Humor Deutscher Karikaturenpreis in Düsseldorf verliehen

Seit 2000 zeichnet die "Sächsische Zeitung" jedes Jahr die besten Karikaturen des vergangen Jahres aus, seit 2016 gemeinsam mit dem Bremer "Weser Kurier" und seit diesem Jahr auch mit der Düsseldorfer "Rheinischen Post", die die Gastgeberin der diesjährigen Preisverleihung war. Die Karikaturen der Sieger beschäftigten sich mit den Themen Ukraine-Krieg, Kindererziehung und schwierige Nachbarn. 

Karikatur "Nachrichten": Zwei Leute mit VR-Brillen, Kopfhörern, Blutdrucksenkern vor dem Einschalten der Nachrichten.
Es gibt auch gute Nachrichten: In Düsseldorf sind heute die besten deutschen Karikaturen ausgezeichnet worden. Bildrechte: DDV Mediengruppe

Im Düsseldorfer Schauspielhaus ist am Sonntagvormittag der 23. Deutsche Karikaturenpreis verliehen worden. Mit dem "Geflügelten Bleistift in Gold" wurde der Nürnberger Comiczeichner und Schauspieler Tobias Hacker für seine Karikatur "Schüleraustausch" ausgezeichnet.

Deutscher Karikaturenpreis Ins Leben gerufen hat den Deutschen Karikaturenpreis im Jahr 2000 die "Sächsische Zeitung", seit 2016 richtet sie ihn gemeinsam mit dem Weser Kurier aus und seit diesem Jahr auch mit der "Rheinischen Post." MDR SACHSEN ist Medienpartner des Wettbewerbs. 

Den "Geflügelten Bleistift in Silber" erhielt der Illustrator und Zeichner Dominik Joswig für sein Werk "Erwartungen". Für seine Zeichnung "Pock" gewann Björn Ciesinski den "Geflügelten Bleistift in Bronze". Als bester Newcomer wurde der Österreicher Andreas Rohrböck geehrt. Das diesjährige Motto des  Wettbewerbs war "Lass mich in Frieden". Eine elfköpfige Jury hatte aus 1.099 Einreichungen von insgesamt 236 Karikaturisten die Preisträger ausgewählt, teilten die Veranstalter mit. 

Karikatur "Kriegstaube": Eine junge "Friedens"-Taube mit Koffen in Tarnfleck sagt ihren Eltern, dass sie zur Armee geht.
Schwere Zeiten für Friedenstauben: Viele der gezeigten Karikaturen widmen sich dem aktuellen Kriegsgeschehen. Bildrechte: DDV Mediengruppe

Insgesamt 11.000 Euro Preisgeld

Für die Siegerkarikatur gibt es ein Preisgeld von 4.000 Euro, für den zweiten Platz 3.000 Euro, für den dritten Platz 2.000 Euro und für den Newcomer-Preis 1.000 Euro. Ebenfalls 1.000 Euro gibt es für den Publikumspreis, der erst im kommenden Jahr auf der Leipziger Buchmesse verliehen wird. Da in diesem Jahr die Buchmesse ausgefallen ist, wurde der Vorjahressieger Axel Prange erst heute auf der Gala geehrt. 

