Freie Impftermine Geringe Nachfrage nach Astra-Zeneca: Sachsen will Erzieher und Lehrer bei Impfung vorziehen

Über den Impfstoff von Astra-Zeneca wird derzeit viel diskutiert. Es gibt Meldungen über markante Nebenwirkungen. Zugelassen ist der noch neue Impfstoff für unter 65-Jährige. Geimpft werden derzeit aber laut Priorisierung überwiegend über 80-Jährige sowie medizinisches Personal. Letztere sollen vorrangig das Astra-Zeneca-Vakzin bekommen, viele Impflinge sind aber skeptisch. Deshalb sind in Sachsen sogar Impftermine frei. Das Gesundheitsministerium des Freistaates will sich nun beim Bund stark dafür machen, zeitnah auch Lehrern und Erziehern die Impfung anbieten zu dürfen. Das DRK unterstützt das Ministerium.

AstraZeneca Impfdosen
Der Impfstoff von Astra-Zeneca stößt bei vielen Menschen auf Skepsis. Bildrechte: imago images / Sven Simon

Der Freistaat Sachsen hofft, demnächst auch Erzieher, Lehrer und Mitarbeiter des Öffentlichen Gesundheitsdienstes mit dem neuen Impfstoff von Astra-Zeneca zu impfen. Aus dem sächsischen Sozialministerium hieß es auf Anfrage von MDR SACHSEN, man wolle sich auf Bundesebene dafür einsetzen, die Priorisierung entsprechend zu öffnen. Es dürfe nicht sein, dass Impfstoff vorhanden ist, aber nicht verimpft werde. Hintergrund: Astra-Zeneca-Impfstoff ist in Deutschland nur für Menschen unter einem Alter von 65 Jahren zugelassen. Geimpft wird allerdings derzeit die Priorisierungsgruppe 1, die überwiegend älter als 80 Jahre ist. Zugleich sehen viele dieses Vakzin kritisch oder lehnen es ab.

Das für die Impfungen in Sachsen verantwortliche DRK teilte mit, offenbar sei gar nicht allen bekannt, dass zur priorisierten Gruppe auch Beschäftigte im Rettungsdienst sowie Personal in der Pflege und in Arztpraxen gehöre. Diese können sich ebenfalls anmelden und würden vorrangig den Astra-Zeneca-Impfstoff erhalten.

DRK: Skepsis gegenüber Astra-Zeneca-Impfstoff

In Sachsen sind laut DRK-Sprecher Kai Kranich bis Mittwochnachmittag rund 1.000 Impfdosen von Astra-Zeneca ausgegeben worden. Insgesamt wurden bisher 4.000 Termine innerhalb dieser Woche über das zentrale Buchungssystem zur Verfügung gestellt. "Davon sind noch 2.500 Termine in den meisten Impfzentren buchbar", so Kranich. Lediglich in Dresden, Leipzig und in Zwickau seien alle Termine mit dem Impfstoff von Astra-Zeneca vergeben.

Aktuell würden über das zentrale Anmeldesystem nur täglich 20 bis 30 Termine von Personen gebucht, die für den Impfstoff von Astra-Zeneca in Frage kommen.

Pflegedienste lehnte Impfstoff ab

In knapp 50 Fällen sind laut DRK Termine nicht wahrgenommen worden oder es wurde versucht, einen anderen Impfstoff im Impfzentrum zu erhalten. "Im letzteren Fall hat der impfende Arzt das letzte Wort", betonte Kranich. In einzelnen Impfzentren sei aufgefallen, dass die durch Ärztinnen und Ärzte durchgeführten Tauglichkeitsgespräche länger dauern, wenn der Impfstoff Astra-Zeneca verimpft werden soll. Auch gab es bereits einen Pflegedienst der abgelehnt hat, seine Mitarbeiter mit diesem Impfstoff impfen zu lassen. Offenbar verunsichern Meldungen über Nebenwirkungen.

Sozialministerium: Impfstoff hervorragend geeignet

Das sächsische Sozialministerium räumt ein, dass derzeit viel über den Impfstoff von Astra-Zeneca diskutiert werde. Mit dessen Wirkstoff könnten jedoch "hervorragend schwere Covid-Erkrankungen verhindert werden", so das Ministerium. Das DRK wirbt weiter für zügiges Impfen: "Aus Sicht des DRK in Sachsen ist zu prüfen, ob der Impfstoff von Astra-Zeneca bereits jetzt für die nächste Prioritätsgruppe freigegeben werden sollte", pflichtete Kranich dem Ministerium bei. Es brauche jetzt aber eine Aufklärung und Ansprache der eigentlichen Zielgruppe für diesen Impfstoff, also des medizinischen Personals.

Die Herausforderung ist aktuell, die Personen zu finden, welche aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit zur höchsten Prioritätsgruppe gehören und noch kein anderweitiges Impfangebot erhalten haben.

Kai Kranich Pressesprecher des DRK Sachsen

Paul-Ehrlich-Institut prüft Nebenwirkungen aller Impfstoffe

Das für die Impfstoffkontrolle zuständige Paul-Ehrlich-Institut prüft derzeit Hinweise auf Nebenwirkungen bei den Corona-Impfstoffen von Astra-Zeneca sowie auch Biontech/Pfizer. "Aktuell untersucht das Referat Arzneimittelsicherheit des Paul-Ehrlich-Instituts, ob die gemeldeten Reaktionen über das hinausgehen, was in den klinischen Prüfungen beobachtet wurde und ob - sofern das der Fall ist - Gründe dafür erkennbar sind", sagte eine Sprecherin des Instituts den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Berichte: Krankmeldungen nach Impfung in Kliniken

Bildmontage - AstraZeneca Impfstoff Corona
Krank nach Impfung: Berichte über Nebenwirkungen verunsichern manche Menschen. Bildrechte: imago images/MiS

Aus den klinischen Prüfungen sei grundsätzlich bekannt, dass der Impfstoff von Astra-Zeneca reaktogen sei, also häufig Impfreaktionen auslöse - und auch, dass bei den beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna die Reaktionen nach der zweiten Dosis stärker ausfallen können, erklärte die Sprecherin.  

Zuletzt häuften sich Meldungen, nach denen es bei der Impfung mit dem Astra-Zeneca-Vakzin zu starken Nebenwirkungen beim geimpften medizinischen Personal kommt. Einige Kliniken klagen offenbar über ungewöhnlich hohe Krankenstände nach der Impfung. Zudem gibt es Meldungen, dass vor allem bei der zweiten Impfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer bei vielen hohes Fieber auftritt.

In Sachsen sind laut Gesundheitsministerium "keine auffälligen Nebenwirkungen bekannt geworden".

Quelle: MDR/lam/epd

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