Kritische Infrastruktur IT-Experte: "Ein Blackout ist eine echte Bedrohung"

Das Risiko von Cyberangriffen steigt, darin sind sich Experten einig. Zur Konferenz für den Schutz kritischer Infrastrukturen "Protekt" beraten sich ab Mittwoch in Leipzig Experten aus dem deutschsprachigen Raum. MDR SACHSEN hat mit Jürgen Schreiner vom Technologiehersteller "Myra Security" gesprochen. Der Experte spricht auf der Konferenz zu Cybersicherheit. Sein Unternehmen schützt unter anderem die Bundesregierung, Ministerien, Banken und globale e-Commerce Anbieter.

Strom
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Frage: Herr Schreiner, wie wahrscheinlich ist ein Blackout?  

Jürgen Schreiner: Ein Blackout ist eine echte Bedrohung. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt immer wieder vor Cyberangriffen auf Energieversorger. Die größte Schwachstelle bei einem Cyberangriff ist dabei oft der einzelne Mitarbeiter. Veraltete Systeme erhalten kein Update, Passwörter sind viel zu einfach gestaltet und werden zu selten geändert. Das öffnet Angreifern viele Möglichkeiten.

Jürgen Schreiner
Jürgen Schreiner arbeitet für einen Technologieanbieter und ist auf Cyberkriminalität spezialisiert. Bildrechte: Jürgen Schreiner

Was ist ein Blackout? - Als Blackout wird ein totaler, längerer und flächendeckender Stromausfall bezeichnet, der zum Ausfall der kompletten Infrastruktur führt.

Warum gehören Stromversorger zur kritischen Infrastruktur?

Eine lückenlose Stromversorgung ist das Rückgrat unserer modernen Gesellschaft. Transport, Telekommunikation, das Finanzsystem, Gesundheitsdienste - alle brauchen eine sichere Stromversorgung. Das IT-Sicherheitsgesetz definiert die Stromversorgung daher als kritische Infrastruktur (KRITIS). KRITIS umfasst Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden.

Was heißt das konkret bei Stromausfällen?

Fällt die Stromversorgung in einer Region aus, sind nahezu alle privaten Endkunden ohne Licht, Telefon und Internet. Aber auch Mobilfunkmasten und Rundfunksender können betroffen sein. Private Unternehmen, Krankenhäuser und die öffentliche Hand haben zwar teilweise Notstromaggregate, doch auch die brauchen Treibstoff, der ihnen gegebenenfalls nachgeliefert werden muss. Sind keine Notstromaggregate vorhanden oder ist der Treibstoff aufgebraucht, können Firmen, Wasserwerke, Krankenhäuser, Banken und öffentliche Einrichtungen nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt arbeiten.

Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz

Warum ist es so kritisch, wenn der Strom ausfällt?

Wie schnell ein lokaler Ausfall einen großflächigen Ausfall provozieren kann, hat der 8. Januar 2021 gezeigt. Aufgrund einer Störung in Rumänien war Europa an diesem Tag sehr nahe an einem großflächigen Blackout. Man stelle sich vor, kritische Infrastrukturen wie die medizinische Versorgung, wären großflächig betroffen. Alle kritischen Dienstleistungen sind ganz besonders von einer störungsfrei arbeitenden IT abhängig. Eine Störung, Beeinträchtigung oder ein Ausfall dieser zentralen Dienstleistungen kann dramatische Folgen haben. Solche Ausfälle können auch durch Cyberangriffe provoziert werden.

Wie hoch ist die Gefahr von Cyberangriffen auf die Stromversorgung? Wo gab es schon welche?

2015 und 2016 hatten Hacker in der Ukraine die Stromversorgung lahm gelegt. Mehr als 700.000 Haushalte waren stundenlang ohne Strom. Mit einem groß angelegten, koordinierten Angriff könnten Hacker den Strom flächendeckend ausschalten, womöglich für Tage oder gar Wochen. Auch Weltmächte wie die USA nehmen die Bedrohung durch Cyberangriffe auf das Stromnetz sehr ernst - und stufen das Risiko durch solche Angriffe als hoch ein.

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten aus dem Studio Leipzig | 10. November 2021 | 11:30 Uhr

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