Freizeitspaß Ausflüge in Sachsen: Sind Familientickets wirklich günstiger?

Spaß oder Ausflüge am Wochenende mit der ganzen Familie können schnell sehr teuer werden. Schön, wenn wenigstens Eintrittspreise durch ein Familienticket gedeckelt werden. Doch damit können Eltern in Sachsen nicht überall rechnen. Familie heißt von Anbieter zu Anbieter etwas anderes. Und wer mehr als zwei Kinder hat, zahlt oft extra. MDR SACHSEN zeigt die Unterschiede.

Eine fünfköpfige Familie auf einem Volksfest
In etlichen Erlebnisparks in Sachsen gibt es keine Familientickets. Wenn doch, müssen Eltern mit mehr als zwei Kindern oft draufzahlen. Bildrechte: IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Unterschiedliche Vorstellung von Familie

Bei den Anbietern von Familienkarten ist die Definition von Familie sehr unterschiedlich. Im Saurierpark Kleinwelka gilt der Klassiker: Zwei Kinder und zwei Erwachsene fallen unter die Familienkarte. Jedes weitere eigene Kind kostet zusätzliche zwölf Euro Eintritt.

Im Karl-May-Museum in Radebeul dagegen gilt die Familienkarte für alle Stammesmitglieder, egal, ob die Eltern mit zwei oder sechs Sprösslingen an der Kasse stehen.

Allosaurus (links) und Stegosaurus (rechts) mit Kind am Maul.
Im Saurierpark Kleinwelka fallen Mama, Papa und zwei Kinder unter die Familienkarte. Jedes weitere eigene Kind kostet zusätzliche zwölf Euro Eintritt. Bildrechte: Saurierpark BBB MGH

Ticket für Familien nur eine Mogelpackung?

Ein Tag in einem Freizeitpark steht bei vielen Kindern ganz oben auf der Wunschliste. Allein der Eintritt ist hier eine Investition. So zahlen Eltern mit vier Kindern im Freizeitpark Plohn 184 Euro für den Eintritt. Damit liege man im Vergleich zu ähnlich ausgerichteten Parks im unteren Preisniveau, sagte Katja Martin vom Freizeitpark Plohn. Familienkarten gibt es hier nicht.

Vermeintliche Ersparnis, welche in der Realität nicht existiert.

Katja Martin Freizeitpark Plohn

Martin ist der Meinung, dass andere Parks Preisvorteile für Familien nur vortäuschen würden: Da würden dann die Einzelpreise hochgesetzt und so dem Kunden mit der Familienkarte eine "vermeintliche Ersparnis suggeriert, welche in der Realität nicht existiert", beschreibt sie. Dies entspreche nicht der Preispolitik des Freizeitparks im Vogtland. Zudem sei es bei der Vielfalt an Familienkonstellationen nahezu unmöglich, jeder Familienform gleichermaßen gerecht zu werden.

Drei farbige Clownfiguren aus Holz.
Super Sache: Im Spielzeugmuseum in Seiffen zahlen Kinder in Begleitung von Erwachsenen nichts. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das gelingt dagegen dem nicht ganz so erlebnisintensiven Spielzeugmuseum in Seiffen im Erzgebirge sehr gut. Die Zutrittsregeln sind einfach: Kinder in Begleitung von einem Erwachsenen zahlen nichts, Erwachsene sieben Euro. Dabei ist es unerheblich, ob es sich bei der volljährigen Begleitung um Oma, Opa, Mutter oder Vater handelt. Das bedeutet für eine Familie mit vier Kindern 14 Euro Eintrittsgeld.

Die Gemeinde Seiffen habe sich auf diese Regelung geeinigt, um die seit 2005 von der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen zertifizierte "Familienfreundliche Freizeiteinrichtung" für einen Besuch mit den Eltern oder Großeltern besonders attraktiv zu gestalten, sagt Museumsleiter Konrad Auerbach.

Der frühe Vogel kriegt den Rabatt

Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, fällt der Blick nach Leipzig auf den Freizeitpark Belantis. Familientickets à la Mutter, Vater und zwei Kinder gibt es nicht. Das entspräche nicht der Lebenswelt unserer Kunden, so Belantischef Bazil El Atassi. "Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, weil wir niemanden ausgrenzen oder benachteiligen möchten. Insbesondere in unserer Region sind Familien sehr vielfältig und unterschiedlich."

Familien sind sehr vielfältig und unterschiedlich.

