Reaktionen Kritik und Zustimmung für Ende der Maskenpflicht an Grund- und Förderschulen

Ab Montag soll es in Thüringer Grund- und Förderschulen keine Maskenpflicht mehr geben. Entschieden hat das Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Dafür gab es am Mittwoch Kritik aus der eigenen Partei und vom Koalitionspartner.

Linke will Maskenpflicht bis Ostern beibehalten

Die Linke-Fraktion sprach sich dafür aus, zumindest bis Ostern an der Maskenpflicht festzuhalten. Ähnliches hatten die Gewerkschaft GEW und die Landeselternvertretung gefordert.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hält den Wegfall der Maskenpflicht für Grund- und Förderschüler für richtig. Werner sagte MDR THÜRINGEN, sie könne diesen Schritt sehr gut nachvollziehen. Gerade für die kleinen Kinder in den Grundschulen seien die letzten zwei Jahre sehr schwierig gewesen. Es sei daher richtig, dort zuerst für Erleichterungen zu sorgen. Nach Ansicht der Gesundheitsministerin ist der Wegfall der Maskenpflicht auch trotz der hohen Infektionszahlen zu verantworten. Es sei die Aufgabe der Erwachsenen, Infektionsketten zu unterbrechen. Das könnten sie tun, indem Maske tragen oder sich impfen lassen, so Werner.

Heike Werner (Die Linke), Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit Frauen und Familie von Thüringen, nimmt die Maske ab während der Regierungsmedienkonferenz.
Für Gesundheitsministerin Werner (Linke) ist die Entscheidung ihres Parteikollegen nachvollziehbar. Bildrechte: dpa

SPD und Grüne halten Wegfall der Maskenpflicht für falsch

SPD und Grüne hingegen halten den Wegfall der Maskenpflicht angesichts der aktuell hohen Inzidenzen für falsch. Thomas Hartung, der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, verwies darauf, dass noch nicht klar sei, wie sich eine Infektion langfristig bei Kindern auswirkt. Die Impfquote bei den Grundschülern sei "erschreckend niedrig".

Thomas Hartung, SPD-Abgeordneter, spricht im Thüringer Landtag.
SPD-Bidlungsexperte Thomas Hartung verweist auf unbekannte Langzeitfolgen bei Kindern. Bildrechte: dpa

Die Grünen bezeichneten die Entscheidung Holters als falsches Signal. Fraktionschefin Astrid Rothe-Beinlich befürchtet, dass nun für viele die Osterferien in Quarantäne stattfinden und empfiehlt, noch bis mindestens zwei Wochen nach den Ferien mit den Lockerungen zu warten.

Oppositionsparteinen begrüßen Ende der Maskenpflicht

CDU, AfD und FDP im Thüringer Landtag befürworten das Ende der Maskenpflicht an Grund- und Förderschulen. Der bildungspolitische Sprecher der CDU, Christian Tischner, sagte, die Masken seien eine große Belastung für die Schüler. Das Sprachverständnis und die Lautbildung litten erheblich. Er habe Vertrauen in die Schulen, dass sie eigenverantwortlich individuelle Lösungen suchten, sofern das nötig sei.

Christian Tischner
Christian Tischner (CDU): Maksen große Belastung für Schüler Bildrechte: dpa

Denny Jankowski von der AfD bezeichnete die Ankündigung als "längst überfällig" und forderte, den Wegfall der Maskenpflicht auf alle Schüler auszuweiten.

Franziska Baum von der FDP lobte die "behutsamen" Lockerungen. Gerade in den unteren Klassenstufen sei die sprachliche Entwicklung wichtig, es stünde jedem Kind aber frei, eine Maske zu tragen.

Bildungsministerium verteidigt Entscheidung

Laut Thüringer Bildungsministerium hat der Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht nur für jüngere Schüler vor allem pädagogische Gründe. In der Grundschule sei die Wahrnehmung der Mimik von größerer Bedeutung, sagte ein Sprecher MDR THÜRINGEN am Mittwochnachmittag. Zudem gelte für ältere Schüler, dass die potenzielle Virenlast größer werde. Man habe zwischen pädagogischen Erfordernissen und Infektionsschutz abwägen und an einer Stelle einfach eine Grenze ziehen müssen, so der Sprecher. Den Verantwortlichen sei bewusst, dass es eine Gratwanderung sei.

