Corona Aufholprogramm für Schüler in Thüringen startet schleppend

Zwei Milliarden Euro. So viel Geld hat der Bund im Juni vergangenen Jahres den Ländern zugesagt, damit ihre Schüler den durch Corona versäumten Lernstoff nachholen können. Vor allem in den Schulen, aber auch durch externe Nachhilfe sollen damit zusätzliche Lernangebote geschaffen werden. Ab März soll es richtig losgehen. Doch es verspricht ein schleppender Start zu werden.

Eine Schülerin macht am Schultisch ihre Schulaufgaben, während eine junge Frau die Arbeit korrigiert.
Mit zwei Milliarden fördert der Bund ein Aufholprogramm für Schulkinder. Bildrechte: Colourbox.de

Erster Schultag nach den Winterferien. Eine etwas unangenehme Überraschung wartet auf die Thüringer Schüler ab zwölf Jahren. Der euphemistisch Lolli-Test genannte Corona-Test zum Lutschen ist Geschichte. Ab jetzt müssen sich die älteren Kinder ein Stäbchen in die Nase stecken.

Was die Schüler aber deutlich weniger spüren dürften: Das millionenschwere Aufholprogramm des Bundes soll nun endlich richtig in den Thüringer Schulen ankommen. Sie können nun Extrakurse planen, um coronabedingte Lernrückstände aufzuholen. Aber auch die vielen Einschränkungen, die bei den Schülern zu sozialen und emotionalen Defiziten geführt haben, sollen bearbeitet werden.

Aufholprogramm soll ab März durchstarten

Am 2. Juni 2021 vereinbarten die Bundesministerien für Bildung und Forschung sowie Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit den Ländern das "Aktionsprogramm Aufholen nach Corona für Kinder Jugendliche". Zwei Milliarden Euro stellt der Bund dafür zur Verfügung. Obwohl es seinerzeit noch nicht "nach Corona" war, legte Thüringen richtigerweise bereits in den Sommerferien mit eher sozial ausgerichteten Angeboten los. Kognitive, das heißt, den bislang versäumten Schulstoff betreffende Kurse gab es jedoch noch nicht. Jetzt, am Beginn des zweiten Schulhalbjahres, will das Bildungsministerium mit dem Aufholprogramm, das hier einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag umfasst, richtig durchstarten.

Schild Thüringer Bildungsministerium
Für Thüringer Schulen steht eine zweistellige Millionensumme bereit. Bildrechte: MDR

Externe Kompetenzen an Schulen bringen

Nachgefragt in der Freien Ganztagsschule Milda: Hier kommt die Intention des Programms grundsätzlich gut an. "Das Programm finde ich insofern sinnvoll, als dass man externe Kompetenzen an die Schulen bringt. Die Eltern müssen die Kinder nicht nochmal nach halb vier irgendwohin fahren, zu einer Förderung oder zu einem Nachholprogramm", stellt Schulleiter Carsten Krüger fest.

Unterstützung von außen beim Nachholen des entgangenen Unterrichtsstoffs brauche man hier aber nicht. Das hätten die Lehrer in der jüngsten Zeit gemeinsam mit den Schülern gut aufgearbeitet. Geplant seien aber schulische Angebote, die sich mit der emotionalen Verfassung der Schüler beschäftigen werden.

Koordination über Internetplattform des Landes

Die externe Unterstützung für die Schulen will das Land über eine eigene Internetplattform koordinieren. Schulen können dort ihren Bedarf melden - Bildungsträger, Vereine oder Schülerhilfen im Gegenzug ihre Angebote. Vorrangiges Ziel des Aufholprogramms ist es, die Veranstaltungen im täglichen Schulbetrieb mitlaufen zu lassen.

Als Schulleiter Krüger aber die landeseigene Plattform unter die Lupe nahm, fand er noch kein einziges Angebot. Denn erst im März soll es richtig losgehen. Schwer vorstellbar, dass sich die Plattform schnell füllen wird. Darüber hinaus müssten die Schulen dann im laufenden Betrieb ihren Lehrplan um die externen Formate ergänzen.