Karikaturenpreis Krieg, Energiekrise und Corona beschäftigen die Karikaturisten

Eine Karikatur: Zwei Soldaten liegen einander im Schützengeraben gegenüber und erkennen sich von einem Schüleraustausch wieder.
Für seinen "Schüleraustausch", der den Irrsinn des Krieges trifft, erhielt Tobias Hacker den "Geflügelten Bleistift in Gold" beim Deutschen Karikaturenpreis. Bildrechte: DDV Mediengruppe
Eine Karikatur: Zwei Soldaten liegen einander im Schützengeraben gegenüber und erkennen sich von einem Schüleraustausch wieder.
Für seinen "Schüleraustausch", der den Irrsinn des Krieges trifft, erhielt Tobias Hacker den "Geflügelten Bleistift in Gold" beim Deutschen Karikaturenpreis. Bildrechte: DDV Mediengruppe
Eine Karikatur: Eltern schauen erwartungsvoll auf ihren Säugling, über dem eine Windspiel mit Geige, Doktorhut, Rakete, Buch und Atommodell hängt.
Dominik Joswigs Karikatur "Erwartungen" wurde von der Jury mit dem "Geflügelten Bleistift in Silber ausgezeichnet. Bildrechte: DDV Mediengruppe
Eine Karikatur: Eine Frau klopft erbost mit dem Besen an die Decke - das Klopfen wird in der Wohnung darüber mit Mikro aufgezeichnet und verstärkt durch Boxen wiedergegeben.
"Pock" heißt die Karikatur von Björn Ciesinski. Sein Perpetuum Mobile aus Ärger und Frust wurde mit dem "Geflügelten Bleistift in Bronze" ausgezeichnet. Bildrechte: DDV Mediengruppe
Karikatur "Nachrichten": Zwei Leute mit VR-Brillen, Kopfhörern, Blutdrucksenkern vor dem Einschalten der Nachrichten.
So lassen sich die täglichen Hiobsbotschaften ertragen, meint Karikaturist Uli Döring. Bildrechte: DDV Mediengruppe
Karikatur "Impfpflicht": Pfleger am Krankenbett mit Vollschutz und Zigaretten im Mund fragen sich, wann es Rauchverbot geben wird.
Da war doch noch was? Ach ja, die Impfpflicht. (Karikatur: ERL) Bildrechte: DDV Mediengruppe
Karikatur "Kriegstaube": Eine junge "Friedens"-Taube mit Koffen in Tarnfleck sagt ihren Eltern, dass sie zur Armee geht.
Denn mittlerweile ist der Krieg auch in die Federn der Karikaturisten gezogen: Schlechte Zeiten für Friedenstauben, meint Karikaturistin Annika Frank. Bildrechte: DDV Mediengruppe
Karikatur "Sweet Dreams": Schlafender Putin mit russischem Bärchen im Bett, dahinter böse Geister.
Aber auch Putin kann mit dem russischen Bärchen im Arm nicht gut schlafen. (Karikatur: Derek Pommer) Bildrechte: DDV Mediengruppe
Karikatur "Schaukelpferdchen": Putin tanzt mit russischen Flaggen nackt auf einem Schaukelpferd.
Putin auf dem "Schaukelpferdchen", so der Titel der Karikatur Frank Hoppmann. Bildrechte: DDV Mediengruppe
Karikatur "Rettungsgasse": Ein LKW mit Gasflaschen wird von der Polizei durch eine Rettungsgasse auf der Autobahn geleitet.
Hierzulande wird derweil über die Rettung aus der Gaskrise debattiert. "Rettungsgasse" heißt die Karikatur von Greser & Lenz. Bildrechte: DDV Mediengruppe
Karikatur "Wer kümmert sich...": Ein Talkmaster fragt Batmann, wer sich bei der Weltrettung um seine Kinder kümmert.
Batman, Weltenretter und Talkshow-Gast. Gleich zwei Themen, die Ruth Hebler aufs Korn nimmt. Bildrechte: DDV Mediengruppe
Karikatur "Ruhe in Frieden": Das Grab eines Querdenkers ist 90 Grad gedereht zu den anderen Gräbern angelegt.
Und die gibt es ja auch noch: Querdenker, die mit dem Mainstream auch auf dem letzten Weg nichts zu tun haben wollen... Bildrechte: DDV Mediengruppe
Karikatur "Verschwende Deine Tugend" Frau an der Bar: "Ich lebe jeden Tag so, als ob ich das letzte wäre".
Aber das Lachen soll uns ja nicht im Halse stecken bleiben. Zum Schluss noch etwas aus der Rubrik "Geschichten, die das Leben schreibt..." (Karikatur: Bettina Schipping) Bildrechte: DDV Mediengruppe
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Karikatur zum Ursprung des Coronavirus: Batmann hängt am Tropf, Xi Jinping lacht.
Nach drei Jahren steht - zumindest für die Chinesen - fest: Batman war als erster mit Corona infiziert. (Karikatur: Derek Pommer) Bildrechte: DDV Mediengruppe

