Neue Moschee Gemischte Reaktionen auf Genehmigung für Moscheebau in Leipzig

Vor ein paar Tagen hat die Stadt Leipzig den Bau einer Moschee genehmigt. Seit beinahe zehn Jahren setzt sich die islamische Ahmadiyya-Gemeinde in Leipzig dafür ein. Das Vorhaben war von Anfang an umstritten. Eine Bürgerinitiative sammelte Unterschriften dagegen. Es gab Proteste, die schließlich in einem Anschlag gipfelten: Fünf blutige Schweinsköpfe, auf Holzpflöcke gespießt, die Unbekannte auf das Gelände gesetzt hatten. Wie reagieren die Leipzigerinnen und Leipziger heute auf das Bauvorhaben?

Modell einer Moschee
So soll sie aussehen, die neue Moschee in Leipzig. Bildrechte: dpa

Der Winkel zwischen Georg-Schuhmann-Straße und Bleichertstraße im Norden Leipzigs ist überwuchert von Ahorn, Eschen und Brombeergestrüpp. Ein Trampelpfad schlängelt sich durch das Grün, wo bald einer der ersten Moschee-Neubauten Ostdeutschlands entstehen soll. Inklusive Kuppel und 16 Meter hohem Minarett.

Die Passanten, die an diesem Tag vorbeigehen, reagieren verhalten: "Was soll ich dazu sagen? Das geht ja nun schon ein paar Jahre. Es ist sehr gespalten alles." Einer anderen Person ist der Bau zu nah der Hauptstraße und am Stadtkern: "Es müsste etwas mehr abseits stehen."

Bürgerverein begrüßt Moscheebau

Michael Wagner wohnt ebenfalls im Stadtteil Gohlis, wo sich die Ahmadiyya-Gemeinde künftig mit ihren knapp 100 Mitgliedern versammeln will. Er gehört zum Bürgerverein des Viertels, der von Beginn an für die Moschee eintrat. "Wir haben das begrüßt als Bürgerverein, weil es zeigt, dass solche Vorgänge nach geltendem Recht, nach Baurecht entschieden werden. Wir haben Religionsfreiheit, die gilt in Sachsen, die gilt in Leipzig und die gilt selbstverständlich, ohne dass im Vorfeld geprüft wird, welche Religionsgemeinschaft das ist und ob ihr alle zustimmen oder nicht alle zustimmen. Das gilt für christliche, muslimische und jüdische Gemeinden gleichermaßen."

Widerstand von NPD und AfD

Die Ahmadiyya-Gemeinde gilt als reformistisch und offen. Wegen ihrer konservativen Geschlechterrollen steht sie aber in der Kritik. Als die Gemeinde in Leipzig um eine Baugenehmigung für ihre Moschee bat, fragte die Stadt zunächst beim Verfassungsschutz nach. Der hatte keine Bedenken.

Trotzdem gab es Proteste, vor allem 2013, als die NPD zu Kundgebungen aufrief und Unbekannte fünf Schweineköpfe auf dem Baugelände aufspießten. Heute steht vor allem die AfD dem Projekt ablehnend gegenüber. Sie schreibt: "Die Baugenehmigung wurde ohne Einwilligung der Bürger erteilt. Dieses Vorgehen lehnen wir entschieden ab. Moscheen und andere Sakralbauten, die tief in das Stadtbild eingreifen, müssen von den ortsansässigen Bürgern akzeptiert werden."

Ahmadiyya-Gemeinde bereit zum Dialog

Mohammad Dawood Majoka geht davon aus, dass die Akzeptanz wachse, sobald man sich besser kenne. Er ist der Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde und sagt: "Diese Erfahrung hat man zum Beispiel in Berlin gemacht und auch überall sonst in Deutschland, wo es vor dem Bau der Moschee viele Ängste und Sorgen gab, aber nachher hat sich die Situation dann sehr positiv entwickelt." Die Gemeinde sei immer bereit zum Dialog, ergänzt Majoka. Von Angriffen wie 2013 gehe er heute erstmal nicht mehr aus.

Das sieht Christian Wolff, ehemaliger Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, ähnlich: "Im Übrigen glaube ich, dass in der Zwischenzeit viele Menschen in Leipzig gemerkt haben, wie positiv das ist für die Stadtgesellschaft, wenn viele unterschiedliche Menschen zusammenleben. Und das aber nicht als Störung des Lebens empfunden wird, sondern als Bereicherung." Der Bau der Moschee – komplett eigenfinanziert – soll nun voraussichtlich im Frühjahr 2022 beginnen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

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