Der Redakteur | 17.01.2022 Warum sind in Thüringen die Saunen geschlossen, in anderen Ländern aber nicht?

Gudrun Danz aus Bad Köstritz möchte wissen, warum in Thüringen die Saunen geschlossen sind, in anderen Ländern nicht. Holger Wermann aus Weimar interessiert, warum die Schwimmhallen in Thüringen derzeit wegen der Corona-Pandemie geschlossen haben. Gerade für Menschen mit Rückenproblemen sei die Bewegung im Wasser sehr wichtig! Unser Redakteur für Hörerfragen, Thomas Becker, hat nachgehakt.

Ein Holzeimer in einer Sauna, daneben ein Bündel Birkenzweige
Bei bundesweit niedrigster Inzidenz sind Saunen und Schwimmhallen in Thüringen noch geschlossen. Bildrechte: Colourbox.de

Unsere Corona-Verordnungen gehen mitunter sehr ins Detail, es bleibt mitunter unverständlich, warum einige Einrichtungen geschlossen bleiben müssen, andere nicht und regionale Unterschiede gibt es auch noch. So kommt es, dass in Thüringen öffentliche Schwimmbäder und Saunen für den Publikumsverkehr schließen mussten, während in anderen Bundesländern, die mittlerweile zum Teil eine höhere Inzidenz haben, das Schwimmen und Schwitzen erlaubt ist.

Deshalb sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass stets eine Gesamtbetrachtung vorgenommen wird, also Umfeld und Anreise, wie bei Fußballspielen, und nicht nur das Ereignis selbst. In der Sauna und im Schwimmbad wären es zum Beispiel die Umkleideräume, die kritisch gesehen werden, wenn auch offenbar nicht in allen Bundesländern gleichermaßen.

Wo ist das Problem in der Sauna?

In der Sauna herrschen bekanntlich etwas erhöhte Temperaturen, die zumindest den vor Corona bekannten Verwandten des Virus den Garaus machen. Eine Forschungsgruppe der Technischen Hochschule Ulm hat sich bei ihrer Analyse von thermischen Einflüssen Coronavirus-Inaktivierungsexperimente gestützt, die in der Vergangenheit durchgeführt wurden.

Zwei Personen sitzen in einer Sauna.
Bei 80 Grad Lufttemperatur überlebt ein Corona-Virus nicht einmal vier Minuten. Bildrechte: PantherMedia / nd3000

Diese Resultate wurden mit Hilfe von Modellen auf Sars-Cov-2-Viren angewandt, weil sich Corona-Viren in ihrer Struktur nicht stark unterscheiden. Das Ergebnis lautete: dass sich Corona-Viren bereits durch relativ niedrige Temperaturen inaktivieren lassen. Für Standardproben ist zum Beispiel bei 60°C eine Anwendungsdauer von 32,5 Minuten notwendig, bei 80°C nur noch 3,7 Minuten und bei 100°C sind nach einer halben Minute nur noch ein Virus von 100.000 übrig, was einer Reduktion von 99,999 Prozent entspricht.

Trotzdem könnte es sein, dass die Saunen von möglichen Lockerungen in der neuen - ab 25. Januar 2022 gültigen - Verordnung ausgeschlossen bleiben, mit Verweis auf die Enge und den geringen Luftaustausch. Und letztlich bleibt auch die Frage, ob die Zahlen 1:1 auf das "neue" Corona-Virus übertragbar sind.

Was ist bei Schwimmbädern möglich?

Freizeit- und Erlebnisbäder sind aktuell geschlossen, die Ausnahmen sind so definiert: Medizinisch notwendige Angebote der Rehabilitation, Sport- und Schwimmunterricht und der Trainings- und Wettkampfbetrieb von Berufssportlern und von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre.

