Pandemie Corona-News vom 27. November: Weniger Impfstoff-Lieferungen als bestellt

+++ Inzidenz in Thüringen über 800 +++ Corona-Tests kaum lieferbar und teuer ++ Impfstoff wird ab Dezember knapp +++ Impfen ohne Termin +++ Anti-Corona-Demo in Rudolstadt +++ Tierpark in Gotha ohne G-Regeln +++ Ethiker plädiert für Impfpflicht mit harten Strafen +++ Die Corona-News für Thüringen im Überblick +++

So ging es weiter | Corona-News vom 28. November 2021

Thüringen | Die Corona Zahlen

Am Freitag sind in Thüringen 3.436 Corona-Neuinfektionen hinzugekommen. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner liegt bei 852,8. Nur Sachsen hat mit 1.201 eine höhere Inzidenz als Thüringen.

Sonders­hausen | Protest gegen Corona-Maßnahmen

Durch Sondershausen ist am Samstagnachmittag ein Protestzug gezogen. Laut der Landeseinsatzzentrale der Polizei haben rund 130 Menschen, zum Teil zusammen mit ihren Kindern, gegen Corona-Schutzvorgaben demonstriert. Die kommunale Versammlungsbehörde habe drei Ordnungswidrigkeiten wegen Missachtung von Abstandsgebot und Mund-Nasen-Schutzpflicht verhängt. Die Kommune habe den Protestzug nicht aufgelöst und keine weiteren Verstöße festgestellt.

Gera | Corona-Tests kaum lieferbar und teuer

Viele Thüringer Unternehmen haben Probleme, Corona-Schnelltests zu beschaffen. Das hat eine aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer Ostthüringen ergeben. 68 Prozent von etwa 200 befragten Unternehmen gab an, dass es bei Corona-Schnelltests Lieferschwierigkeiten gebe oder Tests nicht verfügbar seien. Außerdem seien die Preise für Tests wegen des Mangels deutlich in die Höhe geschnellt.

In einem Geschäft hängt ein Zettel mit der Aufschrift  >>Coronatest ausverkauft<<
In vielen Geschäften sind Coronatests ausverkauft. Der Grund: Seit Mittwoch gilt 3G am Arbeitsplatz. Bildrechte: MDR/Nicky Scholz

Thüringen | Weniger Impfstoff als bestellt

Ärzte und Impfstellen in Thüringen bekommen offenbar deutlich weniger Impfstoffe als sie bestellt haben. Vom Vakzin des Herstellers Biontech/Pfizer werde nur etwa ein Drittel geliefert, sagte der Leiter des Pandemiestabs der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, Jörg Mertz, der Thüringer Allgemeinen.

Infolgedessen würden vom 1. Dezember an alle Menschen, die 30 Jahre und älter sind, bei ihren Terminen mit dem Vakzin von Moderna geimpft. Die Stiko empfiehlt aber aufgrund der sehr seltenen und heilbaren Nebenwirkung einer Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung bei Moderna jungen Menschen den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Sie werden nun voraussichtlich Johnson & Johnson bekommen. Doch auch der ist knapp. Von den für nächste Woche bestellten rund 5.000 Dosen würden für ganz Thüringen nur 440 geliefert, sagte Mertz.

Deutsch-land | Überregionale Corona-News

Aktuell ist die Zahl der täglich neu gemeldeten Sars-Cov-2-Infektionen in den USA niedriger als in Deutschland. Hierzulande sind auch Sorgen wegen der neuen Virusvariante "Omicron" aufgekommen. Mehr nationale und internationale Nachrichten über Corona haben die Kollegen von MDR AKTUELL in ihrem Ticker:

Ilmenau | Studenten kritisieren reine Präsenzlehre

Die Juso-Hochschulgruppe Ilmenau fordert aufgrund der Corona-Infektionslage wieder Onlinelehre. Die Studenten kritisieren scharf den Präsidenten der TU-Ilmenau, Kai-Uwe Sattler, für das Festhalten an reiner Präsenzlehre. Zumindest Vorlesungen sollten durch Aufzeichnungen und Live-Streams ersetzt werden. Die aktuelle Präsenzlehre sei auch deshalb nicht zu akzeptieren, da die 3G-Regeln und die in kleinen Räumen geltende Maskenpflicht an der TU Ilmenau vielfach nicht überprüft und durchgesetzt würden, sagte Thomas Olbricht von der Juso-Hochschulgruppe.

