Pandemie Kommentar: Trotz strengerer Corona-Regeln - Warum wir weiter miteinander reden sollten

Diese Woche traten wegen des Corona-Pandemieverlaufs erhebliche Einschränkungen in Kraft. Um gemeinsam unbeschadet durch die Zeit zu kommen, müssen wir die Schubladen im Kopf öffnen. Ein Kommentar von Monique Junker.

2G Regel Zutritt für Genesene und Geimpfte
Seit dieser Woche gelten wieder strengere Corona-Regeln in Thüringen. Bildrechte: IMAGO / Political-Moments

Plötzlich herrscht Stille in dem Fitnessclub im ländlichen Thüringen: Ein Mann betritt den Trainingsraum und sieht eine ihm offenbar bekannte Frau. Er geht auf sie zu und fragt, ob sie geimpft sei. Sie verneint und er fährt sie für alle Anwesenden laut hörbar an: "Dann haben Sie hier nichts zu suchen!" Entsetzen. Sprachlosigkeit.

Wir haben die (Ein-)Teilung längst im Kopf. Von der politischen Bühne hat sie sich ihre Bahn über die sozialen und anderen Medien in den Alltag gebrochen. Wir trennen nicht nur an den Türen, sondern auch in den Köpfen - zwischen Geimpften und Ungeimpften, Solidarischen und Egoisten, Hörigen und Widerständlern. Die Abscheu wird täglich größer, manche wollen nicht mehr mit den anderen in einem Gastraum sitzen, mit ihnen reden, mit denen Sport treiben. Wir verbarrikadieren uns, jeder hinter seinem Meinungshaufen, wo wir dann feiern, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.

"Dürfen Hoffnung haben, dass sich die aktuelle Krise bei uns schneller lösen lässt"

Ich habe 14 Jahre im Nahen Osten gearbeitet. Dort habe ich gelernt, dass es nie hilft, nicht miteinander zu reden. Denn ohne Gespräche verhärteten sich nach jeder neuen Runde der Gewalt die Fronten weiter, wurde die Rhetorik schärfer, verloren mehr Freunde und Wegbegleiter den Glauben an die Gegenseite. Im Vergleich zum Nahostkonflikt dürfen wir begründete Hoffnung haben, dass sich die aktuelle Krise bei uns schneller lösen lässt. Und wenn wir mit Impfungen, Medikamenten und Intelligenz das Corona-Virus im Griff haben, werden wir hier weiter miteinander auf einem Stückchen Land leben.

Können wir uns dann noch in die Augen schauen? Haben wir dann noch die Kraft, uns gemeinsam den kommenden Herausforderungen zu stellen?

"Spirale der Entfremdung durchbrechen"

In dieser Woche hat eine Zeit begonnen, die geprägt ist von 3G und 2G, Sperrstunden, geschlossenen Bars und Weihnachtsmärkten, Schlangen vor Impfstellen und Schicksalsschlägen in Krankenhäusern. Wir werden genervt sein und nach Schuldigen suchen und uns weiter gegenseitig unmöglich finden. Oder wir durchbrechen diese Spirale der Entfremdung, die uns so viel zusätzliche Energie kostet. Und fangen an, die Ungeimpften wieder als Nachbarn, Kollegen, Sportsfreunde zu sehen. Die Geimpften als Mütter, Wissenschaftler, gewählte Politiker. Mit denen wir reden und streiten können, nicht einig sind, uns aber verstehen. Und von denen wir vielleicht sogar ein Argument hören, das wir noch nicht kannten und das trotzdem plausibel klingt.

"Hören wir auf, die Schuldigen zu suchen"

Ein Sozialpsychologe sagte diese Woche in einem Interview im Deutschlandfunk, der Riss durch die Gesellschaft verlaufe nicht durch die Mitte, sondern nur am Rand. Selbst wenn das so ist, belastet er uns alle. Hören wir auf, die Schuldigen zu suchen! Suchen wir nach Gründen! Für den Vertrauensverlust in die Politik, für die Verrohung im gegenseitigen Umgang, für die Ratlosigkeit. Wenn wir uns den Ursachen der Konflikte stellen, kommen wir nicht nur den Lösungen, sondern wahrscheinlich auch uns gegenseitig wieder näher.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

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