Der Redakteur | 31.01.2022 Wie zuverlässig sind Corona-Tests an Thüringer Schulen?

Yvonne Hayn aus Weimar fragt sich: Bei meinem Sohn war der Corona-Test in der Schule ungültig. Eine Wiederholung erfolgte nicht, da laut Aussage der Schule nur ein Test pro Kind und Testtag zur Verfügung steht. Ist das korrekt? Und: Wie zuverlässig sind eigentlich die an den Thüringer Schulen verwendeten Tests? Redakteur Thomas Becker hat nachgefragt.

Zweimal pro Woche werden Thüringer Schüler auf das Coronavirus getestet, das geschieht derzeit mit einem Lolli-Test, das heißt: Die Anwendung ist auch für kleine Kinder problemlos möglich. Trotzdem kommt es nicht selten vor, dass ein Test kein eindeutiges Ergebnis anzeigt.

Aus der Ferne kann nicht beurteilt werden, ob der Test von vornherein unbrauchbar war oder bei der Probenentnahme beziehungsweise der Auswertung etwas schiefgegangen ist. Dass aus einem unklaren Testergebnis den betroffenen Kindern kein Nachteil entsteht, sollte selbstverständlich sein.

Unterschiedliche Vorgehensweise an Thüringer Schulen

Offizielle und flächendeckende Erhebungen gibt es nicht, so bleiben nur punktuelle Abfragen, wie an den Schulen vorgegangen wird. Die Palette reicht von einer Wiederholung des Tests bis zu dreimal bis zu der Aussage: Es gibt nur einen Test pro Schüler, mehr ist nicht da. Dem widerspricht das Thüringer Bildungsministerium. Zwar seien die Schulen angewiesen, mit den nicht ganz billigen Testkapazitäten sparsam umzugehen, aber eine Nachtestung müsse im Einzelfall immer möglich sein.

Es ist also eine Entscheidung, die in der Schule getroffen wird: Ist der Test eindeutig oder muss nachgetestet werden?

Felix Knothe, Sprecher Thüringer Bildungsministerium

Wie gehen Schulen mit "konsequent positiven" Testergebnissen um?

Denn schließlich geht es nicht nur um die Sicherheit an der Schule, sondern auch darum, dem Kind mit Stempel und Unterschrift zu bescheinigen, am Vereinssport teilnehmen zu dürfen. Und es gibt in Einzelfällen nicht nur unklare Testergebnisse, sondern quasi auch "konsequent positive". Das heißt: Es sind immer wieder die gleichen Kinder, die wiederholt positiv getestet werden und ein Zusammenhang mit den Ernährungsgewohnheiten ist nicht ausgeschlossen.

Hier gibt es mitunter pragmatische Vorgehensweisen, wie zum Beispiel ein Nachtest nicht als Lolli-Test, sondern per Spuck- oder Nasentest aus Überhängen, sagt Sven Stötzer, Direktor des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Erfurt und Vorsitzender der Interessenvereinigung der Gymnasien in Thüringen. Und es hat sich auch bewährt, nicht sofort nach dem Schulbeginn mit den Tests zu beginnen, um die Falschmeldungen zu reduzieren.

Damit die Kinder vorher nichts essen oder trinken, also etwas, worauf die Test ansprechen, haben wir es so organisiert, dass wir zunächst Unterricht machen und erst nach einer halben Stunde die Tests durchführen.

Sven Stötzer, Vorsitzender der Interessenvereinigung der Gymnasien in Thüringen

Die Fehlerquote sei dadurch deutlich zurückgegangen. In diesem Zusammenhang sei aber auch noch einmal betont, dass das Testmanagement an den Schulen grundsätzlich nicht den Charakter einer Eintrittskarte hat, so wie bei 2G im Einzelhandel oder 3G in Bussen und Bahnen. Es ist ein Monitoring, das zweimal pro Woche einen Test vorsieht, so Felix Knothe vom Thüringer Bildungsministerium.

Felix Knothe 8 min
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Der Sprecher des Thüringer Bildungsministeriums äußert sich zu den Corona-Testkapazitäten an den Schulen und dazu, wie bei einem positiven Testergebnis weiter verfahren wird.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 31.01.2022 13:20Uhr 07:41 min

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Was passiert nach einem positiven Schnelltest?

