eis sei so ein schöner, homogener Werkstoff, findet Sebastian Harbort. Damit könne man wunderbar schnell Form erzielen. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Ein Mann arbeitet mit einer Kettensäge an einem Eisblock.
Wenn Harbort nicht gerade Eis bearbeitet, erschafft er aus Bronze, Stein oder Holz Skulpturen. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Ein Mann arbeitet mit einer Kettensäge an einem Eisblock.
Auf dem Pegauer Marktplatz entstehen neben Wassertieren natürlich auch Weihnachts-Motive wie Sterne oder Weihnachtsengel. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Ein Mann arbeitet mit einer Kettensäge an einem Eisblock.
Der Eisblock besteht aus Industriewasser. Während das Eis durchfriert, dreht sich ständig ein kleines Rührwerk. Dadurch können sich keine Luftblasen bilden und das Eis wird klar und durchsichtig. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Ein Mann arbeitet mit einer Kettensäge an einem Eisblock.
Der natürliche Feind des Eises ist die Sonne und hohe Temperaturen. Allzu lange dürften die Skulpturen in diesem Jahr nicht auf dem Marktplatz stehen. Für die kommenden Tage wurden ansteigende Temperaturen gemeldet. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Ein aus Eis geschnitzter Schwan.
Ein eisig schöner Schwan nach nur einer Dreiviertelstunde. Wenn es Dunkel wird in Pegau, werden die Skulpuren von unten beleuchtet. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler
Wie Diamenten funkle das Eis im Dunkeln, findet Bildhauer Sebastian Harbort. Bildrechte: Jiang Bian-Harbort
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Von Sapporo nach Pegau

Seit mehreren Jahren schnitzt Sebastian Harbort schon Kunstwerke aus Eis. Zusammen mit seinem Vater Jo Harbort war er auf zahlreichen internationalen Eisskulpturen-Festivals, wie beim Sapporo Snow Festival in Japan. Dadurch sei er auch auf die Idee gekommen, in seiner Heimat diese endliche Kunst zu präsentieren, erzählt Harbort.

Während er und seine restliche Familie die ersten vier Eisblöcke auf dem Markt bearbeiten, kommen immer mal wieder Zaungäste vorbei. Es wird gestaunt, gefachsimpelt und beobachtet. Viele sind fasziniert, wie schnell aus den Blöcken ganze Kunstwerke werden. Einige wollen am Abend wiederkommen, wenn die Nacht hereinbricht. Dann funkeln auf dem Pegauer Marktplatz eisige Schwäne und Fische wie Diamanten.

Eine Frau arbeitet mit einer Stemmeisen an einem Eisblock.
Mit einem großen Stemmeisen bearbeitet Jiang Bian-Harbort ihren Eisblock. Aus ihm soll ein Fisch entstehen. Bildrechte: MDR/Barbara Brähler

Quelle: MDR(bb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig | 10. Dezember 2021 | 18:30 Uhr

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