Falsche Mülltrennung Entsorger in Leipzig ziehen Mülltonnen ein oder leeren sie auf Mieterkosten

Plastik im Biomüll, Glasflaschen im Papiercontainer - die Leipziger Müllentsorger kämpfen seit Jahren mit Flyern, Aufklärungskampagnen über Social Media oder vor Ort für eine bessere Recyclingquote. Wenn es mit der Mülltrennung gar nicht funktioniert, handeln Abfallunternehmen teilweise rigoros. Dafür müssen am Ende Mieterinnen und Mieter zahlen. Doch einige scheinen sich trotzdem wenig um richtige Mülltrennung zu scheren, wie Analysen zeigen.

Mülltonnen stehen am Straßenrand
Immer wieder landet Müll in der falschen Tonne. In Leipzig können bis zu 250 Biotonnen laut Stadtreinigung nicht abgeholt werden, weil Plastik, Glas und andere Fremdstoffe drin liegen. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/photothek

Falsche Mülltrennung verursacht bei den Leipziger Abfallentsorgungsfirmen immer wieder mehr Arbeit bei der Entsorgung. Das bedeutet für Bürgerinnen und Bürger Mehrkosten. Wie die Abfall-Logistik Leipzig (ALL) schätzt, trennen nur 55 bis 60 Prozent der Leipzigerinnen und Leipziger ihren Müll richtig. Weitere 25 bis 30 Prozent würden ihren Müll zwar generell richtig entsorgen, doch aus "Unwissenheit und Bequemlichkeit" passierten häufig Fehler. Laut ALL achten fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung überhaupt nicht auf richtiges Recycling.

Wer entsorgt was in Leipzig? Die Abfall-Logistik Leipzig (ALL) ist in Leipzig für die Entsorgung der Blauen Tonnen (Papier, Pappe) und Gelben Tonnen (Kunststoffverpackungen, Metall) verantwortlich. Die Stadtreinigung Leipzig kümmert sich um die Abfuhr der Biotonnen (organische Abfälle) und Restmüll-Tonne (sonstige Abfälle). Quelle: Abfall-Logistik Leipzig (ALL) und Stadtreinigung Leipzig

Entsorger zieht Mülltonnen notfalls ein

Wenn es mit der Mülltrennung gar nicht funktioniert, greift die ALL zu härteren Mitteln. Dann werde auch schon mal die Gelbe oder Blaue Tonne eingezogen. Das passiere jedoch erst, wenn wiederholt Müll in einer Tonne landet, in die er nicht gehört, teilte die ALL mit. Der Entsorger handle erst, wenn viermal grob das Recycling missachtet werde - in der Gelben Tonne etwa Müll landet, der dort nicht hingehört, wie Papier, Glas oder Küchenabfälle. Wenn nach vier bis sechs Anschreiben an den Eigentümer oder die Hausverwaltung keine Verbesserung erkennbar ist, wird die Mülltonne laut ALL eingezogen.

Überfüllte Müllcontainer stehen in einem Hinterhof
Landet wiederholt Müll in der Gelben Tonne, der dort nichts zu suchen hat, zieht die Abfall-Logistik Leipzig (ALL) die Tonnen ein. (Symbolbild) Bildrechte: ddp

Die ALL hält nach eigenen Angaben permanent 50 Mülltonnen eingezogen. Im Verhältnis zu den 160.000 Gelben und Blauen Tonnen sowie Glascontainern fällt diese Anzahl vergleichsweise gering aus. Überhaupt sei das Problem der falschen Mülltrennung laut ALL über die Jahre kleiner geworden. Doch Entwarnung könne nicht gegeben werden, weil immer noch zu viel Müll in den falschen Tonnen landen würde.

Sonderentleerung von Biotonnen zahlen Mieter

Nicht ganz so rigoros wie die ALL geht die Stadtreinigung Leipzig vor: Wenn in einer ihrer 40.000 Biotonnen zum Beispiel Plastikmüll liegt, dann wird die falsch befüllte Tonne nicht entleert, sondern nach Angaben des Müllentsorgers mit einer Banderole versehen. Danach werde die Tonne entweder nachträglich von den Eigentümern oder Hausverwaltungen sortiert, was in den seltensten Fällen passieren würde oder sie müsse als Restabfall entleert werden. Für eine Sonderentleerung als Restabfall zahle der Eigentümer und am Ende die Mieterinnen und Mieter.

Ein Mitarbeiter der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung schiebt zwei braune Tonnen mit Biomüll.
Plastik und anderer Müll in der Biotonne kann für die Leipziger und Leipzigerinnen teuer werden. Die Mülltonnen müssen meistens als Restabfall entleert werden. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Gebühren für eine einzige Sonderentleerung bewegen sich zwischen 11,66 Euro für einen 60-Liter-Restabfallbehälter und 41,92 Euro für einen 1.100-Liter-Restabfallbehälter. Eine Sonderleerung sei also deutlich teurer verglichen mit der normalen monatlichen Entleerungsgebühr für eine Biotonne. Die kostet zwischen 2,60 Euro für die 60-Liter-Biotonne und 10,40 Euro für die 240-Liter-Biotonne. Von den 2.500 Biotonnen, die die Stadtreinigung Leipzig täglich entleert, müssten 125 bis 250 Biotonnen pro Tag sonderentleert werden. Das seien bis zu zehn Prozent der Biotonnen.

Falscher Müll in Biotonnen über gesetzlichen Grenzwert

Comicfigur mit dunklen Bart, schwarzen Haaren und verschränkten Armen vor einer Biotonne. Biotonnen-Wächter Michael.
Der Biotonnen-Wächter Michael macht darauf aufmerksam, dass nur organische Abfälle in die Biotonne gehören. Bildrechte: Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb der Stadt Chemnitz

Mit Medienkampagnen und Aufklärungsarbeit will die Stadtreinigung Leipzig seit Jahren ein besseres Recyclingverhalten erreichen. Die sachsenweite Biokampagne #BioabfallohnePlaste wirbt mit dem Tonnenwächter Michael dafür, dass kein Plastik in die Biotonne kommt. Michi soll dabei symbolisch als Türsteher die Biotonnen bewachen und nur organische Abfälle in die Tonne lassen.

Solche Kampagnen seien auch weiter dringend notwendig, wie die Bioabfallanalyse von 2019/2020 der Stadtreinigung Leipzig zeige. Die Analysen hätten ergeben, dass im Jahr durchschnittlich 40 Kilogramm Biomüll pro Einwohner anfallen. Dieser bestünde zu 68 Prozent aus Küchenabfällen, zu 28 Prozent aus Gartenabfällen, jedoch auch zu vier Prozent aus Fremdstoffen, also Müll, der nichts in der Biotonne zu suchen hat.

Dabei hätte der Anteil solcher Fremdstoffe in Großwohnanlagen mit 5,9 Prozent und bei den Mehrfamilienhäusern mit 3,5 Prozent weit über den geltenden gesetzlichen Grenzwert gelegen. Dort achteten die Mieterinnen und Mieter also weniger auf korrekte Mülltrennung. Die Bewohnerinnen und Bewohner von Ein- bis Zweifamilienhäusern würden hingegen eher auf richtiges Recycling achten. Laut Abfallanalyse enthalten deren Biotonnen nur 0,6 Prozent Fremdstoffe und liegen damit im gesetzlichen Rahmen. Die neue Bioabfallverordnung des Bundes sieht vor, dass der Bioabfall künftig höchstens ein Prozent Fremdstoffe enthalten dürfe.

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