Bildschirm mit Internetseite
Auf dieser Internetsete will das Land Schulen und externe Anbieter zusammenbringen. Bildrechte: MDR

Prüfungsverfahren für externe Anbieter

Das Bildungsministerium habe die Möglichkeiten an externe Anbieter bereits kommuniziert, zum Beispiel über Dachverbände, erklärt Sprecher Felix Knothe. Alles sei im Zeitplan, schließlich mussten die Schulen im ersten Halbjahr erst einmal die Lernrückstände jedes Kindes erheben. Dass es mit Blick auf den Beginn des Programms im Juni 2021 doch recht schleppend vorangehe, lässt er nicht gelten: "Man muss auch berücksichtigen, dass wir die vierte und fünfte Corona-Welle in Thüringen in diesem ersten Schulhalbjahr hatten. Sie ist noch auf dem Höhepunkt beziehungsweise noch kurz davor. Das heißt, es ist auch schwer, über Aufholen nach Corona zu reden, während die Corona-Krise noch voll im Gang ist." Jeder Anbieter muss laut Ministerium noch diverse Prüfungsverfahren durchlaufen, immerhin geht es um viel Steuergeld. Spitzengeschwindigkeiten sind bei der Bearbeitung eher nicht zu erwarten.

Mann mit Bart
Laut Sprecher Felix Knothe vom Thüringer Bildungsministerium ist das Programm im Zeitplan. Bildrechte: MDR

Aufholprogramm kommt für einige Schüler zu spät

Für so manche Schüler könnte das Aufholprogramm deshalb zu spät kommen. Insbesondere die Jahrgänge, die vor einem Wechsel aufs Gymnasium oder sogar vor dem Abschluss stehen, werden kaum noch etwas von den externen Angeboten haben.

Wie im Fall der Tannrodaerin Katrin Rothe. Sie hatte sich bei MDR THÜRINGEN gemeldet, weil ihre Tochter in die zehnte Klasse geht und in diesem Jahr den Abschluss machen will. Wegen Corona sei sie in der Schule abgesackt. Die Mutter wollte über das Aufholprogramm einen Lernscheck beziehen, um sich für ihre Tochter die Nachhilfe bei einem privaten Institut erstatten zu lassen. Denn auch das sieht das Programm zumindest im weiteren Sinne vor: Lässt sich die Nachhilfe nicht im Rahmen des Schulbetriebs umsetzen, dann können durch Lernschecks externe Anbieter in der Freizeit rekrutiert werden.

Frau mit lila Schirmmütze und Brille
Bis jetzt war es kaum möglich, von dem Programm zu profitieren - sagt Katrin Rothe, die es probierte und scheiterte. Bildrechte: Olaf Nenninger/MDR

Schulleitungen und Sekretariate bisher nicht aussagefähig

Nach Katrin Rothes Schilderung war es für sie kaum möglich, in der Schule der Tochter oder in anderen Schulen Informationen über besagte Lernschecks zu bekommen. Dabei ist Recherche für die ehemalige Journalistin kein Hexenwerk. Die Schulleitungen oder Sekretariate seien schlicht nicht aussagefähig gewesen, sagt Rothe.

Den Abschlusstermin der Tochter vor Augen, setzt sie nun weiterhin auf die private Nachhilfe: "Wir müssen uns dann eben anderweitig einschränken, weil es sehr teuer ist, wenn man von professionellen Firmen Unterricht geben lässt." Im schlimmsten Fall müsse ihre Tochter das Jahr wiederholen. Bis dahin könnte auch das Aufholprogramm in den Schulen erste Ergebnisse zeigen.

Mehr zu Schule während der Corona-Krise

MDR (nis)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. Februar 2022 | 19:00 Uhr

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