Kinopremiere "Die stillen Trabanten": Martina Gedeck spielt Reinigungsfrau aus Leipzig

Am Dienstag feiert der Kinofilm "Die stillen Trabanten" in Leipzig seine Premiere. Martina Gedeck spielt in dem Film eine Reinigungskraft, die sich Nacht für Nacht in einer Bahnhofskneipe in Leipzig mit der Friseurin Birgitt trifft, um ihrem wenig glanzvollen Alltag und der Einsamkeit zu entfliehen. Im Interview mit Andreas Berger erzählt Martina Gedeck, was sie an dieser Rolle faszinierte und wie sie die Dreharbeiten in Leipzig erlebte.

Martina Gedeck als Christa und Nastassja Kinski als Birgitt
Martina Gedeck (rechts) als Christa und Nastassja Kinski als Birgitt in "Die stillen Trabanten". Vorlage für den Film, dessen Figuren in Leipzig leben, war der gleichnamige Erzählband von Clemens Meyer. Meyer und Stuber schrieben gemeinsam das Drehbuch. Bildrechte: picture alliance/dpa/Warner Bros.

  • Am Filmset standen neben Martina Gedeck auch andere bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler vor der Kamera, darunter Albrecht Schuch und Charly Hübner.
  • Als das Rollenangebot für "Die stillen Trabanten" nach der Buchvorlage von Clemens Meyer kam, musste Martina Gedeck nicht lange überlegen. Sie schätzt die Werke des Leipziger Schriftstellers.
  • Der Kinofilm wurde in mehreren Orten Mitteldeutschlands gedreht. Für Martina Gedeck waren die Szenen im Leipziger Hauptbahnhof nahezu magisch.

Der Kinofilm "Die stillen Trabanten" feiert am Dienstag seine Premiere in Leipzig. Als Vorlage diente Regisseur Thomas Stuber der gleichnamige Erzählband des Leipziger Schriftstellers Clemens Meyer.

Meyers Figuren leben in Leipzig, sie eint das Thema Einsamkeit. Es sind Menschen, die eher am Rande der Gesellschaft stehen, abgekapselt und nicht in ein soziales Umfeld eingebunden. "Sie sind Menschen, die nicht damit rechnen, dass ihnen etwas Besonderes, Neues oder so etwas wie die Liebe widerfährt", erzählt Schauspielerin Martina Gedeck im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Auch Albrecht Schuch und Charly Hübner schlüpfen in Rollen

Ob der Imbissbuden-Betreiber Jens (Albrecht Schuch), der sich in die Muslima Aischa (Lilith Stangenberg) verliebt, der Wachmann Erik (Charly Hübner), der der Geflüchteten Marika (Irina Starshenbaum) hilft oder Christa, die Reinigungskraft, die sich in eine Friseurin verliebt - für alle kämen die Begegnungen total unerwartet, sagt Martina Gedeck: "Für jede dieser Figuren ist das Neuland. Sie finden sich plötzlich wieder mit jemanden aus einer ganz neuen Welt. Sie betreten neue Räume und werden dadurch ganz lebendig."

Charly Hübner als Erik und Irina Starshenbaum als Marika in einer Szene des Films «Die stillen Trabanten»
Charly Hübner als Erik und Irina Starshenbaum als Marika in einer Szene des Films "Die stillen Trabanten". Bildrechte: dpa

"Kleine Juwelen": Martina Gedeck schätzt die Werke von Clemens Meyer

Gedeck selbst schlüpft in die Rolle der Reinigungskraft Christa, die sich mit ihrem Schicksal abgefunden hat. Ihr täglicher Gang sei der in eine Kneipe am Leipziger Hauptbahnhof, um nach dem Dienst den Tag mit einem Weinbrand runterzuspülen.

Die Texte und Erzählungen von Clemens Meyer sind kleine Juwelen ganz eigener Art, weil man dem Menschen darin so in die Seele schauen kann. Deswegen war ich hoch erfreut, als das Angebot für die Verfilmung kam.

Martina Gedeck Schauspielerin
Martina Gedeck als Sprecherin in "Saal 101" - dem Dokumentationshörspiel zum NSU-Prozess
Schauspielerin Martina Gedeck spielt die Leipziger Reinigungskraft Christa. Bildrechte: SWR/BR/Gila Sonderwald

Für Martina Gedeck ist Christa eine sehr bewegende Figur. "Von ihren Vorgesetzten wird ihr unterstellt, dass sie nicht sauber arbeitet. Das ist ein ganz großes Lebensthema, dass man gesagt bekommt, dass man nichts wert sei." Resignation, Wut und Verzweiflung machen sich breit und es gibt kein Ventil. Bis Christa an den Punkt kommt, an dem sie sich nichts mehr bieten lässt. "Christa macht eine wunderbare Entwicklung. Die Liebe verleiht ihr Flügel und man sieht, wie sie wirklich ist", schwärmt die 61 Jahre alte Schauspielerin von ihrer Filmfigur, die Meyers Werke als kleine Juwelen bezeichnet.

Drehorte in Mitteldeutschland - auch im Leipziger Hauptbahnhof

Leere Bahnsteige im Hauptbahnhof Leipzig.
Ein menschenleerer Leipziger Hauptbahnhof - Kulisse für den Kinofilm "Die stillen Trabanten". Bildrechte: dpa

Gedreht wurde der Kinofilm in Leipzig, Grimma, Halle, Teutschenthal und Bitterfeld-Wolfen. Im Interview gesteht Martina Gedeck, dass sie zunächst Zweifel an der Kulisse ihrer Szenen hatte. "Ich habe selten in einem Film gespielt, in dem ich an ein und denselben Tresen in einer Kneipe sitze. Alle Begegnungen mit mir und meiner Kollegin Nastassja Kinski spielten sich dort ab. Ich hatte Angst, dass uns das nicht gelingt, weil es keine Abwechslung gibt." Doch gerade weil es derselbe Ort war, habe sich so viel entwickelt, erklärt die Schauspielerin: "Der Ort hat eine große zauberische Kraft. In diesem riesigen Leipziger Hauptbahnhof, immer nachts und immer menschenleer. Und dann wir beide in dieser wunderschönen Bar."

Der Ort hat eine große zauberische Kraft. In diesem riesigen Leipziger Hauptbahnhof, immer nachts und immer menschenleer. Und dann wir beide in dieser wunderschönen Bar.

Martina Gedeck Schauspielerin

Am 1. Dezember kommt "Die stillen Trabanten" bundesweit in die Kinos. Die Premiere in den Passage Kinos Leipzig ist bereits ausverkauft.

MDR (phb,dkö)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Aufgefallen | 28. November 2022 | 20:00 Uhr

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