Bazil El Atassi Belantis

Aber es gebe einen anderen Weg, den Eintrittspreis niedriger zu gestalten. Je früher sich ein Gast oder eine Familie für den Ticketkauf im Onlineshop entscheide, desto günstiger werde der im Vergleich zum Kauf direkt am Tag in Belantis, erklärt der Chef des Freizeitparks.

Belantis
Im Freizeitpark Belantis (Bild) bei Leipzig, in Turisede in Einsiedel und im Freizeitpark Plohn gibt es keine Familienkarten. Bildrechte: imago images/Steffen Schellhorn

Preisknobelei im Rabattdschungel

Jede Menge Rabatte beim Eintrittspreis hat der Naturschutz-Tierpark Görlitz/Zgorzelec. Hier erhalten nicht nur Schüler, Azubis, Studenten und Menschen mit einer Behinderung Ermäßigungen. Sonderpreise gibt es auch für Menschen im Freiwilligendienst, für Ehrenamtliche, Görlitzer Familienpassinhaber und Jahreskartenbesitzer umliegender Zoos.

Sehr komplexer und damit langwieriger Kassiervorgang.

Isa Plath Tierpark Görlitz

Auch das Familienticket gab es für einige Zeit. Doch es wurde wieder abgeschafft. "Familienkarten haben bei uns in der Vergangenheit öfter dazu geführt, dass der ganze Kassiervorgang schnell sehr komplex und damit langwierig wurde", sagt die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit und Zoopädagogik, Isa Plath. Je nach Konstellation mit anderen Ermäßigungen sei dann die klassische Familienkarte nicht mehr am preisgünstigsten gewesen.

Ein Mädchen streichelt ein Sattelschwein.
In Tierpark Görlitz gab es mal eine Familienkarte, bis die Rechnerei mit all den möglichen Rabatten zu kompliziert wurde. Bildrechte: Tierpark Görlitz

Auch Gäste des Waldseilparks Dresden-Bühlau können eine beachtliche Menge Eintrittskonstellationen durchrechnen. Hier zahlen Schüler, Azubis und Studenten einen Euro weniger – Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre, was sich in einigen Fällen überschneidet, aber drei Euro weniger. Hinzu kommen sechs Kombi-Karten mit einem oder zwei Erwachsenen plus einem bis drei Kindern.

"Bei den Familienkarten können auch Familien mit mehr als drei Kindern Vergünstigungen bekommen. Jedes weitere eigene Kind bis 16 Jahre kostet 2,50 Euro weniger", informiert Rita Schwanebeck vom Waldseilpark. Wenn mehr als zwei Erwachsene mitklettern, könnten auch mehrere Familienkarten kombiniert werden.

Das Glück der Geburtstagskinder

Wem das alles zu kompliziert ist, der legt Ausflüge am besten auf Geburtstage. Vielerorts müssen die Geburtstagskinder gar nichts bezahlen. So beispielsweise in Turisede bei Einsiedel, im Saurierpark bei Bautzen und auch in Belantis und im Freizeitpark Plohn.

Geschenkbox, weiß mit roter Schleife. Ein Weihnachtsgeschenk?
Einmal im Jahr mal keinen Eintritt bezahlen, nämlich am Geburtstag. Bildrechte: Colourbox.de

Sächsischer Passierschein für kinderreiche Familien

Gerade für kinderreiche Familien gibt es noch eine Möglichkeit zu sparen. Seit 25 Jahren wird von Behörden der sächsische Familienpass ausgestellt. Das Dokument ist kostenfrei. Es ermögliche Mehrkindfamilien ab drei Kindern, Alleinerziehenden mit zwei Kindern und Familien mit einem schwerbehinderten Kind kostenlose Eintritte in ausgewählten Museen, Sammlungen und in Schlösser, Burgen und Gärten des Landes, heißt es aus dem Sozialministerium. Freien Eintritt gibt es damit zum Beispiel im Barockschloss Rammenau, im Senckenbergmuseum in Görlitz oder im Dresdner Hygiene-Museum.

Auch bei schmalem Geldbeutel sind also dank sächsischem Familienpass gemeinsame Erlebnisse möglich. Statt Achterbahnfahrt ist es dann die Burg oder das Naturkundemuseum. Das bietet für den Moment zwar weniger Action und Adrenalin, hält dafür in Sachen Wissensvermittlung vielleicht länger an.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 08. Juni 2022 | 20:58 Uhr

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