Medienkompetenz im Unterricht Linke will "Medienkunde" als Schulfach testen

Wie funktionieren Medien? Was sind Fakten, was Meinungen, was Fake News - also bewusst manipulativ platzierte Falschmeldungen? Genau diese Fragen sollen künftig im Schulunterricht im Freistaat eine größere Rolle spielen, fordert die Linkspartei im Sächsischen Landtag. Die Fraktion will dazu einen wissenschaftlich begleiteten Schulversuch starten.

Für Linken-Landtagsabgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg liegt die Medienkompetenz in Sachsen im Argen. Ob klassische Zeitungen, Fernseh- oder Radiosender - gerade in Diskussion mit Jugendlichen fällt der Politikerin auf, "dass Leute einfach sagen, sie fühlen sich nicht nur nicht gut informiert, sondern manipulativ oder manipuliert informiert." Da stimme etwas nicht, so die Abgeordnete.

Plan für neues Schulfach

Laut Antrag der Linksfraktion soll nicht sofort ein Fach Medienkunde eingeführt werden. Der Prozess soll zunächst mit einem Schulversuch wissenschaftlich begleitet und ergebnisoffen beginnen.

Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und alle Beteiligten müssen an einen Tisch und über diesen Schulversuch entscheiden können.

Luise Neuhaus-Wartenberg Linken-Landtagsabgeordnete

Kultusministerium stellt sich gegen die Pläne

Das sächsische Kultusministerium sieht die Sache anders und entgegnet, in den Lehrplänen sei Medienbildung erst kürzlich stärker verankert worden. "In allen Schulformen, allen Klassen, allen Fächern und bundesweit abgestimmt in der Kultusministerkonferenz", so Pressesprecherin Susann Meerheim.

Für das Ministerium sieht bei einem isolierten Medienfach das Problem, dass die Verantwortung auf Lehrkräfte, die Medienkunde geben, abgewälzt würde. "Wir wollen aber gerade, dass in jedem Fach die digitalen Medien zum Einsatz kommen und die Medienbildung stattfindet", so die Sprecherin.

Ein Laptop auf einem Tisch, Artikel aufgerufen mit Überschrift "Der Corona-Schwindel", Kaffeetasse, dunkle Farben, unscharfer Hintergrund.
Viele Menschen fühlten sich "manipulativ informiert", so die Linke. Bildrechte: MDR

Wissenschaftler hält neues Schulfach für notwendig

Dieser Ansatz sei anspruchsvoll, in Sachsen aber derzeit nicht praxistauglich, urteilt der Kommunikationswissenschaftler Benjamin Bigl: "Dem Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz wurde einfach in den vergangenen Jahren - und wird auch nach den jetzigen Plänen - zu wenig Stellenwert eingeräumt."

Bigl hält stattdessen auch ein eigenes Fach "Medienkunde" für notwendig, laut seiner kürzlich veröffentlichten Studie stünden auch die Sachsen zu zwei Dritteln dahinter.

Landesschülerrat Sachsen will es beim Versuch belassen

Und die Schülerschaft? Gegen einen Schulversuch sei nichts einzuwenden. Dabei wolle man es aber auch bleiben lassen, sagt Lilly Härtig vom sächsischen Landesschülerrat.

"Wir wollen, dass es dazu kein extra Fach gibt, sondern, dass das, was existiert, mehr ausgebaut wird", meint Härtig. Schülerinnen und Schüler müssten im normalen Unterricht weitergebildet werden.

Am Freitag soll der Landtag über den Antrag der Linkspartei debattieren und abstimmen. Der Oppositionsvorstoß dürfte es schwer haben.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 17. November 2021 | 10:00 Uhr

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