Thüringen | Landesweites Impfen ohne Termin

Am Samstag konnten sich Thüringer an allen Impfstellen im Land ohne Termin eine Erst- oder Auffrischungsimpfung holen. Verimpft wurden die Vakzine von Moderna und Johnson & Johnson. Schon am frühen Morgen bildeten sich lange Schlangen.

Eine Übersicht über die offiziellen Impfstellen finden Sie hier, es können aber auch weitere Impfstellen tagesaktuell geöffnet sein.

Corona-Infektionen nehmen rasant zu

In Thüringen steigt die Corona-Inzidenz weiter ungebremst an. Die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche lag am Samstag nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei knapp 853. Am Vortag lag der Wert noch bei knapp 806.

Inzwischen weisen im Freistaat sechs Landkreise eine Inzidenz von über 1.000 aus. Mit 1.456 ist die Corona-Ansteckungsrate landesweit im Kreis Hildburghausen am höchsten.

Jena | Eislaufen statt Weihnachtsmarkt

Jena hatte seinen Weihnachtsmarkt wegen der Corona-Zahlen bereits vor Wochen abgesagt. Trotzdem müssen die Jenaer nicht ganz auf Glühwein und Bratwurst verzichten. Etwas abseits eröffnet die "Eiswelt" - die ist ein bisschen wie Weihnachtsmarkt.

Rudolstadt | Demonstration auf dem Marktplatz

Rund 200 Menschen hatten sich am Freitagabend unangemeldet auf dem Rudolstädter Marktplatz versammelt, um gegen die Corona-Auflagen zu demonstrieren. Die Polizei stellte mehrere Verstöße gegen die Auflagen fest und nahm drei Straftatbestände wegen Beleidigung und Widerstand auf.

Gotha | Tierpark ohne Zugangsbeschränkung

Der Besuch des Tierparkes Gotha ist ohne Kontrolle der G-Regeln möglich. Das teilte die KulturStadtGotha GmbH mit. Auf dem gesamten Gelände inklusive des Kassenbereichs gelte aber nach wie vor ein Mindestabstand von 1,50 Metern zu haushaltsfremden Personen. Im Kassenbereich, im Toilettenbereich sowie an Weg-Engstellen müssen Masken getragen werden. Der Innenbereich der Tierhäuser bleibt geschlossen. Im Gastronomiebereich gilt die 2 G-Regel.

Jena | Ethiker plädiert für Impfpflicht mit harten Strafen

Aus Sicht des Jenaer Ethikers Nikolaus Knoepffler müsste eine allgemeine Corona-Impfpflicht für Erwachsene auch mit harten Strafen einhergehen. "Wer sich nicht impfen lässt, sollte so bestraft werden, dass es finanziell wehtut", sagte der Inhaber des Lehrstuhls für angewandte Ethik an der Friedrich-Schiller-Universität.

Auch am Arbeitsplatz müsste aus seiner Sicht Arbeitgebern das Recht eingeräumt werden, Arbeitnehmern zu kündigen. Knoepffler hatte noch im Sommer für eine "moralische Impfpflicht" plädiert. Weil die Menschen sich nicht solidarisch gezeigt hätten, müsse nun der Druck erhöht werden.

Prof. Nikolaus Knoepffler
Nikolaus Knoepffler ist Dekan der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Bildrechte: dpa

Aus Sicht Knoepfflers gibt es aber auch Alternative. Etwa der Verzicht, sich auf der Intensivstation behandeln lassen zu wollen oder die Beteiligung an den Behandlungskosten. Beides sei aber wohl schwer durchsetzbar. Eine Spaltung der Gesellschaft sehe er durch eine allgemeine Impfpflicht nicht. "Eher im Gegenteil: Ich sehe die Empörung und Wut von denen, die alles getan haben, dass man die Pandemie in den Griff bekommt."

Was bisher geschah | Corona-News vom Freitag, 26. November 2021

Quelle: MDR(dvs),dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. November 2021 | 19:00 Uhr

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