Der Redakteur | 08.11.2021 Schließung der Corona-Impfzentren: Wohin im Winter zum Impfen?

Wir sind nicht gerade Impfweltmeister in Thüringen, hätten es aber werden können. Lässt sich der Rückstand mit geschlossenen Impfzentren im Winter noch aufholen? Und wohin können sich Impfwillige wenden? Der Redakteur hat nachgefragt.

Wir hatten vielfältige Möglichkeiten, uns impfen zu lassen. Mehr als die meisten anderen auf der Welt. Bis zum Jahresende haben auch unsere Impfstellen noch geöffnet, Termine sind für alle Impfwilligen relativ kurzfristig zu bekommen, es gibt Impftage ohne Termin, außerdem fahren weiterhin Impfbusse durchs Land. Diese Aktion läuft unter dem Motto "Endspurt" und Stationen sind hier einsehbar.

Wettlauf mit dem Corona-Virus

Dass es sich um einen Endspurt handelt, da sind sich die Fachleute ohnehin einig. Allerdings laufen wir weiter mit dem Virus um die Wette. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), sagte am 8. November der Bild-Zeitung, dass sich in den nächsten Monaten aller Voraussicht nach jeder, der nicht geimpft sei, infizieren werde. Mit der Einschätzung steht er nicht alleine da.

Dass das jetzt so schnell gehen könnte, liegt übrigens auch daran, dass wir eine deutlich veränderte Situation haben - verglichen mit November 2020. Wir haben die ansteckendere Delta-Variante, nur noch wenige Einschränkungen beispielsweise was Treffen betrifft, Großveranstaltungen finden statt, Bars und Clubs haben geöffnet. Delta springt fröhlich von einer Person zur anderen, die Geimpften eingeschlossen, auch wenn sie es in den seltensten Fällen bemerken. Wer nun glaubt, mit dem Delta-Virus als Erstkontakt die bessere Wahl getroffen zu haben, verglichen mit einem Erstkontakt durch einen Impfstoff, der könnte einem schweren Irrtum unterliegen. Deshalb der dringende Appell der Fachleute, die Impfangebote auch gerade jetzt noch zu nutzen, um Weihnachten sicher zu sein.

Wer sich bis 18. November impfen lässt, der ist bis Weihachten sicher, weil er nach drei Wochen die Folgeimpfung bekommt.

Jörg Mertz. Leiter Pandemiestab Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT)

Termine gibt es in den Thüringer Impfstellen kurzfristig, in der Regel wird BionTech verimpft, auch für die Drittimpfung, unabhängig von der Art der Erstimpfung.

Jörg Mertz, Impfkoordinator der Kassenärztliche Vereinigung, steht im Impfzentrum Mittelthüringen auf der Erfurter Messe. 7 min
Bildrechte: dpa
7 min

Jörg Mertz leitet den Pandemiestab der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen. Wer sich bis Mitte November impfen lässt, hat Weihnachten "Ruhe".

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 08.11.2021 15:10Uhr 07:15 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-kv-thueringe-joer-mertz-pandemiestab-experteninterview-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Impfzentren schließen zum Jahresende

Dass die KVT ihre Impfstellen zum Jahresende schließen will, das ist nachvollziehbar. Sie waren für viel mehr Menschen gedacht, als am Ende tatsächlich gekommen sind. Die Mietverträge mit den Einrichtungen laufen zum 31.12.2021 aus und auch die Beschäftigungsverträge mit den Mitarbeitern. Trotzdem wird es auch ab Januar 2022 weiterhin niederschwellige Angebote geben, aber immer unter der Prämisse, dass sich der Aufwand lohnt.

Mobile Impfteams bleiben

Das kann in Einkaufszentren sein oder an anderen zentralen Orten. Ob die Impfbusse noch touren, ist noch nicht entschieden, sicher ist, dass es weiterhin mobile Impfteams geben wird, die zum Beispiel Einrichtungen wie Pflegeheime aufsuchen. Der erste Ansprechpartner in Sachen Impfung wird also ab Januar der Hausarzt sein und die Hausärzte sind auch darauf vorbereitet. Bereits jetzt steigt die Zahl der Impfungen in den Praxen, meistens sind es Drittimpfungen und es impfen auch immer mehr Hausärzte, die Bestellung der Impfstoffe ist für sie kurzfristig möglich.

Hausärzte übernehmen

Und wer sich beim Hausarzt impfen lässt, bekommt dort auch sein Zertifikat, das ist viel bequemer als zu Beginn der Impfaktion. Einfach einscannen und in der Corona-Warn-App oder der CovPass-App abspeichern. Auch deshalb spricht ab Januar 2022 nichts gegen die niedergelassenen Ärzte und Hausärzte als alleinige Ansprechpartner für die meisten Impfwilligen.

Wenn es relativ geordnet abgeht, dann ist das schon zu schaffen ab Januar. Da habe ich keine Sorge. Und wir wissen auch aus den Zeiten von Anfang des Jahres, dass Fachärzte und Krankenhäuser mit geimpft haben. Ich gehe davon aus, dass wir es auch ohne zusätzliche Impfstellen schaffen.

Dr. Ulf Zitterbart, Vorsitzender Thüringer Hausärzteverband
Logo MDR 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
7 min

Ulf Zitterbart ist Vorsitzender des Thüringer Hausärzteverbandes. Im Interview erklärt er, wie die Hausärzte das Impfen gegen Corona nun ohne die Impfzentren schaffen werden.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 08.11.2021 15:10Uhr 06:34 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-hausarzt-verband-ulf-zitterbart-impfung-corona-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Auf größeres Interesse eingestellt

Dieser Meinung ist auch die Kassenärztliche Vereinigung in Thüringen, deren Impfstellen, als der Impfstoff noch knapp war, förmlich überrannt wurden. Ein bisschen Ernüchterung gibt es deshalb bilanzierend schon, denn man hatte die Kapazität für deutlich mehr Impfungen vorgehalten. Für einen Schutz, dem sich ein Drittel der Thüringer nach wie vor verweigert. 

Zum Durchklicken: Das Corona-Virus in Thüringen in Grafiken

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 08. November 2021 | 15:10 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/e8b1a887-1b0c-43a0-8669-c942f8ce5fce was not found on this server.