Fragen und Antworten Verwirrung um PCR-Tests: Diese Regeln gelten in Thüringen

Die Corona-Inzidenzen sind weiter auf hohem Niveau. Vor manchen Hausarzt-Praxen bilden sich lange Schlangen, weil Patienten einen PCR-Test durchführen lassen wollen. Dieser ist in Thüringen aber nicht mehr grundsätzlich nötig. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Blick durch eine Tür. Eine Frau sitzt auf ihrem Bett.
Wenn der Antigen-Schnelltest positiv ist, muss man sich daheim absondern. Ein PCR-Test ist nicht mehr nötig. Bildrechte: dpa

Corona-Tests in Thüringen: Wie ist der Stand?

Ab diesen Freitag bleiben die PCR-Abstrichstellen der Kassenärztlichen Vereinigung geschlossen. Diese haben einen Teil der Tests bisher übernommen. Die Hausärzte befürchten, dass der Ansturm von Patienten dann noch weiter zunimmt. Bereits jetzt beklagen Hausärzte, dass sich lange Schlangen vor den Praxen bilden. Der Ansturm sei kaum noch zu bewältigen.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung sollen nur Menschen mit Symptomen für einen PCR-Test zum Hausarzt. Wer keine Symptome, aber einen positiven Schnelltest hat, soll sich an seine Kommune wenden. Einen generellen Anspruch auf einen kostenfreien PCR-Test - beispielsweise wenn die Corona-Warn-App rote Warnmeldungen anzeigt - gibt es nicht mehr.

Wird noch ein PCR-Test benötigt?

Nach aktueller Thüringer Corona-Verordnung muss ein positives Schnelltest-Ergebnis nicht durch einen PCR-Test bestätigt werden. Anspruch auf einen kostenfreien PCR-Test besteht aktuell nur noch bei Anordnung des Arztes oder Gesundheitsamts. Sollte ein PCR-Test benötigt werden, müssen die Betroffenen Kontakt mit ihrem Hausarzt oder zuständigen Gesundheitsamt aufnehmen.

Wenn jemand keine Symptome hat und einen PCR-Test benötigt, werden sie in der Regel nur in folgenden Fällen durchgeführt:

  • für die Aufnahme in Reha- oder Pflegeeinrichtungen
  • für die stationäre Aufnahme in Kliniken oder für ambulante Behandlungen
  • wenn der Arbeitgeber einen Nachweis verlangt
  • bei Reiserückkehrern aus Hochinzidenz- oder Risikogebieten
  • für Selbstzahler auf Wunsch

Ich habe einen positiven Schnelltest. Was ist zu tun?

In diesem Fall ist man verpflichtet, sich unverzüglich daheim abzusondern. Die Wohnung oder Unterkunft soll nicht verlassen werden. Betroffene sollen den physischen Kontakt zu anderen meiden. Außerdem soll das zuständige Gesundheitsamt informiert werden.

Begriffserklärung: Absonderung, Isolation und Quarantäne Absonderung heißt, sich von anderen Personen fernzuhalten - zum Schutz der Allgemeinheit vor ansteckenden Krankheiten. Absonderung umfasst sowohl die Quarantäne als auch die Isolation.

Bei der Isolation wurde das Coronavirus mittels PCR-Test nachgewiesen. Behörden weisen die Isolation in der Regel an. Sie kann zu Hause erfolgen oder bei schwerem Verlauf im Krankenhaus.

Bei der Quarantäne besteht der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus. Sie kann von den Behörden angeordnet werden oder freiwillig erfolgen.

Wann gilt die Pflicht zur Quarantäne oder Isolation?

In Absonderung begeben müssen sich:

  1. Ungeimpfte Kontaktpersonen, die nachweislich Kontakt mit einer Person hatten, bei der ein positiver PCR-Test festgestellt wurde. Geimpfte und Genesene (innerhalb der vergangenen drei Monate) oder Geboosterte müssen nicht in Quarantäne.
  2. Personen mit einem positiven PCR-Test
  3. Personen mit einem positiven Schnelltest
  4. Personen mit Symptomen einer Covid-19-Erkrankung und bei denen ein PCR-Test angeordnet oder durchgeführt wurde

Weil die Gesundheitsämter teilweise überlastet sind, verschicken einigen Kommunen keine Bescheide mehr an positiv Getestete. In Erfurt, Jena, Weimar und im Unstrut-Hainich-Kreis müssen sich Infizierte selbstständig isolieren, sobald sie einen positiven PCR-Test erhalten. Genesenen-Nachweise werden demnach in Apotheken ausgestellt. Wer mittels Schnelltest positiv getestet wird, muss sich ebenfalls absondern und wendet sich an seinen Hausarzt oder ans Gesundheitsamt.

Reicht auch ein zu Hause durchgeführter Selbsttest?

