Tourismus Drastischer Einbruch - fast 50 Prozent weniger Touristen in Sachsen

Die Corona-Pandemie lässt die Tourismuszahlen im Freistaat weiter abwärts rutschen. Das hat der Landestourismusverband am Dienstag bekanntgegeben. Es ist damit das zweite Jahr in Folge, in dem sich die coronabedingten Einschränkungen und Schließungen mit deutlichen Rückgängen bemerkbar machen.

In diesem Jahr sind nach Angaben des statistischen Landesamtes rund acht Millionen Gäste nach Sachsen gekommen. Das ist im Vergleich zum Vor-Corona Jahr 2019 ein Rückgang von 47 Prozent. Die Übernachtungen sind um 37 Prozent auf rund elf Millionen Besucher gesunken. Besonders eingebrochen ist die Zahl ausländischer Gäste, hieß es.

Langzeitfolgen für Sachsens Tourismus

Die Lage ist prekär, sagte der Präsident des Landestourismusverbandes (LTV), Jörg Markert. Rund 40 Prozent der Umsätze im Vergleich zum Niveau vor Corona seien 2021 weggebrochen. Wegen der Abwanderung vieler Fachkräfte und zusammengeschmolzener Geldpolster der Betriebe erwartet Markert zudem, dass die Krise im Tourismusgewerbe noch mindestens drei Jahre lang dauern werde.

Großstädte besonders betroffen

Die Frauenkirche in Dresden ist ein Besuchermagnet. Allerdings nützt das wenig, wenn ausländische tousiten nicht nach Sachsen kommen.
Touristen aus aller Welt kommen jährlich nach Dresden - durch Corona gibt es 53 Prozent weniger Gästeankünfte. Bildrechte: Oliver Killig

Vor allem die großen Städte Dresden und Leipzig hätten gelitten, weil ihnen das Messe- und Kongressgeschäft fehle. Dresden verbuchte ein Minus von 53 Prozent bei den Gästeankünften und von Minus 48 Prozent bei den Übernachtungen. Für Leipzig waren die Einbußen mit minus 48 Prozent bei den Ankünften und minus 40 Prozent bei den Übernachten nur etwas geringer.

Geschlossene Hotels, Weihnachtsmärkte und Skigebiete verstärken Abwärtstrend

Wegen der Corona-Beschränkungen in Sachsen sei aber erneut das wichtige Weihnachtsgeschäft verloren gegangen, sagte der Landestourismus-Verbandsdirektor Manfred Böhme. Seit November sind in Sachsen touristische Übernachtungen verboten. Auch die Skilifte in den Wintersportgebieten dürfen aktuell nicht fahren. Zudem wurden die Weihnachtsmärkte gestrichen.

Urlaubsregion Vogtland - Situation ist existenzbedrohend

Auch im Vogtland herrscht wieder Stillstand: keine Wanderer, Skifahrer oder Wellnessurlauber in einem der Kurbäder. Eine Situation, die für manche Hotels oder Pensionen inzwischen existenzbedrohend ist. Tief rot sind die Zahlen, die im zu Ende gehenden Jahr in die Statistik eingehen werden, sagt der Geschäftsführer des vogtländischen Tourismusverbandes, Andreas Krauss.

Skiwelt Schöneck
Schöneck ein beliebtes Reiseziel - das dortige Skigebiet darf noch immer nicht öffnen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die abgesagte Wintersaison im Januar 2021 - für uns einfach schlichtweg eine Katastrophe und eine Tragödie.

Jennifer Braun Geschäftsführerin der Dienstleistungs- und Tourismus GmbH Schöneck

Im Sommer konnte man in Schöneck durch das breite Angebot dann zumindest einiges kompensieren . "Die Bike Saison, da hatten wir auch das Problem, dass wir erste Ende Mai statt Ende April starten konnten, wir hatten viele Tagestouristen aber auch Übernachtungsgäste aber auch viele Wanderer", so Braun. Die Übernachtungszahlen im Sommer seien auf guten Niveau gewesen.

Für manch einen Anbieter kam das offenbar zu spät, meinte Verbandschef Andreas Krauss. "Wir haben einige Betriebsschließungen, Gott sei Dank noch relativ wenig. Die Situation ist wirklich problematisch, von niedergeschlagen, verzweifelt, Zukunftsängste, eine fehlende Perspektive bis hin zu Wir werden das schon schaffen", sagte Krauss.

Erneutes Beherbungsverbot drückt auf Stimmung

Das im November ausgesprochene Beherbergungsverbot für Touristen in Sachsen drückt bei vielen Betrieben, vor allem im oberen Vogtland, auf die Stimmung. Große Enttäuschung, das gerade das Weihnachtsgeschäft wieder so touristisch nicht stattfinden kann. Schönecks Tourismus Chefin Braun hofft, dass es im Januar endlich einen Saisonstart gibt - mit Übernachtungen und mit Skibetrieb. "Wir haben im Sommer bewiesen, es funktioniert. Wir haben Hygienekonzepte ausgearbeitet, es würde klappen - egal ob 2G, 2G plus oder 3G Hauptsache irgendwie auf und das wir loslegen können", sagte Braun.


Impfen hilft dem Tourismus

LTV-Präsident Markert appellierte an die Sachsen, sich impfen zu lassen. Das trage zur Bewältigung der Pandemie bei und helfe so dem Tourismus. Er hoffe nicht, dass Sachsens niedrige Impfquote und der starke Protest gegen die Corona-Maßnahmen zu einem Imageverlust für das Tourismusland Sachsen führen. "Ausschließen kann man das nicht", sagte Markert.

Finanzielle Hilfe vom Land gefordert

Angesichts der Bedeutung des Tourismus als wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor für Sachsen, braucht die Branche nachhaltige Unterstützung. Im Fokus, so der LTV Sachsen, muss der Erhalt und die Stärkung der Leistungsfähigkeit bei Unternehmen, Tourismusorten und -organisationen liegen. Der Verband verlangt bei den Beratungen zum nächsten Doppelhaushalt ein klares Bekenntnis zum Tourismus und dauerhafte Haushaltsmittel auf dem Niveau der Jahre 2021/2022.

Was macht der Landestourismusverband Sachsen? - Als Dachverband repräsentiert der LTV Sachsen rund 4.500 direkte und indirekte Mitglieder aus dem Dienstleistungssektor.
- Die breit gefächerte Mitgliederpalette unterstützt dabei seine Aufgabe, die Interessen des mittelständisch geprägten Tourismus in Sachsen zu vertreten.
- Die Branche erwirtschaftet in Sachsen nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von 8,1 Milliarden Euro Jahresumsatz, der 194.000 Menschen Beschäftigung sichert.

Quelle: MDR (dst/bs) dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 28. Dezember 2021 | 12:00 Uhr

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