Wildes Stadtgrün Streit um Leipziger Beetkultur - naturnah oder verwildert

Biodiversität kann ganz schön herausfordernd aussehen. Vor allem, wenn sie sich in städtischen Rabatten breit macht. Die Stadt Leipzig sieht sich jetzt dem Vorwurf ausgesetzt, sich nicht genug um ihre Beete zu kümmern. Zu viel Unkraut sprieße, sagen Passanten und ärgern sich über das vertrocknete Gelb in den Hochbeeten am Bayerischen Bahnhof in Leipzig.

Ungepflegte Beete in Leipzig am Bayrischen Bahnhof
Die einst schönen Rosenbeete am Bayerischen Bahnhof machen heute einen mehr als verwilderten Eindruck. Bildrechte: MDR/Sylvia Stadler

Die Leipziger Mischung ist eine Art Kunstprojekt. Die Stadt Leipzig hatte den Gartenkünstler Reinhard Krehl im Jahr 2013 beauftragt, eine Wildblumenmischung für drei Beete im Umfeld des Bayerischen Bahnhofs zusammenzustellen.

Die Natur holt sich das Beet zurück

Nach fast zehn Jahren ist von ihr nun allerdings nicht mehr viel zu sehen. Die gemeine Wegwarte hat ihr aufgelauert und gemeinsam mit anderen Unkräutern den Platz zwischen einigen wenigen Rosenstöcken besetzt. Wenn die Natur sich selbst überlassen wird, freut das zwar Flora und Fauna, nicht aber das menschliche Auge.

In der Sprache des Amtes für Grünflächen der Stadt Leipzig klingt das auf Anfrage so: "Im Laufe der letzte Jahre hat sich die Zusammenstellung der Mischung entsprechend der Standortbedingungen – es wird nicht zusätzlich gewässert – in der Hinsicht verändert, dass sich nur gewisse sehr konkurrenzstarke Arten durchgesetzt haben."

Ungepflegte Beete in Leipzig am Bayrischen Bahnhof
Über die Beete in der Leipziger Windmühlenstraße und am Bayrischen Bahnhof wuchern Büsche und wächst Unkraut bis auf die Gehwege. Bildrechte: MDR/Sylvia Stadler

"Viele Rosenstöcke sind aus Alterungsprozessen kaputt gegangen. Weil Rosen in der Pflege und Anschaffung teuer sind, konnte sich die Stadt neue Rosenanpflanzungen nicht leisten", erklärt der Gartenkünstler Reinhard Krehl die Hintergründe seines Pflanz-Experimentes. Zu diesem gehöre auch, die Beete nicht zu wässern, sondern nur im Frühjahr die Samen für die Wildblumen auszubringen und die Rosenstöcke zu schneiden.

Stadt entscheidet sich für preisgünstige Zwischenlösung

Es hatte auch pragmatische Gründe, warum sich die Stadt 2013 gegen eine Herstellung der lückenhaften Rosenbeete entschied, ist der Mitteilung der Stadt auch zu entnehmen. Weil die Windmühlenstraße und der Bereich um den Bayerischen Bahnhof ausgebaut werden sollte, war eine preisgünstige Zwischenlösung als Bepflanzung der Rosenbeete vorgesehen, da die Beete durch die Baumaßnahme ohnehin entfernt worden wären. Die Aufwertung der Rosenbeete sollte demnach mit sehr kleinem Budget erfolgen, die dennoch einen ökologischen Wert für die Stadt bringt.

Wieviel die Stadt jährlich für das Gartenkunstprojekt zahlt, wurde auch auf Nachfrage nicht mitgeteilt, die Experimentierfreude aber wächst, auch in Schönefeld an der Shukowstraße soll demnächst ein Wildblumenbeet entstehen. 

MDR (phb/gg/sys)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Der Nachmittag | 09. August 2022 | 16:20 Uhr

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