Geimpft, getestet oder genesen Sachsens Hochschulen führen zum Wintersemester 3G-Regel ein

Viele Studierende haben in den vergangenen Monaten kaum ihre Hochschulen gesehen. Wegen der Corona-Pandemie wurden Lehrveranstaltungen in erster Linie online angeboten. Man studierte von zu Hause aus. Doch digitale Vorlesungen und Seminare können Lehre in Präsenz nicht vollwertig ersetzen. Die Universitäten kehren deshalb im Wintersemester zu Präsenzveranstaltungen zurück - die Bedingung heißt 3G.

Ein leerer Hörsaal im Hörsaalzentrum der Technischen Universität Dresden.
Im Wintersemester sollen sich die Hörsäle der TU Dresden wieder füllen - aber mit Abstand und möglichst unter Beachtung der 3G-Regel. Bildrechte: dpa

Sachsens Hochschulen stehen vor dem Beginn des Wintersemesters. Um trotz der Pandemielage eine adäquate Lehrer in Präsenz zu ermöglichen, wird die 3G-Regel angewendet. Doch wie streng die Regeln ausgelegt werden, unterscheidet sich an den Hochschulen. "Der Zugang zu Präsenzlehrveranstaltungen ist beispielsweise nur unter Vorlage eines Impf-, Genesenen- oder Testnachweises gestattet", teilt Mario Steinebach, Sprecher der TU Chemnitz mit.

Die TU Dresden hingegen hat nach eigenen Angaben festgelegt, dass Teilnehmer von Lehrveranstaltungen dann einen Nachweis auf geimpft, getestet oder genesen erbringen müssen, wenn nicht genügend Abstand gehalten werden kann und damit eine erhöhte Infektionsgefahr besteht. "Die genaue Umsetzung und Kontrolle von 3G sowie eine eventuelle Erweiterung auf weitere Lehrveranstaltungen sind derzeit noch in Diskussion", so Prof. Michael Kobel, Prorektor Bildung an der TU Dresden. Für Prüfungen hat die Technischen Universität beschlossen, dass ab Oktober alle Prüfungen in Präsenz stattfinden und hier neben den Hygieneregeln des Hauses alle Prüflinge den Nachweis ihres 3G-Status erbringen müssen.

Keine Kontrollpflicht, aber Stichproben

Auch die Universität Leipzig will nach einem überwiegend digitalen Sommersemester in die Präsenz zurückkehren. Die Maxime sei, dass man sich an 3G halte, sagt Prof. Thomas Hofsäss, Prorektor für Bildung und Internationales an der Uni Leipzig. Dabei gebe es keine Kontrollpflicht der Lehrenden, wohl aber Stichproben. "Jeder und jede hat die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Und die Teilnahme an einer Präsenz-Uni bedeutet, ich muss mich darum kümmern, dass ich zu einer dieser 3G passe", betont Hofsäss. Wer aus individuellen Gründen das nicht möchte, müsse mit den Konsequenzen umgehen.

Stichprobenuntersuchungen legen nahe, dass ein Durchimpfungsgrad von Studierenden im Oktober von über 90 Prozent realistisch ist.

Prof. Thomas Hofsäss Prorektor Bildung und Internationales Uni Leipzig

Ungeimpfte vom Studium ausgeschlossen?

Das bedeute für Studierende ohne Corona-Schutzimpfung aber noch kein Ausschluss vom Recht auf Bildung, so der Prorektor der Leipziger Uni. Die Betroffenen seien vielmehr gefordert, sich die Studieninhalte anders zu erschließen. So gebe es nahezu zu allen Modulen digitale Angebote und online zugängliche Literatur. Bei Studiengängen mit praktischen Laborübungen liege es dann in der Verantwortung des Einzelnen abzuwägen zwischen seiner persönlichen Entscheidung sich nicht impfen zu lassen und dem Studienfortschritt. Eine Verschärfung zu 2G - also nur geimpft oder genesen - sei nicht im Gespräch, so Hofsäss.

Der Prorektor der TU Dresden, Prof. Michael Kobel, sieht durch die Umsetzung der 3G-Regel ebenfalls niemanden vom Studium ausgeschlossen.

An der TU Dresden wird niemand ausgeschlossen, weil er oder sie nicht geimpft ist. Wir werden auch dafür sorgen, dass niemand aus finanziellen Gründen auf den Test verzichten muss und deshalb nicht an Lehrveranstaltungen teilnehmen kann.

Prof. Michael Kobel Prorektor Bildung der TU Dresden

Kostenlose Tests für Studierende ohne Impfmöglichkeit

Ab Mitte Oktober werden Corona-Tests nicht mehr vom Staat bezahlt. Studenten und Studentinnen, die darauf angewiesen sind, müssen sie dann aus eigener Tasche bezahlen. Das kann Studierenden, die knapp bei Kasse sind, den Zugang zu Lehrveranstaltungen erschweren.

