Der Redakteur | 16.11.2021 Fehlende Corona-Tests an Schulen in Thüringen: Wo klemmt es?

Die Covid-19-Infektionen an Thüringer Schulen steigen rasant an, aber an vielen Einrichtungen fehlt es an Schnelltests, um alle Schüler und Schülerinnen kontinuierlich zu testen. Woran liegt's?

Thüringen steckt ein wenig in der Klemme. Wir waren zunächst nicht die ersten, die auf die Idee gekommen sind, an den Schulen flächendeckend zu testen. Im August noch gab es Streit darüber, wie sinnvoll die Tests sind.

Politikwechsel in Bezug auf Tests an den Schulen

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) wollte keine flächendeckenden Tests an Schulen und orientierte sich damals an den aktuellen Empfehlungen des wissenschaftlichen Beirats der Landesregierung, der anlasslose Testungen an Schulen nicht mehr empfahl. Das ist inmitten der vierten Welle aber Geschichte und laut Bildungsministerium auch nicht der Grund dafür, dass wir keine ausreichende Reserve haben und quasi von der Hand in den Mund leben.

Vielmehr lag es an unserer etwas komplexen Regierungssituation einschließlich fehlender Mehrheiten im Landtag, dass wir immer nur Aufträge bis zu einer Größenordnung von vier Millionen Euro auslösen konnten.

Jetzt hat der Haushaltsausschuss am Freitag endlich 20 Millionen Euro freigegeben für Schultestungen und wir haben am Freitag die erste und heute die zweite Teilbestellung ausgelöst. Das heißt, wir hoffen, dass ab der zweiten Dezemberwoche sehr große Mengen in Thüringen ankommen.

Felix Knothe, Sprecher Thüringer Bildungsministerium
Felix Knothe 11 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
11 min

Felix Knothe, Sprecher des Thüringer Bildungsministeriums äußert sich zu den Gründen für die mangelnde Versorgung mit Covid-19-Schnelltests an Thüringer Schulen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 16.11.2021 16:00Uhr 11:02 min

https://www.mdr.de/mdr-thueringen/audio-felix-knothe-lieferengpass-schnelltests-corona-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Engpass Zoll

Obwohl Deutschland und der Rest der Welt derzeit massenhaft bestellen, sind die Lieferzeiten vergleichsweise kurz. Die Thüringer Bestellung in China vom 22. Oktober liegt seit 5. November in Frankfurt beim Zoll, der im Moment auch nicht hinterherkommt. Also für diese Lieferung ist das der Flaschenhals.

Möglicherweise sind das sogar Lagerbestände, die hier angekommen sind, denn die Hersteller haben durchaus mit etwas Vorlauf angefangen zu produzieren. Das hat ja auch immer etwas Glückspielcharakter, die relativ kurzfristigen Entscheidungen der Politik - Test ja oder nein, kostenlos für alle oder nicht - haben natürlich Auswirkungen auf Lieferfristen und auch auf die Preise. Immer muss die Industrie sofort reagieren und gegebenenfalls die Produktion hochfahren.

Kritik an kurzfristigen politischen Entscheidungen

Der Verband der Diagnostica-Industrie hat deshalb auch Kritik an den nicht immer verlässlichen politischen Rahmenbedingungen durchklingen lassen und darauf verwiesen, dass wir bei den meisten Bestellungen eben auch immer die Strecke Asien(China)-Frankfurt mit einplanen müssen.

"Es gibt einige Hersteller unter unseren mehr als 100 Mitgliedsunternehmen, die auch Produktionsstandorte in Deutschland haben. Aber diese reichen nicht aus, um die Nachfrage nach flächendeckenden Tests zu bedienen. Die Kapazitäten der Hersteller sind weltweit verteilt, große Kapazitäten gibt es vor allem in Asien", heißt es vom Verband der Diagnostica-Industrie.

Thüringen hat speziellen Lolli-Test bestellt

Hinzu kommt, dass nicht jeder Test für jede Anwendung geeignet ist. Thüringen hat sich für einen Test entscheiden, der gleich mehrere Vorteile hat. Dieser sogenannte Lolli-Test muss im Gegensatz zu anderen nicht zwingend in den Mund genommen werden, etwas Spucke reicht. Damit will man Personen mit Verletzungen im Mundraum, Allergien oder Vorbehalten entgegenkommen.

Die Kinder müssen auch nicht mit irgendwelchen chemischen Flüssigkeiten hantieren und dieser Komfort hat seinen Preis. Der Test ist fast doppelt so teuer im Vergleich zu anderen Lolli-Tests; und man kann und will auch nicht so einfach auf ein anderes Produkt umschwenken und ist auf die Kapazitäten dieses einen Herstellers angewiesen. 4,74 Euro kostet jeder einzelne Test das Land Thüringen.

Als einstufiger Test kombiniert der Lolli-Test die Probenentnahme aus dem Speichel und die Ergebnisauswertung in einem einzigen Schritt. Das Abziehen der Schutzkappe gleicht dem Öffnen und Schließen eines Stifts und ist somit auch für jüngere Schülerinnen und Schüler einfach zu handhaben.

Felix Knothe, Sprecher Thüringer Bildungsministerium

Tests an Schulen als Monitoring

Wichtig ist auch der Hinweis, dass es sich bei dem Testsystem an den Schulen nicht um einen Test als "Eintrittskarte" handelt, so wie es zum Beispiel in Pflegeheimen der Fall ist. Die Tests sind vielmehr als Monitoring gedacht, so der Ministeriumssprecher. Verbunden damit ist auch eine durch die Schule auszustellende Bescheinigung unter anderem für den Sport. Diese ist zwar daran gebunden, dass der Schüler an dem zweimaligen Testen pro Woche teilnimmt, nicht aber an einen konkreten Tag.

Es ist also nicht zulässig, einem Kind, das am Donnerstag getestet wurde, am Montag die Teilnahme am Training zu verweigern, weil der letzte Test mehr als zwei Tage zurückliegt. Es geht hier um einen Überblick und das Minimieren von Risiken, nicht um deren Ausschluss, das können die Tests ohnehin nicht leisten.

Es gibt an allen Schulen ein Formular, dieser Testzettel, den die Kinder dann mit sich führen können. Die Schulen sind verpflichtet, die Bescheinigungen auszustellen und die Familien haben einen Anspruch darauf.

Felix Knothe, Sprecher Thüringer Bildungsministerium

Schwierige Verteillogistik der Tests

Übrigens: Wenn die bestellte große Menge an Tests dann endlich in Thüringen eingetroffen ist, dann ist es Aufgabe des Roten Kreuzes, diese an die Schulen zu verteilen. Dafür müssen die Logistiker natürlich wissen, wie groß jeweils der Bedarf ist. Denn unter anderem wegen der steigenden Impfquote oder des Wechselunterrichts in den Berufsschulen ist das Ministerium darauf angewiesen, die Verbrauchszahlen gemeldet zu bekommen. Das soll einmal pro Woche geschehen.

Das hat anfangs nicht so gut geklappt, so Felix Knothe, zuletzt aber war der Rücklauf aus den Schulen mit 97 Prozent sehr gut. Und wenn dann auch noch jemand die Pforte öffnet, wenn der Lieferwagen vorfährt, ist auch der letzte Schritt getan. Denn es kam zuletzt immer mal wieder vor, dass die Fahrer einen zweiten Zustellversuch unternehmen mussten, was die Logistik letztlich auf den letzten Metern auch wieder etwas durcheinander bringt.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 16. November 2021 | 16:00 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/0c29608a-3c37-43eb-8919-011fc928c328 was not found on this server.