Hier könnte sich in der neuen Verordnung etwas bewegen, dass also Schwimmlernkurse für Kinder ermöglicht werden, Rettungsschwimmer üben dürfen und auch der Erwachsenenvereinssport wieder anfangen kann. Das ist in der Diskussion in den Gremien in den zuständigen Ministerien für Gesundheit und Sport und auch im Ausschuss des Landtages und später im Kabinett. Beschlossen ist aber noch nichts.

Junge mit Taucherbrille und Schnorchel taucht in Schwimmbecken
Zumindest Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene könnten demnächst wieder starten. Bildrechte: imago/Westend61

Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen würde gern sogar noch mehr ermöglicht sehen. Die über 1.000 zum großen Teil kommunalen Betreiber von Schwimmbädern werden von diesem Verband vertreten und es ist nicht so, dass man nur Abstandszettelchen und Schwimmerzähler vorbereitet hätte.

Man verweist auf Berechnungen des Hermann-Rietschel-Instituts (HRI) der TU Berlin. Das ist das weltweit älteste universitäre Forschungsinstitut auf dem Gebiet der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik und die Experten haben errechnet, wie sich das Virus  ausbreitet, wenn da einige Infizierte mitplanschen und das für unterschiedliche Belegungen.

Ansteckungsgefahr geringer als im Restaurant oder Bus

Für Schwimmbecken-Hallen mit einem 25-Meter-Becken wurde zum Beispiel am Ende bei einer 75-prozentigen Auslastung ein Volumenstrom von 182 Quadratmetern pro Stunde und Person angesetzt und letztlich kamen die Wissenschaftler auf einen R-Wert von 0,5 in der Schwimmhalle. Zum Vergleich: Im ÖPNV mit Maske waren es 0,8 und im Restaurant mit einer 25-prozentigen Belegung 1,1.

Das Gothaer Stadtbad erstrahlt in neuem Glanz 8 min
Bildrechte: MDR/Hendrik Sachs
8 min

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 17.01.2022 15:20Uhr 08:13 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-redakteur-badewesen-interview-komplett100.html

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Die verschiedenen Schulvarianten schlossen bei dieser Betrachtung am schlechtesten ab. So lag der R-Wert der Oberschule mit Maske und einer Belegung von 50 Prozent bei 2,8, während die voll belegte Schwimmhalle nur auf 2,3 kam.

Was ist der R-Wert? Der R-Wert, auch Reproduktionswert, gibt an, wieviele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt mit dem Coronavirus ansteckt. Liegt er bei 1, so steckt ein Mensch einen anderen an.

Auch bei der Auswertung von 250 Millionen Check-in-Daten der Luca-App kamen die Schwimmbäder sehr gut weg, weil eben die Lüftungsanlagen für einen permanenten Luftstrom sorgen und somit das Restrisiko, dass sich trotz 2G ein Infizierter mit Superspreader-Qualitäten im Bad befindet, sehr gering ist.

Wir haben viele Kubikmeter Luft und wir haben unglaublich leistungsfähige Lüftungsanlagen.

Michael Weiland Deutsche Gesellschaft für das Badewesen e.V.

Schwimmbäder haben Pandemieplan

Deswegen wünschen die Betreiber der Schwimmbäder, dass gemäß ihres aufgestellten Pandemieplanes, den es übrigens schon vor Corona gab und der nun angepasst wurde, ein halbwegs normaler Betrieb möglich gemacht wird, auch in Thüringen.

Schließlich sind Einlasskontrollen in Schwimmbädern kein Problem, auch die Anzahl der Leute ist einfacher zu begrenzen als anderswo, der Schwimmmeister ist mit einer gut funktionierenden Pfeife ausgestattet, wenn es wirklich eng werden sollte auf Bahn drei.

Und dass sich die Schwimmbäder - in Thüringen ist es Verordnungsparagraf 30 - in einem Atemzug mit Prostitutionsstätten und Swingerklubs genannt werden, das sieht die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen auch kritisch. Und zwar bezogen auf die soziale Wertigkeit der Schwimmbäder. 

Quelle: MDR (nis)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 17. Januar 2022 | 15:00 Uhr

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