Thüringen-Monitor 2021 Jeder dritte Thüringer mutmaßt geheime Verschwörung bei Corona-Pandemie

Seit zwei Jahrzehnten lassen die jeweils amtierenden Thüringer Landesregierungen von Politologen erfragen, was die Menschen im Land etwa über politische Teilhabe und Demokratie denken. Seit 2020 spielt auch die Corona-Pandemie bei diesen Befragungen eine Rolle - etwa unter dem Gesichtspunkt, wie die Pandemie die Einstellungen der Einwohner des Freistaats zum Handeln ihrer Regierung beeinflusst.

Etwa jeder dritte Thüringer sieht hinter der Corona-Pandemie eine Verschwörung. Das geht aus dem aktuellen Thüringen-Monitor hervor, den eine Wissenschaftlergruppe des Instituts für Politikwissenschaft der Uni Jena erstellt hat. Dabei wurden den insgesamt 1.110 befragten Männern und Frauen in Thüringen zwei Fragen vorgelegt, die den Glauben an Verschwörungstheorien zum Inhalt haben. Eine davon lautete, ob sie der Aussage zustimmen: "Es gibt geheime Organisationen, die während der Corona-Krise großen Einfluss auf politische Entscheidungen haben." Die zweite bezieht sich auf die Behauptung, die Regierung habe die Bevölkerung in der Corona-Krise gezielt in Angst und Schrecken versetzt, um massive Grundrechtseinschränkungen durchsetzen zu können.

Den beiden Fragen beziehungsweise Aussagen hätten jeweils ein Drittel der befragten Personen zugestimmt, heißt es in dem Monitor. Im Umkehrschluss lehnten jedoch zwei Drittel solche Theorien ab. Im Vergleich zu dem im vergangenen Jahr vorgelegten "Thüringen-Monitor" hat sich laut Verfassern der Anteil der Verschwörungsgläubigen jedoch kaum verändert.

Mehrheit sieht für sich keine Gefahr durch Corona-Pandemie

Für den "Thüringen-Monitor" wird seit zwei Jahrzehnten in jedem Jahr im Auftrag der Landesregierung eine repräsentative Gruppe von Thüringerinnen und Thüringen zu ihrer Haltung unter anderem zu Demokratie anonym befragt. Bei der im Sommer 2021 vorgenommenen Befragung für den aktuellen "Thüringen-Monitor" ging es auch um das Thema Corona. Dabei gaben zwei Drittel der Befragten an, in der Corona-Pandemie keine oder nur eine geringe Gefahr für die eigene Gesundheit zu sehen. Hier weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass diese Befragungen in einer Phase mit niedrigen Infektionszahlen in Thüringen stattgefunden haben. Zudem hätte "ein nennenswerter Teil" der Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt bereits eine Impfung gegen Covid-19 gehabt.

Daten zur Befragung

Aus dem "Thüringen-Monitor" geht auch hervor, dass das Gefühl, von der Corona-Pandemie bedroht zu werden, deutlich von der eigenen wirtschaftlichen Situation abhängt. So sahen nur 17 Prozent der Befragten in der Pandemie eine große Gefahr für die eigene wirtschaftliche Situation. Bei den Selbständigen, Freiberuflern und Landwirten lag dieser Anteil hingegen bei 40 Prozent. Hintergrund ist laut Studie die im Vergleich zu anderen Berufsgruppen stärkere Betroffenheit etwa der Freiberufler und Selbständigen. Viele mussten durch monatelange Schließungen von Gaststätten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen im vergangenen Jahr deutliche Einkommenseinbußen hinnehmen.

Vertreter der Thüringer Veranstaltungsbranche demonstrieren vor dem Landtag in Erfurt.
Demonstration von Vertretern der Thüringer Veranstaltungsbranche im Herbst 2020 in Erfurt. Diese Branche hatte unter den Corona-Maßnahmen wirtschaftlich massiv zu leiden. Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Sorgen um wirtschaftliche Zukunft vor allem bei Selbstständigen

Niedriger im Vergleich zum vorigen "Thüringen-Monitor" war in der aktuellen Befragung der Anteil derjenigen, die glauben, das Coronavirus sei nicht schlimmer als ein Grippe. Dieser Annahme stimmten 22 Prozent der Befragten entweder völlig oder überwiegend zu. Im "Thüringen-Monitor" 2020 hatte dieser Anteil noch bei 35 Prozent gelegt. Die Autoren der Studie vermuten hinter dieser Entwicklung die hohen Infektionszahlen während der zweiten und dritten Pandemie-Welle Ende 2020 und Anfang 2021, die unmittelbar vor der Befragung lagen. Knapp jeder zweite Befragte (43 Prozent) stimmte der Aussage zu, die von Corona ausgehende Gefahr werden von den Medien übertrieben. In der Vorjahresbefragung waren 53 Prozent dieser Auffassung gewesen.

Zwei Drittel finden Maßnahmen angemessen

Bei der Bewertung der bis zum Sommer 2021 ergriffenen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie lehnten 63 Prozent der Befragten die Aussage ab, diese seien "stark übertrieben" - fanden sie also angemessen. Unter denjenigen Befragten, die das Coronavirus nicht für gefährlicher halten als das Grippevirus, lag der ablehnende Anteil deutlich höher: In dieser Gruppe halten drei Viertel der Befragten die Maßnahmen für übertrieben.

Politologin: Keine Demokratiekrise erkennbar

Die Leiterin der Studie, Prof. Dr. Marion Reiser, sagte am Dienstag bei deren Vorstellung, trotz der im Zuge der Corona-Debatte deutlich gestiegenen Kritik am Pandemiemanagement, den heftig umstrittenen Eindämmungsmaßnahmen und des von Kritikern geäußerten Narrativs einer "Corona-Diktatur" sei auf Basis der Ergebnisse des Thüringen-Monitors keine Demokratie- bzw. Vertrauenskrise zu erkennen. Obschon die Zahl der Corona-Skeptikerinnen und -Skeptiker im Vergleich zum Vorjahr gesunken sei, stellten sie jedoch weiterhin eine große Herausforderung für die politische Kultur im Freistaat dar. So lasse sich eine Radikalisierung der schrumpfenden Anti-Corona-Bewegung beobachten.

Reiser sagte weiter, es sei auffällig, dass die Risiken im zweiten Jahr der Corona-Pandemie nur vergleichsweise selten im persönlichen Bereich gesehen werden, sondern zunehmend in gesellschaftlicher Hinsicht. Hier sahen laut Reiser zum Beispiel 77 Prozent wegen der langen Schulschließungen eine Gefahr für die Bildungschancen junger Menschen.

Quelle: MDR(dr), epd

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Dezember 2021 | 05:00 Uhr

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