Ist ein Test bei einem Kind wirklich positiv, ist klar, dass das Kind nicht mehr gemeinsam mit den anderen Kindern in der Klasse sitzen darf. Trotzdem ist ein solcher Test in der Schule noch kein hinreichender Nachweis für eine Corona-Infektion. Dafür ist nach wie vor ein PCR-Test notwendig. Die Landesregierung hat die Gesundheitsämter extra noch einmal darüber informiert, dass das weiterhin die Vorgehensweise in Thüringen ist.

Positive Tests an Schulen in Thüringen müssen mit PCR-Test bestätigt werden.

Felix Knothe, Sprecher Thüringer Bildungsministerium

Sonderfall Freitesten

Anders sieht es beim Freitesten aus. Hier sind jetzt bekanntlich auch Antigentests ausreichend, die nach zwei symptomfreien Tagen in einem Testzentrum gemacht werden dürfen. Für das Testen selbst darf man dann auch Isolation beziehungsweise Quarantäne verlassen.

Auch das regelt die Verordnung. Es gilt: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die Kontaktpersonen sind, können sich bereits am fünften Tag freitesten lassen, damit sie schneller wieder in die Schule können. Für infizierte Kinder gilt jedoch das Gleiche wie für Erwachsene: zehn Tage Isolation, Freitesten erst nach sieben Tagen.

Wie gut sind eigentlich die in Thüringen verwendeten Tests?

Der derzeit an den Thüringer Schulen verwendete Test ist das "Antigen Test Kit (Nanocarbon Assay) Saliva SARS-CoV-2 (2019- nCoV)" von der Firma "Ningbo Beautiful Life Medical Biotechnology" in China. Dieser wurde auch bereits vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) für geeignet befunden. Das PEI testet derzeit, nach diversen Ausfällen bei Tests, die auf dem Markt befindlichen Produkte. Die Ergebnisse der Studie lesen Sie hier.

Dafür wurden einheitliche Parameter festgelegt. Als minimal akzeptierte Sensitivität (Empfindlichkeit) wurde zum Beispiel ein Wert von 75 Prozent festgelegt, bezogen auf einen Ct-Wert (Cycle-threshold-Wert) kleiner als 25. Der Thüringer Schul-Test erreichte hier einen Wert von 100 Prozent.

Was ist der Ct-Wert? Der Ct-Wert ist ein Maß für die Virusmenge in der Probe, schreibt dazu das Paul-Ehrlich-Institut. Der Wert gibt an, wie viele Vermehrungszyklen bei der PCR-Methode ablaufen müssen, bevor der Anstieg des viralen Erbguts exponenziell wird.

Das heißt: Je geringer diese Zahl ist, umso weniger Vermehrungszyklen waren nötig und umso höher war demzufolge die Viruskonzentration in der Probe.

In der Praxis bedeutet das: Kinder mit hoher Viruslast, die also auch eine hohe Ansteckungsgefahr mitbringen, sollten auch sehr zuverlässig erkannt werden. Liegt der Ct-Wert über 25, ist also die Konzentration der Viren geringer, sinkt die Sensitivität deutlich, sodass sich bei diesen Lolli-Tests eine Gesamt-Sensitivität von 54 Prozent ergibt.

Das ist über alle Testarten hinweg gutes Mittelfeld und auch eine Folge des Lolli-Kompromisses. Auch deshalb hat das Thüringer Bildungsministerium vor zwei Wochen für die Kinder ab zwölf Jahren Nasen-Tests geordert (Covid-19-NG08 New Gene (Hangzhou) Bioengineering Co., Ltd. Covid-19-Antigen-Testkit), die auch im Bereich Ct 25 bis 30 noch auf eine Sensitivität von 87 Prozent kommen und bei einem Ct-Wert über 30 auf 20 Prozent.

Das führt in der Summe zu einer Gesamt-Sensitivität von 78 Prozent. Das ist schon sehr gut, auch wenn es Tests gibt, die in "allen Klassen" und damit auch bei sehr geringen Viruskonzentrationen 100 Prozent Sensitivität erreichen. Allerdings muss die Abteilung Beschaffung im Ministerium immer einen Kompromiss finden zwischen Sensitivität, Praktikabilität in der Anwendung für Kinder, einem akzeptablen Preis und vor allem: zuverlässiger Lieferung in sehr hohen Stückzahlen. 

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Mittag | 31. Januar 2022 | 13:20 Uhr

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