Pandemie Corona-News vom 27. Januar: Strengste Hotspot-Regeln sollen erst ab Inzidenz von 2.000 greifen

+++ Proteste gegen Impfpflicht im Gesundheitsbereich +++ Offener Brief gegen unangemeldete Corona-Proteste +++ Entwurf für eine neue Corona-Verordnung +++ Landesregierung geht auf Impfskeptiker im Gesundheitswesen zu +++ Händler müssen laut Gericht 2G-Nachweise kontrollieren +++ Kritik nach Gespräch zwischen Geraer OB und Protestler +++ Debatte um Impfpflicht +++ Alle Corona-News für Thüringen im Überblick +++

Ein Mensch zieht eine Spritze auf.
Gesundheitsministerin Heike Werner sagte, Beschäftigte im Gesundheitswesen, die sich mit dem Novavax-Impfstoff impfen lassen wollen, müssten vor Abschluss der Impfserie nicht mit Sanktionen rechnen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Pixsell

Gera | Proteste gegen Impfpflicht im Gesundheitsbereich

In Gera haben am Donnerstagnachmittag rund 400 Menschen gegen eine Impfpflicht im Gesundheitsbereich demonstriert. Wie die Polizei mitteilte, war die Demonstration auf dem Marktplatz nicht angemeldet. Die Versammlungsteilnehmer hätten aber kooperiert und den Platz nicht verlassen. Unter den Demonstranten seien viele Mitarbeiter aus dem Pflege- und Gesundheitsbereich gewesen. Sie befürchten unter anderem Probleme in der Pflege, wenn ungeimpftes Personal nicht mehr arbeiten darf.

Eisenach | Offener Brief gegen unangemeldete Corona-Proteste

In Eisenach haben bisher mehr als 1.800 Menschen einen Offenen Brief gegen unangemeldete Corona-Proteste unterschrieben. Dazu hatte das Bündnis gegen Rechtsextremismus aufgerufen. In dem Schreiben heißt es, man beobachte die sogenannten "Corona-Spaziergänge" durch Eisenach mit Unverständnis, Sorge und immer größerer Empörung. Die Teilnehmer gingen gemeinsam mit Neonazis, Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern auf die Straße und verstießen gegen das geltende Versammlungsrecht. Eisenach solle eine offene und freie Stadt bleiben, so der Appell des Offenen Briefs.

Thüringen | Pläne: Strengste Hotspot-Regeln erst ab Inzidenz von 2.000

In Thüringen sollen die strengsten Corona-Hotspot-Regeln künftig erst bei einer stabilen Inzidenz von über 2.000 statt wie bisher schon ab 1.500 gelten. Das sieht ein Entwurf für eine neue Corona-Verordnung vor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der niedrigere Schwellenwert von 1.000 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche soll aber bleiben. Die Regeln sollen noch im Landtag besprochen werden und können sich noch ändern. Bisher sehen die Hotspot-Maßnahmen vor, dass zum Beispiel 2G+ in der Gastronomie eingeführt wird, wenn die Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen den Wert von 1.000 überschritten hat. Beim höchsten Schwellenwert von derzeit 1.500 müssen Gaststätten ganz schließen. Künftig soll dieser letzte Schritt dann erst ab dem Wert 2.000 kommen. Die geplante Verordnung sieht noch eine weitere Neuerung vor: Unterhalb der Hotspot-Werte soll die Sperrstunde in der Gastronomie wieder abgeschafft werden.

Omikron dominiert bei Neuinfektionen

In Thüringen wird mittlerweile der überwiegende Großteil der sequenzierten Corona-Neuinfektionen der Omikron-Variante zugeschrieben. Der Anteil an Omikron betrug in der dritten Januarwoche 85 Prozent, wie aus dem Wochenbericht des Gesundheitsministeriums vom Donnerstag hervorgeht. Die bis vor Kurzem vorherrschende Delta-Variante machte demnach nur noch sieben Prozent der Infektionen aus. Vergangene Woche hatte der Omikron-Anteil noch bei 77 Prozent gelegen, in der Woche zuvor bei 41 Prozent.

Verwendung des "Judensterns" auf Corona-Demos verurteilt

In Thüringen haben Vertreter des Parlaments, der Regierung sowie von Vereinen und der Kirchen der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. In einer Gedenkstunde anlässlich des Jahrestages der Befreiung der überlebenden Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz im Thüringer Parlament warnte Landtagspräsidentin Birgit Keller am Donnerstag vor Geschichtsvergessenheit und verurteilte die Verwendung des nationalsozialistischen Zeichens des "Judensterns" bei Corona-Demonstrationen. "Es ist nichts anderes als die Verhöhnung der Opfer, die in ihrer Dreistigkeit erschüttert und schier fassungslos macht", sagte Keller. Wer den gesellschaftlichen Status der Ungeimpften mit dem Schicksal der millionenfach ermordeten Juden in Beziehung setze, bewege sich Lichtjahre außerhalb jeglicher Diskussionskultur. Ein "Judenstern" ist eine den Juden von den Nationalsozialisten aufgezwungene Kennzeichnung, die sie stigmatisierte.

