Corona - und dann? Thüringer Hotels und Gaststätten: Pleitewelle abgewendet - doch es wird teurer

Das "Tal der Tränen" sei durchschritten, sagt Dirk Ellinger im Podcast "Corona - und dann?" von MDR THÜRINGEN. Die Umsätze seien in der Corona-Pandemie im Thüringer Hotel- und Gaststättengewerbe bis auf zehn Prozent eingebrochen. Dank der wirtschaftlichen Hilfen überlebten die meisten Unternehmen die Krisenzeit. Nun warten neue Herausforderungen.

Ein Kellner zapft Bier im Köstritzer Bierhaus.
Die Preise für Getränke, Speisen und Unterkunft werden wohl weiter steigen. Bildrechte: dpa

Es wird nicht ohne Preissteigerung gehen, sagt der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättengewerbes (Dehoga) Thüringen, Dirk Ellinger. Zwar sei die Bettenauslastung im Sommer in den Hotels deutlich gestiegen und auch Gaststätten seien kräftig besucht worden, doch die Unsicherheit für die Unternehmen bleibe weiter bestehen. Beispielsweise sei es angesichts der anhaltenden Pandemie auch in den nächsten Monaten schwierig, Veranstaltungen zu planen.

Hinzu kämen vermutlich deutliche Steigerungen bei den Betriebskosten - für Lebensmittel und für Strom und Gas. Diese höheren Kosten müssten die Betriebe auf die Gäste umlegen, das sei "reine Betriebswirtschaft". Die Inflation sei, so Ellinger, eine große volkswirtschaftliche Herausforderung für Deutschland und die EU. Angesichts der Wirtschaftsprognosen werde es insgesamt zu Preissteigerungen kommen.

Branche leidet unter Fachkräftemangel

Ein weiteres "drastisches Problem" nennt Ellinger den Mangel an Fachkräften und Servicepersonal in Hotels und Gaststätten. Nahezu alle Unternehmer in Thüringen würden darüber klagen. Durch die Unsicherheit und die Lohnkürzungen innerhalb der Pandemie hätten sich viele Mitarbeiter Arbeit in anderen Branchen gesucht. Sie fehlten jetzt.

Bescheiden sehe es auch beim Nachwuchs aus. Viele Betriebe hätten in der Corona-Zeit die Ausbildung eingestellt, da unklar gewesen sei, ob sie die Ausbildung des Nachwuchses überhaupt beenden könnten. Eine Berufsorientierung habe an Schulen gar nicht stattgefunden.

Mittlerweile setze Thüringen vermehrt auf die Ausbildung ausländischer Jugendlicher. Ellinger sagt, er sei dankbar, dass die Finanzierung für diese Jugendlichen durch den Freistaat gut funktioniert habe und relativ unbürokratisch über die Bühne gegangen sei. In Erfurt werde zurzeit Nachwuchs aus 18 Nationen für die Hotel- und Gaststättenbranche ausgebildet. Gerade habe ein neues Projekt mit indischen Bewerbern begonnen.

Dirk Ellinger 22 min
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MDR FERNSEHEN Sa 09.10.2021 06:40Uhr 22:06 min

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Weniger Bürokratie und mehr Flexibilität

Doch auf die Schnelle könnten die neuen Ausbildungskandidaten die Personallücke in Thüringen kaum schließen. Ellinger sagte, er wünsche sich sich mehr Flexibiliät beim Arbeitszeitgesetz. Es gebe durchaus Mitarbeiter, die längere Schichten arbeiten würden, die Unternehmer jedoch müssten sich an gesetzliche Regelungen halten. Beim anhaltenden Personalmangel seien sie dadurch oft gezwungen, ihre Öffnungszeiten zu reduzieren. Die Corona-Pandemie habe auch gezeigt, dass sich zwingende Fragen in der Wirtschaft auch "ganz leicht und ohne Bürokratie" lösen lassen, sagt der Dehoga-Chef. Das erhoffe er sich auch für die Zeit nach der Krise. Wir müssten in einigen Punkten einmal über uns nachdenken und manche Dinge, "die schon immer so waren", überdenken und über Bord werfen, so Ellinger.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. Oktober 2021 | 06:40 Uhr

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