Kunststoffwirtschaft Unternehmen aus Markkleeberg will Sportmarkt mit Naturfaser erobern

Biokunststoffe erobern neue Einsatzgebiete, vom Wohnungsbau bis zur Fahrzeugindustrie. Sie sollen dazu beitragen, Abhängigkeiten von Öl und Gas ebenso wie den CO2-Fußabdruck zu minimieren. Einmal im Jahr werden besonders innovative Produkte aus diesem Bereich prämiert. Am Dienstag war es wieder soweit und der diesjährige Preisträger des "Biopolymer-Innovations-Awards" wurde bekanntgegeben. Nominiert waren drei Firmen: aus Belgien, Brasilien und Deutschland - genauer aus Markkleeberg.

Ein Tisch mit diversen Fasern aus Hanf sowie Arbeitsgerät
Aus Hanf wird bei der SachsenLeinen GmbH in Markkleeberg ein innovativer Faser-Verbund-Stoff hergestellt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Dienstag ist der Biopolymer Award 2022 online vergeben worden. Unter den Nominierten war auch die SachsenLeinen GmbH aus Markkleeberg, mit ihrem speziellen Faser-Verbund-Stoff. Platz eins konnte das Unternehmen zwar nicht erringen, dafür landeten die Markkleeberger auf Platz zwei.

Aus Reststoffen den Sportmarkt erobern

Für Geschäftsführer Lovis Kneisel steht trotzdem fest, Bastfasern, vor allem aus Hanf und aus Flachs, sollten die Industrie erobern und dort Carbon- und Glasfasern ersetzen. "Es geht mit Naturfasern, wir können industrielle Anwendungen mit natürlichen Faserstoffen bedienen," erklärt er MDR SACHSEN.

Faser-Verbund-Stoffe, wie SachsenLeinen sie entwickelt, gibt es zwar schon. Aber die haben laut Kneisel alle den Nachteil, dass sie mit sehr kostenintensiven Naturfasern, sogenannten Langfasern, arbeiten. "Diese Langfaser ist halt recht preisintensiv und ist vor allem auch vom Textilmarkt sehr stark nachgefragt", beschreibt der Geschäftsführer die aktuelle Lage. Im Grund bleibe für die technischen Anwendungen nichts mehr übrig. "Da haben wir uns gesagt, wir brauchen eigentlich ein Faserprodukt, was relativ kostengünstig und kostenstabil verfügbar ist", erzählt Kneisel.

Es geht mit Naturfasern, wir können industrielle Anwendungen mit natürlichen Faserstoffen bedienen.

Lovis Kneisel Geschäftsführer SachsenLeinen

Es wurde deshalb das Produkt entwickelt, mit dem das Unternehmen jetzt für den Award nominiert wurde. Statt Langfasern wird mit Reststoffen gearbeitet, also mit kurzen Fasern. Unter Beimischung von 50 Prozent Bio-Kunststoff ergibt es eine belastbare, aber leichte Verbundfläche. Damit wollen Kneisel und seine Mitarbeiter zunächst den Sportmarkt erobern. Spezielle Einleger für die Verstärkung von Laufschuhsohlen kann man zum Beispiel daraus machen, auch einen Ski aus dem Hanffaser-Verbundstoff hat das Unternehmen schon als Prototyp produzieren lassen.

Biopolymer Innovation Award Damit sollen wegweisende Produkte und Anwendungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen sowie neuartige technologische Entwicklungen ausgezeichnet und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Herstellung, Verarbeitung, Kompostierung oder dem Recycling von Produkten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen. Fördergemeinschaft Polykum

Agraringenieur: Lage ist das A und O

Mitarbeiter Torsten Brückner beschäftigt sich seit 30 Jahren mit dem Anbau und der Verarbeitung von Faserpflanzen. Es sei ein großer Unterschied, ob Faserpflanzen im Gebirge angebaut werden oder ob sie zum Beispiel in Leipzig wachsen, sagt der Diplom-Agraringenieur. Wichtig sei, dass die Fasern möglichst homogen, also gleich sind.

Ein Mann blickt in die Kamera und hat eine Rolle Klebeband in der Hand. Im Hintergrund ist ein Regal, an dem Fasern hängen.
Diplom-Agraringenieur Torsten Brückner beschäftigt sich mit Anbau und Verarbeitung von Faserpflanzen. In der Hand hält er das neu entwickelte “Tape” aus Hanffasern und Kunststoff, womit SachsenLeinen die Industrie erobern will. Bildrechte: Raja Kraus / MDR

In diesem Jahr hat Torsten Brückner ein zwei Hektar großes Versuchsfeld für Hanf in Kleindalzig, südlich von Leipzig, angelegt. Das Ziel: eine Anlage zur Faserproduktion im Raum Leipzig aufzubauen. Doch bevor zig Euros ausgegeben werden, müssen die bodenklimatischen Bedingungen der Region analysiert werden. Ein, zwei Jahre lang will Brückner schauen, ob die Qualität der Hanffasern aus Kleindalzig stimmt, dann erst wird die Entscheidung zur Investition getroffen. So oder so ist man bei SachsenLeinen aber überzeugt: die Zukunft gehört innovativen Naturfaser-Produkten.

MDR (bb/rk)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regioinalreport aus dem Studio Leipzig | 14. Juni 2022 | 16:30 Uhr

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MDR SACHSEN-ANHALT So 07.08.2022 07:30Uhr 00:27 min

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