Unterschiede bei Corona-Fallzahlen in Kliniken

In Nordthüringen liegen derzeit im Landesvergleich besonders viele Corona-Patienten in den Krankenhäusern. Laut Gesundheitsministerium ist die Hospitalisierungsrate mit 10,9 derzeit im Kyffhäuserkreis am höchsten. Es folgt das Eichsfeld mit 10,1. Relativ hoch ist der Wert auch im Kreis Nordhausen mit 9,7. Landesweit wurden binnen sieben Tagen statistisch 5,7 Corona-Klinikneuaufnahmen je 100.000 Einwohner erfasst. Im November und Dezember war der Wert teils mehr als dreimal so hoch.

Als einziger Kreis in Thüringen weist Greiz derzeit eine Corona-Hospitalisierungsrate von null auf. Nach Daten des Gesundheitsministeriums vom Donnerstag wurden in den zurückliegenden sieben Tage keine Klinikaufnahmen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion verzeichnet. Auch Jena sowie die Kreise Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Holzland haben niedrige Inzidenzen bei Corona-Klinikfällen. Dort kamen binnen einer Woche im Schnitt zwei Menschen je 100.000 Einwohner ins Krankenhaus.

Werner geht auf Impfskeptiker im Gesundheitsbereich zu

Die Landesregierung geht beim Thema Impfpflicht einen Schritt auf Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich zu. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) sagte, Mitarbeiter, die glaubhaft versicherten, sich etwa mit dem Novavax-Impfstoff vollständig impfen zu lassen, müssten vor Abschluss der Impfserie nicht mit Sanktionen rechnen.

Für einen vollständigen Impfschutz mit dem Totimpfstoff Novavax sind zwei Impfungen im Abstand von mindestens drei Wochen nötig. Der Impfstoff soll voraussichtlich Ende Februar zur Verfügung stehen, in erster Linie für bisher nicht Geimpfte im Gesundheits- und Pflegebereich.

Kommt die Impfpflicht für diese Branche wie angekündigt Mitte März, gelten ab dann die strengen Zugangsregeln für Mitarbeiter. Die Ministerin reagierte mit der Ankündigung auf Vorbehalte gegenüber mRNA- oder Vektorimpfstoffen, wie sie bisher verwendet werden. Derzeit sind in den betroffenen Einrichtungen und Unternehmen laut Ministerium zwischen zehn und 25 Prozent der Beschäftigten ungeimpft. Die Impfquote liegt damit über dem Landesdurchschnitt.

Deutschland | Impfpflicht - Pro und Contra

Was spricht aus Sicht von Forscherinnen und Forschern für die Einführung einer Corona-Impfpflicht in Deutschland und wo gibt es Vorbehalte? Ein kompakter Überblick.

Thüringen | Gericht: Händler müssen Impfnachweise kontrollieren

Einzelhändler in Thüringen sind weiter verpflichtet, den Impf- oder Genesenen- sowie einen Identitätsnachweis ihrer Kunden zu prüfen. Das entschied das Oberverwaltungsgericht in Weimar, wie eine Sprecherin mitteilte. Die Klage eines bundesweit agierenden Textileinzelhandelsunternehmens gegen diese Regel in der Thüringer Corona-Verordnung von Januar habe keinen Erfolg gehabt. Danach gilt im Einzelhandel mit Ausnahme von Lebensmittelgeschäften und Drogerien die 2G-Regel - Zutritt nur für Menschen, die gegen Corona geimpft oder davon genesen sind.

Ein Mitarbeiter eines Kaufhauses kontrolliert am Eingang mit einem Smartphone die Einhaltung der 2G-Regel und den Impfnachweis einer Kundin.
Um in ein Geschäft zu kommen, müssen Kunden aktuell ihren 2G-Nachweis vorzeigen. Bildrechte: dpa

Die Kontrollverpflichtung der Einzelhändler diene in zulässiger Weise der verordneten Zugangsbeschränkung, begründeten die Richter das Urteil. Sie leiste einen Beitrag zur Kontaktbeschränkung ungeimpfter Menschen und damit zur Eindämmung des Infektionsgeschehens. Die damit verbundenen Grundrechtseinschränkungen seien im Verhältnis zum Rechtsgut des Schutzes der Gesundheit der Bevölkerung und der Aufrechterhaltung eines funktionsfähigen Gesundheitssystems gerechtfertigt.

Um das Einkaufen in der Stadt zu erleichtern, testet neben Eisenach auch Erfurt derzeit das sogenannte "2G-Bändchen". Damit müssen Kundinnen und Kunden nicht in jeden Laden ihre Geimpft- oder Genesenenzertifikate vorzeigen.

