Landwirtschaft Ukraine-Krieg kann Auswirkungen auf Lebensmittelpreise in Sachsen haben

Auch Verbraucher werden den Angriff Russlands auf die Ukraine im Geldbeutel spüren. So erwarten Bauern und Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer steigende Preise - vor allem für Produkte aus Getreide. Der Weizen wird jetzt schon in Europa auf Rekordniveau gehandelt.

Ähren auf einem Weizenfeld vor blauem Himmel
Der Weizenpreis liegt in Europa aktuell auf Rekordniveau. Bildrechte: Colourbox.de

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat vor den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die sächsische Landwirtschaft gewarnt. "Wir werden nicht verhungern, aber es kann ganz schnell dramatische Auswirkungen auf den Getreidepreis geben", glaubt der CDU-Politiker. Landwirte mehrerer Vereinigungen und Verbände hatten den Regierungschef am Mittwoch auf ein Feld am Rande von Cannewitz bei Grimma eingeladen, um über ihre Lage und ihre Sorgen zu informieren.

Bauernverband: Ukraine wird keinen Weizen exportieren

Bauernvertreter gehen davon aus, dass beispielsweise die Ukraine in diesem Jahr keinen Weizen exportieren wird. Genaue Kenntnis habe man aber nicht, räumte ein Verbandssprecherin ein. Es sei aber davon auszugehen, dass die ukrainischen Bauern wegen des Angriffs Russlands ihre Felder nicht wie gewohnt bestellen können.

Die sächsischen Bauern fordern deshalb eine Aussetzung von Düngebeschränkungen, um mehr produzieren zu können. Die Verordnung schreibt vor, dass stellenweise wegen der hohen Nitratbelastung des Grundwassers 20 Prozent weniger Dünger ausgebracht werden darf. Wegen der hohen Getreidepreise wären bei höheren Erträge auch die Einnahmen der Bauern höher.

Ein Düngfahrzeug in einer Nahaufnahme.
Einige Bauern wollen mehr düngen und mehr Getreide erzeugen. Bildrechte: Maren Beddies

Ernährungswirtschaft bezieht vielerlei Erzeugnisse aus Ukraine

Sachsens Ernährungswirtschaft hat ein Vielzahl von Erzeugnissen und Rohstoffen bislang aus der Ukraine importiert, wie eine Aufstellung des Statistischen Landesamtes in Kamenz zeigt.

Außenhandel Sachsens mit Ukraine - Einfuhr Ernährungswirtschaft
Produktgruppe Summe in Euro Jahr 2020 Summe in Euro Jahr 2021
Nahrungsmittel tierischen Ursprungs 576.000 896.000
Weizen 344.000 0
Mais 0 0
Sorghum, Hirse und sonstige Getreide, ohne Reis 46.000 132.000
Hülsenfrüchte 768.000 775.000
Getreideerzeugnisse, ausgenommen Reiserzeugnisse 46.000 132.000
Gemüsezubereitungen und Gemüsekonserven 3,52 Mio 2,98 Mio
Obstzubereitungen und Obstkonserven 103.000 82.000
Ölfrüchte 872.000 1,96 Mio
Lebende Pflanzen und Erzeugnisse der Ziergärtnerei 100.000 151.000

Weizenpreis auf Rekordniveau

Der Preis für Weizen ist wegen des russischen Einmarsches in die Ukraine auf einen neuen Höchststand gestiegen. An der europäischen Börse Euronext wurde eine Tonne Weizen zur Lieferung im März unlängst für 344 Euro gehandelt. Auch der Preis für Mais stieg stark an. Die Ukraine ist ein wichtiger Getreidelieferant auf dem Weltmarkt. Beim Mais ist das Land der viertgrößte Exporteur weltweit, beim Weizen fünftgrößter.

MDR (lam)/dpa/AFP

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 02. März 2022 | 14:00 Uhr

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