Erster Preis für Anti-Kriegs Karikatur

Die Sieger-Karikatur des Wettbewerbs, die vom Nürnberger Comiczeichner und Schauspieler Tobias Hacker, stammt, trägt den unverfänglichen Titel "Schüleraustausch". Sie zeigt aber nach Einschätzung der Jury "den Irrsinn des Krieges simpel und gerade deshalb effektvoll ausgemalt." Die Zeichnung führe die Absurdität des Krieges vor Augen: "Hier heißen die Soldaten Boris und Sascha, aber sie könnten ausgetauscht werden gegen Bernd und Steffen, Ben und Sam, Bechir und Selim oder die Namen von Frauen" heißt es in der Begründung der Jury. "Die Karikatur ist ein Zeichen für Frieden, trifft somit das Thema perfekt und gehört nicht zuletzt deshalb auf den ersten Platz."

Eine Karikatur: Zwei Soldaten liegen einander im Schützengeraben gegenüber und erkennen sich von einem Schüleraustausch wieder.
Mit seiner Zeichnung "Schüleraustausch" bekam der Nürnberger Karikaturist den "Geflügelten Bleistift in Gold" beim Deutschen Karikaturenpreis. Bildrechte: DDV Mediengruppe

Die Karikatur ist ein Zeichen für Frieden, trifft somit das Thema perfekt und gehört nicht zuletzt deshalb auf den ersten Platz.

Begründung der Jury für den ersten Preis des Deutschen Karikaturenpreises.

Jung, böse, prämiert: Andreas Rohrböck ist bester Newcomer

Der 32 Jahre alte Andreas Rohrböck, bekannt unter dem Künstlernamen "Madig & Vulgaire" wurde für seine Karikatur "Absorbiert" als bester Newcomer geehrt. In der Begründung der Jury heißt es, dass "die Karikatur großartig beschreibt, wie sich die Zeiten ändern." Er blende das Wechselspiel zwischen den Menschen aus, zeige die Ausnahmesituation, die nicht mehr als Ausnahme wahrgenommen werde: "Lasst ihn in Frieden, er weiß auch nicht, was er tut, aber er muss es tun und alle haben das zu akzeptieren. Er zeigt, was auf die Gesellschaft zukommt."

Eine Karikatur von Andreas Rohrböck zeigt eine Lehrerin, die der Klasse ein kinderfressendes Monster als "normalen" Mitschüler vorstellt
Mit der Karikatur "Absorbiert" ist Andreas Rohrbeck beim deutschen Karikaturenpreis zum besten Newcomer gekürt worden. Bildrechte: DDV Mediengruppe

Rohrböck, dem als gebürtigen Wiener die "Wiener Schmäh" in die Wiege gelegt wurde, lebt mittlerweile in St. Pölten. In seiner Biografie heißt es, dass das verrückte Gekritzel in seinen Bücher ihm half, die Schulzeit zu überstehen und seinen Weg in ein Grafikdesign-Studium ebnete. Nach seinem Abschluss arbeitete er einige Zeit in einer Wiener Werbeagentur, bevor er sich als Grafiker und Illustrator selbstständig machte.

Karikaturen-Ausstellung im Winter in Dresden zu sehen

In einem Interview mit den "Bezirksblättern St. Pölten" beschrieb Rohrböck seine Haltung klar: "Satire muss alles dürfen. Sogar Witze über Behinderte und Religionen. Jeder hat das Recht, von Satire erwischt zu werden."

Jeder hat das Recht, von Satire erwischt zu werden.

Andreas Rohrböck Karikaturist

In Ausstellungen unter anderem in Düsseldorf, Berlin, Bremen und Dresden wird eine Auswahl der eingereichten Karikaturen zu sehen sein. Die Besucher können dort aus allen gezeigten Karikaturen ihren Favoriten für den Publikumspreis wählen. In Dresden werden die Werke vom 14. November 2022 bis zum 26. Februar ausgestellt.

MDR (jwi, tfr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 25. September 2022 | 19:00 Uhr

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