Nichtschwimmer Rekordzahlen: 10.000 Grundschulkinder in Sachsen können nicht schwimmen

Der Sommer kommt, der See lockt. Dennoch haben etwa 10.000 Grundschüler in Sachsen das Schwimmen noch nicht gelernt. Und das obwohl, diese Fähigkeit im Zweifel Leben rettet. Wieder einmal hat die Corona-Pandemie hier einen negativen Trend verstärkt, denn das Problem der vielen Nichtschwimmer gab es auch schon vor dem Jahr 2020. Was tun?

Kinder mit Schwimmflügeln in einem Schwimmbad
Zu viele Grundschulkinder in Sachsen sind Nichtschwimmer. Bildrechte: IMAGO / Fotoarena

Nach Sonnencreme, Chlor und Pommes frites - so riecht ein Nachmittag im Freibad. Doch es hängt eine dunkle Wolke über dem Schwimmbecken, denn viele Kinder in Sachsen haben auch in diesem Schuljahr das Schwimmen in der Grundschule nicht gelernt.

Etwa 10.000 Grundschulkinder in Sachsen können nicht schwimmen

Susann Meerheim vom sächsischen Kultusministerium hat die Zahlen: "Vor Corona hatte man immer so zehn bis 15 Prozent an Nichtschwimmern, also maximal 5.000 Schüler. Das hat sich jetzt deutlich erhöht durch Corona auf gut 10.000 Nichtschwimmer, in den Schuljahren 2019/20 und 2020/2021 und wir gehen auch im aktuellen Schuljahr von so einer Größe aus."

Eigentlich sollen Kinder in Sachsen nach der zweiten Klasse alle mindestens Folgendes können: ins tiefe Wasser springen, 100 Meter weit schwimmen und ohne Hilfe aus dem Wasser klettern. Und auch das macht sie noch längst nicht zu sicheren Schwimmern. In der Corona-Zeit jedoch konnte Schwimmunterricht lange nicht stattfinden.

Mehr als nur ein Problem der Pandemie

Das Problem, dass nicht alle Kinder in Sachsen in der zweiten Klasse tatsächlich das Schwimmen lernen, existierte aber bereits vor der Pandemie. Die Hauptgründe: Zu wenig Schwimmhallen und zu wenige Lehrkräfte. Peter Pattke ist Präsident des sächsischen Sportlehrerverbands und denkt nicht, dass der derzeitige Rückstand überhaupt aufzuholen ist: "Man muss auch einfach mal ehrlicherweise sagen, dass Corona, wie bei allen Sachen, als Brennglas fungiert. Wenn schon vorher die normale Absicherung kaum noch möglich war, dann ist es in einer Krisensituation erst recht nicht möglich."

Kultusministerium sucht nach Lösungen

Dennoch wird an Lösungen gearbeitet. Eine ganz konkrete Antwort aus dem Kultusministerium auf das Nichtschwimmer-Problem lautet: Gutscheine für Nachhol-Kurse außerhalb der Schule: "Mit diesen Gutscheinen können sich die Schüler an Kurse anmelden und dort noch die Schwimmfähigkeit zu erreichen. Das haben wir jetzt auch fortgeführt für das Schuljahr 2020/2021 und auch für das Jahr wird es Gutscheine geben. Und die Gutscheine von damals werden auch verlängert."

Pattke vom Sportlehrerverband erkennt hier zwar viel guten Willen. Eine wirkliche Lösung könne die Gutscheinregelung aber keinesfalls sein: "Wir machen Verantwortungsdiffusion: Wir geben einen Gutschein aus. Geld ist da, aber jeder weiß, dass das Geld das eine ist, aber derjenige, der es am Schluss durchführt, die Wasserflächen, die sind ja damit nicht da. Deswegen scheitert jeglicher Nachholprozess einfach praktisch im Moment."

Präsident des Sportlehrerverbandes spricht von gesellschaftlichem Versagen

Eltern sollen sich nun also um einen Nachhol-Schwimmkurs kümmern oder müssen ihren Kindern selbst das Schwimmen beibringen. Für den Präsidenten des Sportlehrerverbands ist das ein Anzeichen dafür, dass wir es hier mit einem gesellschaftlichen Versagen zu tun haben. Denn eigentlich sei es ja so gedacht, "dass die Kinder über Schule vom sozialen Elternhaus abgekoppelt sind und alle gleiche Bedingungen bekommen, wenigstens diese Grundfertigkeit fürs Leben zu erlangen."

Kinder, in deren Elternhäusern aber ohnehin schon weniger Ressourcen vorhanden sind, haben also nach zwei Jahren Corona-Pandemie auch in puncto Schwimmenlernen das Nachsehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Juni 2022 | 06:00 Uhr

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