Testpflicht bleibt bestehen

Bestehen bleiben soll laut Holter dagegen die Testpflicht in den Schulen. Als Grund für die Entscheidung gab der Bildungsminister in einer Pressemitteilung gesetzliche Gründe an: "Das Bundesinfektionsschutzgesetz wird gerade mit heißer Nadel in Berlin gestrickt. Es bildet die Grundlage für die Infektionsschutzmaßnahmen des Landes.

Uns in Thüringen bleibt daher nichts anderes übrig, als von den Möglichkeiten der Übergangsregelung Gebrauch zu machen." Die aktuelle Infektionslage in Thüringen spielte im Statement des Ministers keine Rolle.

Keine festen Gruppen mehr im Kindergarten

Auch die Betreuung in festen Gruppen im Kindergarten und in der Grundschule soll ab Montag wegfallen, so der Bildungsminister. Jedoch sollen noch bis 2. April zweimal wöchentlich Corona-Tests angeboten werden. Das Bildungsministerium korrigierte damit am Mittwochnachmittag eine erste Mitteilung, wonach das Angebot ab 20. März freiwillig sein sollte. Es gebe Zweifel an der rechtlichen Tragfähigkeit, hieß es. Das Land übernimmt weiterhin die Kosten für die Tests.

Bildungsgewerkschaft GEW gegen Wegfall der Maskenpflicht

Angesichts der steigenden Infektionszahlen in Thüringen hatte die Bildungsgewerkschaft GEW erst kürzlich vor einem Ende der Maskenpflicht an Schulen gewarnt. Das wäre der völlig falsche Schritt, so die Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum. Schüler und Pädagogen müssten weiter vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt werden, so Vitzthum. Es dürfe keinen Überbietungswettbewerb bei den Lockerungen geben. Wie GEW-Sprecher Michael Kummer am Mittwoch sagte, ist es nicht im Interesse des Gesundheitsschutzes, die Schüler und Lehrer der Infektionsgefahr schutzlos auszusetzen.

Eine FFP2-Maske liegt im Unterricht auf einem Tisch
Unterricht in einer Grundschule: Ab 20. März keine Maske mehr Pflicht. Bildrechte: dpa

Elternvertretung befürwortet Ende der Maskenpflicht

Die Landeselternvertretung (LEV) befürwortet grundsätzlich den Wegfall der Maskenpflicht an Grund- und Förderschulen. Das teilte Sprecherin Claudia Koch MDR THÜRINGEN mit. Laut Koch hat es von Grundschuleltern schon länger derartige Forderungen gegeben. Dass Lockerungen zuerst bei den Grundschulen umgesetzt werden, sei zu erwarten gewesen, dennoch hätte man damit angesichts des hohen Infektionsgeschehens zumindest noch eine Woche warten können, so Koch.

An den weiterführenden Schulen seien Lockerungen dieser Art momentan nicht zu rechtfertigen. Koch spricht sich außerdem dafür aus, die Testpflicht an allen Schulen beizubehalten.

Infektiologe: "Maske bei Schulkindern sinnvolle Maßnahme"

Die LEV hatte bei der Frage, ob weiter eine Maske getragen werden sollte oder nicht, Anfang März Rat vom Jenaer Infektiologen Prof. Mathias Pletz eingeholt. Dieser bestätigte, dass die Virusvariante Omikron sich aktuell mit sehr hoher Geschwindigkeit ausbreite. "Da sich viele Erwachsene derzeit bei Kindern anstecken, ist die Maske bei Schulkindern aktuell noch eine sinnvolle Maßnahme." Sobald die Inzidenzen wieder fallen, könne man davon aber Abstand nehmen, so Pletz.

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) liegt die Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwoch bei 2041,2. Thüringen liegt damit deutlich über der bundesweiten Inzidenz von 1607,1. Die Landkreise Eichsfeld und Nordhausen wiesen am Dienstag sogar Inzidenzen über 3.000 aus. Die niedrigste Inzidenz wurde mit 524,8 für die Stadt Suhl angegeben.

Thüringen will Corona-Schutzmaßnahmen weiterführen

Ab dem 20. März enden in Deutschland viele Corona-Schutzmaßnahmen. Thüringen hat jedoch entschieden, einige Regeln auch weiterhin beizubehalten. Mit einer Übergangsregelung können Bundesländer ohne Landtagsbeschluss bestimmte Maßnahmen wie etwa die Maskenpflicht in Innenräumen übergangsweise bis Anfang April fortsetzen.

MDR (fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. März 2022 | 08:00 Uhr

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