Gera | Kritik nach Gespräch zwischen OB und Protestierendem

Die Szene sorgte vergangene Woche für bundesweites Aufsehen: Hunderte Gegner der Corona-Politik protestierten vor dem Wohnhaus des Geraer Oberbürgermeisters Julian Vonarb und seiner Familie. Für viele war das ein weiterer Fall von Bedrohung und Einschüchterung von Politikern durch Gegner von Corona-Maßnahmen. Im Dezember hatte bereits der Fackelaufzug vor dem Haus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) für Schlagzeilen gesorgt. Ein weiterer Protest wurde dort am Mittwoch unterbunden.

Vonarb suchte daraufhin den Dialog mit einem der Demonstranten. Bei dem Gespräch am Mittwoch mit einem Organisator von Corona-Demos habe er aber keine inhaltliche Annäherung gesehen, so Vonarb. Für seinen Umgang mit den Demonstranten gibt es jedoch Kritik. Der Sprecher der Mobilen Beratung in Thüringen (Mobit), Christoph Lammert, etwa hält das für "ein fatales Signal an andere Menschen, die bedroht werden".

Das Signal ist jetzt: Es gibt eine Demonstration vor dem Haus, die man als Bedrohung verstehen kann. Und die Reaktion ist: Man holt sich die Leute auf die Bühne.

Christoph Lammert, Sprecher der Mobilen Beratung in Thüringen (Mobit)

Im Gespräch mit dem Geraer Oberbürgermeister entschuldigte sich der Demonstrant, Unternehmer Peter Schmidt, für seine Teilnahme an dem Aufzug vor Vonarbs Haus. Er wolle keine weiteren Kundgebungen anmelden. Bei der im Internet übertragene Gesprächsrunde will Vonarb nun auch mit Polizisten, Medizinern und Gastronomen sprechen.

Thüringen | Impfprämie statt Impfpflicht?

In der Politik gilt die Impfpflicht als Schlüssel zum Ausstieg aus der Pandemie. Viele Unternehmen haben zwischenzeitlich aber einen anderen Weg eingeschlagen: Sie locken ihre Mitarbeitenden mit Impfprämien. 5.000 Euro Prämie zahlt der Thüringer Büro-Versandhändler Böttcher AG Beschäftigten, die sich gegen Covid-19 impfen lassen.

Debatte zur Impfpflicht

Deutschland diskutiert über eine Corona-Impfpflicht. Doch wie sinnvoll ist sie - und für wen? Und was sollte alles abgewogen werden? Redakteur Thomas Becker hat Experten zum Interview gebeten.

Jena | Impfzentrum schränkt Öffnungszeiten ein

Das kommunale Jenaer Impfzentrum am Abbe-Campus schränkt ab sofort seine Öffnungszeiten ein. Grund ist laut Stadt die geringere Nachfrage. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, ist es am Donnerstag und Freitag jeweils von 15 Uhr bis 18 Uhr geöffnet sowie am Samstag von 10 bis 13 Uhr. Ab kommender Woche wird dort nur noch montags und freitags am Nachmittag geimpft.

Den Angaben nach sind im ersten kommunalen Impfzentrum in Thüringen seit Start am 1.Dezember rund 13.500 Dosen verimpft worden. Am Mittwoch hatte bereits das Kinderimpfzentrum im Volkshaus Jena seinen Betrieb eingestellt. Künftig werden Kinder im Volksbad oder im Impfzentrum Ziegesarstraße geimpft.

Saale-Holzland-Kreis | Mobile Impfaktionen

Der Saale-Holzland-Kreis startet zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen eine weitere mobile Impfaktion. Laut Landratsamt wird am Donnerstag von 12 bis 17 Uhr an der Gemeinschaftsschule in Bürgel geimpft. Der Termin ist offen für alle, ohne vorherige Anmeldung. Verimpft wird das Vakzin von Biontech. Am kommenden Mittwoch ist das mobile Impfteam von 13 bis 17 Uhr im Jobcenter in Eisenberg, in der Fabrikstraße 32.

Jena | Einzelproben für Chor-Sänger

Chöre und Gesangsgruppen dürfen in Thüringen inzwischen wieder regelmäßig proben, Voraussetzung ist 2G+. In Jena sind die Vorschriften allerdings noch schärfer. Beim philharmonischen Chor der Stadt proben die Sängerinnen und Sänger nun statt im Chor zu viert - für maximal 40 Minuten. Einige sind skeptisch, ob unter diesen Bedingungen ein Stück einstudiert werden kann.

Thüringen | Die Corona-News vom 26. Januar 2022

Quelle: MDR (fno)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. Januar 2022 | 19:00 Uhr

Mehr aus Thüringen