Hier kündigt das Sächsische Wissenschaftsministerium eine Verlängerung der kostenlosen Tests an. Sie gilt aber nur für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können und für Frauen, die sich in einem frühen Stadium der Schwangerschaft befinden und für die es bisher keine Impfempfehlung gibt. Dasselbe gelte bis Ende November für Tests für Studierende, die noch keine Zweitimpfung erhalten haben, teilte Falk Lange, Sprecher des Wissenschaftsministeriums mit. Ziel bleibe es, eine hohe Impfquote zu erreichen. Der Umgang mit Studierenden, die sich bewusst gegen die Corona-Schutzimpfung entschieden haben, sei jedoch nicht abschließend geklärt, so Lange.

Studierendenräte gegen Impfpflicht

Einige Hochschulen haben vorab Umfragen gestartet, um die Impfquote unter der Studierendenschaft zu erfragen. Diese fielen im Ergebnis mit 80 Prozent und mehr hoch aus. Renate Baricz vom Studierendenrat der Uni Leipzig hält die Befragungen für wenig aussagekräftig. "Die Frage ist: Wer nimmt an solchen Umfragen teil? Sie sind nicht repräsentativ", so die Studierende.

Die Rückkehr zur Präsenz werde begrüßt. Studierende seien eineinhalb Coronajahre lang von politischen und universitären Entscheidungsträgern und Entscheidungsträgerinnen übergangen worden, kritisiert Baricz. Man sei frustriert oder auch müde von den derzeitigen Bedingungen. Andererseits sei auch eine gewisse Skepsis gegenüber neuen Impfstoffen nachvollziehbar. "Wir möchten daher unsere Mitstudierenden dazu ermutigen, sich mithilfe wissenschaftlicher, seriöser Quellen über die Vor- und Nachteile einer Impfung zu informieren und entsprechende Angebote bereits vor dem Semesterstart wahrzunehmen", so Baricz. "Es gibt keine Impfpflicht für Studierende. Mit der 3G-Regel steht es allen frei, alternativ zur Impfung einen Testnachweis vorzulegen", sagt sie.

Eine Impfung als Studienvoraussetzung lehnen wir ab.

Marius Hirschfeld Studierendenrat TU Chemnitz

Auch der Studierendenrat der TU-Chemnitz lehnt eine Impfpflicht ab. Wie es mit Studierenden weitergeht, die sich nicht impfen lassen wollen, dazu sei man im "intensiven Austausch mit dem Rektorat", berichtet dort der Student Marius Hirschfeld. Eine weitere Finanzierung dieser Tests durch die öffentliche Hand halte er aber für fragwürdig.

Ein Student organisiert sein Studium vom Wohnzimmer der Eltern aus und blickt auf die Webseite.
Wer die 3G-Regel ablehnt, muss sich den Studieninhalt auf anderen Weg erschließen. Bildrechte: dpa

Und es gebe Studierende, die bei reiner Präsenzlehre ihr Studium nicht fortsetzen könnten, weil sie sich aus medizinischen Gründen nicht gegen das Coronavirus impfen lassen dürfen, aber daran schwer erkranken können, merkt Marie Polonyi vom Stura der Uni Leipzig an. Dies dürfe sich nicht nachteilig auswirken. Schon aus Sicht von Inklusion seien hybride Lehrformate sinnvoll und damit das teilweise Festhalten an digitaler Lehre.

Erfahrungen mit Präsenzlehre in Mittweida

Fast die gesamte Pandemie hindurch hat die Hochschule Mittweida an der Präsenzlehre festgehalten. Umgesetzt wurde das mit einer eigenen Kontaktnachverfolgung, Hygiene- und Abstandsregeln und einem frühen Testen im eigenen Testzentrum auf dem Campus, wie Hochschulsprecher Helmut Hammer erklärt.

Inzwischen bietet das vom Studentenrat der Hochschule Mittweida betriebene Zentrum mit Unterstützung lokaler Ärzte und Ärztinnen auch Impfungen für Studierende und Mitarbeitende an. Die Resonanz darauf ist sehr gut.

Helmut Hammer Sprecher der Hochschule Mittweida

Als Voraussetzung für den Zugang zu Präsenzveranstaltungen gelten in Mittweida auch im neuen Semester die Vorlage eines aktuellen negativen Corona-Tests oder entsprechende Nachweise von Geimpften und Genesenen. Man setze sich dafür ein, weiterhin notwendige Tests ohne oder nur mit geringen Kosten für die Studierenden anzubieten, heißt es aus der Hochschule.

Quelle: MDR/ma

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