Unwetterschäden Verbraucherzentrale in Sachsen für Versicherungspflicht

Die extremen Wetter-und Naturereignisse nehmen seit Jahren zu. Doch die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher sind nicht dagegen versichert. Die Verbraucherzentrale in Sachsen hat ihre Forderung nach einer Pflichtversicherung gegen Elementarschäden angesichts der jüngsten Hochwasserkatastrophe untermauert - durch eine repräsentative Umfrage.

Ruinenartige Fassaden mehrstöckiger Häuser mit Wasser im Vordergrund und Felsen sowie Weinberg im Hintergrund.
Bei der Hochwasserkatastrophe im Juli wurde die Fassade dieses Hauses in Mayschoß in Rheinland-Pfalz von den Fluten fortgerissen. Bildrechte: imago images/onw-images

Nach der jüngsten Hochwasserkatastrophe mit Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutschen in Westdeutschland werden die Stimmen für eine verpflichtende Versicherung gegen Elementarschäden laut. Auch die Verbraucherzentrale Sachsen verlangt jetzt erneut die Einführung einer gesetzlichen Versicherungspflicht gegen Elementarschäden. Der Vorstand der Verbraucherzentrale, Andreas Eichhorst, sagte in Leipzig, das Vorhaben sei notwendig, gewollt, möglich und bezahlbar. Es müsse eine faire und bezahlbare Lösung für alle her.

Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren und Brille. - Andreas Eichhorst.
Bildrechte: Johannes Waschke

Jedes weitere Jahr ohne Versicherungspflicht setzt mehr Menschen der wachsenden Gefahr aus, bei der nächsten Naturkatastrophe vor den Trümmern ihrer Existenz und dem finanziellen Ruin zu stehen.

Andreas Eichhorst Verbraucherzentrale Sachsen

Versicherungspflicht soll in neuen Koalitionsvertrag

In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Verbraucherzentrale hatten sich 59 Prozent der mehr als 1.000 Befragten für eine Versicherungspflicht ausgesprochen. Auch eine nach Risiko gestaffelte Prämie zwischen 5 und 50 Euro monatlich halten fast drei Viertel der befragten Eigentümer für angemessen. "Die neue Bundesregierung wird sich deshalb hoffentlich im Koalitionsvertrag mit klaren Worten zu einer Versicherungspflicht gegen Naturgefahren bekennen", sagte Eichhorst. Diese Versicherungspflicht hatte die Verbraucherzentrale Sachsen bereits vor 20 Jahren nach der ersten Jahrhundertflut 2002 in Sachsen eingefordert.

Justizminister wollen im November beraten

Im November will sich die Justizministerkonferenz mit einer Versicherungspflicht gegen Elementarschäden befassen. Zuletzt scheiterten entsprechende Bestrebungen 2017 an verfassungsrechtlichen Bedenken. Die Justizministerinnen und Justizminister der Länder befürchteten, dass eine solche Pflicht Grundrechte einschränken könnte – vor allem das Grundrecht des Einzelnen auf Vertragsfreiheit. Denn eine Versicherungspflicht würde Betroffene zwingen, einen Vertrag abzuschließen und für eine Versicherung zu zahlen.

Reimund Schwarze vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig sagte, die Sommerflut 2021 habe die mit dem Klimawandel zunehmenden Gefahren von Starkregen ins Bewusstsein von Politiker, Behörden und Experten gebracht. "Sie wird in Zukunft deutschlandweit zunehmen und es kann jeden treffen", so Schwarze. Diese Entwicklung müsse stärker in die Planungen von Bebauung, Hochwasserschutz und Versicherungen berücksichtigt werden.

Was bringt eine Elementarschadenversicherung? - Sie schützt bei Schäden durch Naturereignisse, wie Überschwemmung, Erdbeben, Schneemassen und Hochwasser.
- Die Versicherung greift bei Wasserschäden nur dann, wenn das Wasser an die Oberfläche gelangt ist. Schäden, die durch Grundwasser entstehen, das von unten in das Mauerwerk drückt, sind nicht versichert.
- Häuser in Risikolagen werden oft nur gegen viel Geld oder gar nicht versichert. Wer schon mal von einem Elementarschaden betroffen war, findet unter Umständen keinen neuen Versicherer.
Wer eine Elementarschadenversicherung abschließt, sollte darauf achten, dass Schäden durch Witterungsniederschläge und Schäden durch Rückstau mit eingeschlossen sind.

Versicherer skeptisch

Die Versicherungsbranche sieht eine Versicherungspflicht gegen Elementarschäden kritisch. Sie befürchtet, dass Hausbesitzer dann auf eigene Maßnahmen verzichten. Eine solche Pflicht nehme Hausbesitzern und Unternehmen den Anreiz, gegen Flut- und andere Extremwetterrisiken vorzusorgen, findet der Leiter Sachversicherung beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Oliver Hauner. "Das könnte dazu führen, dass entweder für die Versicherungsnehmer die Prämien unbezahlbar hoch oder am Ende die Risiken für die Versicherer untragbar groß werden", meinte er.

Laut Zahlen des GDV haben in Sachsen 48 Prozent der Häuser einen Versicherungsschutz gegen Elementarrisiken wie Starkregen und Hochwasser. Das seien rund 400.000 Wohngebäude.

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Radioreport | 08. September 2021 | 18:05 Uhr

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