Studie Beschäftigte in Sachsen profitieren besonders vom Mindestlohn

Seit 2015 gilt in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn. Derzeit liegt er bei 9,60 Euro. Sollten sich SPD, Grüne und FDP in Berlin auf eine neue Regierung einigen, könnte er bald auf zwölf Euro steigen. Sachsen würde besonders profitieren, zeigt eine Studie.

Mindestlohn
Im Jahr 2015 lag der gesetzliche Mindestlohn bei 8,50 Euro pro Stunde. Zurzeit beträgt er 9,60 Euro und steigt bis zum 1. Juli 2022 auf 10,45 Euro. Bildrechte: IMAGO / MiS

In Sachsen haben rund 13 Prozent der Beschäftigten von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 profitiert. Das waren anteilig so viele wie in keinem anderen Bundesland. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums, die am Montag in Dresden vorgestellt wurde.

Für die Studie wurden über etwa fünf Jahre die Umsetzung und Auswirkung des Mindestlohnes in Sachsen untersucht. Dass Sachsen stärker als andere Bundesländer betroffen war, liegt laut Studie vor allem an der kleinteiligen Unternehmensstruktur, geringer Tarifbindung sowie der Grenzlage nach Osteuropa. Im Vergleich zu anderen Bundesländern stiegen hier die Stunden- und Monatslöhne stärker, gleichzeitig erhöhten sich die Arbeitskosten für Unternehmen.

Keine gravierenden Verstöße festgestellt

Trotz dieser Faktoren gebe es keine "massenhafte Umgehung" des Mindestlohnes, heißt es in der Studie weiter. Nach Auswertung der Daten halten die meisten Unternehmen die Mindestlohnregeln ein. Mängel gab es etwa bei der Arbeitszeiterfassung oder der Verrechnung von Stundenlöhnen mit weiteren Leistungen. Seltener kamen Verstöße gegen die Melde- und Dokumentationspflicht vor.

Figuren in Arbeitskleidung unterschiedlicher Branchen stehen vor Euro Geldmünzen im Wert von 8,50
Bis 2030 gibt es allein in Sachsen rund 200.000 Menschen weniger im erwerbsfähigen Alter. Mindestlohn soll den Fachkräftemangel abfedern. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Dulig fordert rasche Anhebung auf zwölf Euro

Laut Dulig habe die Studie gezeigt, dass es anders als befürchtet langfristig keine dämpfende Effekte auf Investitionen von Unternehmen und die Beschäftigungsdynamik in Sachsen gegeben habe. Er warnte angesichts der Diskussion über eine weitere Erhöhung vor einem "Déjà-vu". Gerade angesichts des Fachkräftemangels seien faire Löhne für Unternehmen wichtig. Bis 2030 gibt es laut Dulig allein in Sachsen rund 200.000 Menschen weniger im erwerbsfähigen Alter.

Sachsens Wirtschaftsminister sprach sich für eine zügige Anhebung des Mindestlohnes auf zwölf Euro je Stunde aus. Allein im Freistaat würden davon rund 610.000 Menschen und nahezu jeder dritte Beschäftigte profitieren, sagte der SPD-Politiker in Dresden. Er verwies auf Sondierungsgespräche auf Bundesebene - ein höherer Mindestlohn sei ein zentraler Punkt der SPD. "Beschäftigte müssen Respekt und Wertschätzung erfahren."

DGB verlangt bessere Durchsetzung des Mindestlohns

Auch Grüne und Linke im Landtag halten eine Erhöhung des Mindestlohns für unverzichtbar. Dies sei ein wichtiger Baustein im Wettlauf um Fachkräfte, teilte der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Gerhard Liebscher, mit. Man stehe zur Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro in der Stunde. Für die Linksfraktion sind 13 Euro das Mindeste, "damit aus heutiger Sicht niemand im Arbeitsleben und im Alter arm sein muss," erklärte ihr wirtschaftspolitischer Sprecher Nico Brünler. Der Deutsche Gewerkschaftsbund Sachsen fordert wie SPD und Grüne eine Anhebung auf zwölf Euro, außerdem eine bessere Durchsetzung des Mindeslohns. "Dafür ist der Ausbau des Personals bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit dringend erforderlich", sagte der sächsische DGB-Chef Markus Schlimbach.

Quelle: MDR/kb/dpa

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