Ein Selbsttest, der ohne Aufsicht in den eigenen vier Wänden durchgeführt wird, taugt nicht als Nachweis im Sinne von 3G oder um sich freitesten zu lassen. Ein Selbsttest kann aber vor Ort unter Aufsicht von Personal oder Mitarbeitern durchgeführt werden und kann somit als Nachweis dienen. Fällt der Selbsttest positiv aus, sollte ein registrierter Schnelltest oder ein PCR-Test durchgeführt werden.

Was gilt am Arbeitsplatz?

Seit 20. März 2022 gelten am Arbeitsplatz keine 3G-Regel mehr. Auch die Homeoffice-Pflicht ist ausgelaufen. Die Bundesregierung hatte die Regeln im Infektionsschutzgesetz aufgehoben. Im Falle des Verdachts einer Corona-Infektion reicht ein professioneller Schnelltest als Nachweis aus. Ein positiver Selbsttest zu Hause reicht dagegen nicht aus. Besteht der Arbeitgeber dennoch auf eine Bescheinigung der Absonderung oder auf einen PCR-Test, können diese vom Gesundheitsamt oder Hausarzt angefordert werden.

Wann bekomme ich einen Genesenennachweis?

Seit 19. März 2022 ist der Genesenennachweis im Infektionsschutzgesetz des Bundes geregelt. Als genesen gilt demnach jemand, dessen Infektion mindestens 28 Tage und höchstens 90 Tage zurückliegt. Der Nachweis muss durch einen Nukleinsäurenachweis (PCR, PoC-NAAT) erfolgen, ein Antigen-Schnelltest reicht nicht aus. Wer einen PCR-Test als Nachweis für einen Genesenennachweis benötigt, soll sich laut Thüringer Gesundheitsministerium an seinen Hausarzt oder ans Gesundheitsamt wenden.

Was gilt an Schulen?

An Schulen gilt zweimal pro Woche eine Testpflicht für Schüler, die nicht geimpft oder genesen sind. Der Nachweis kann mittels PCR-Test (nicht älter als 48 Stunden) oder als Schnelltest erbracht werden (nicht älter als 24 Stunden). Schüler ohne 3G-Nachweis werden in hierfür eingerichteten Lerngruppen unterrichtet.

Was ist, wenn der Schnelltest in der Schule positiv ausfällt?

In diesem Fall müssen sich die betroffenen Schüler oder Lehrer sofort in Absonderung begeben. Die Schulleitung muss sofort die Eltern oder Sorgeberechtigten informieren, die die Schüler abholen. Außerdem muss das Schulamt das Gesundheitsamt informieren. Wenn Schüler Symptome aufweisen, die auf eine Corona-Infektion hindeuten könnten, müssen sie ebenfalls isoliert und von den Eltern abgeholt werden.

Wann gelten Mitschüler als Kontaktpersonen?

Bei einem positiven Schnelltest nehmen die übrigen Schüler weiter am Unterricht in der Klasse oder in der Lerngruppe teil. Sie gelten nur als Kontaktpersonen, wenn der Schnelltest mittels PCR-Test bestätigt wird und müssten dann entsprechend in Quarantäne. Ob ein solcher PCR-Test tatsächlich stattfindet, entscheidet das Gesundheitsamt.

Wann dürfen Schüler aus Quarantäne oder Isolation wieder in die Schule?

  1. bei nachgewiesener Infektion: nach zehn Tagen oder nach sieben Tagen, wenn ein negativer PCR-Test oder Schnelltest vorgezeigt wird und mindestens 48 Stunden zuvor keine Symptome auftraten
  2. bei Kontaktpersonen: nach Beendigung der Quarantäne oder Absonderung (nach zehn Tagen oder fünf Tagen per Freitestung mittels PCR-Test oder Schnelltest)
  3. bei Symptomen: Vorlage eines negativen Testergebnisses (Schnelltest oder PCR-Test) oder Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung
  4. bei negativem PCR-Test nach positivem Schnelltest: die Schule darf wieder betreten werden

Was gilt in Kindergärten?

Die Träger von Kindertageseinrichtungen müssen Kindern, die das dritte Lebensjahr vollendet haben, zweimal pro Woche Tests anbieten - laut Thüringer Corona-Verordnung vom 17. März (gültig bis 2. April 2022). Bei einem positiven Ergebnis müssen die Kinder isoliert und abgeholt werden. Bei einem negativen PCR-Test nach einem positiven Schnelltests darf der Kindergarten wieder betreten werden.

Was bedeuten weniger Tests für die Statistik?

Seit nunmehr zwei Jahren dokumentiert das Robert-Koch-Institut die deutschlandweiten Corona-Fälle. In die Statistik fließen nur Fälle ein, die mittels PCR-Test bestätigt werden. So zeigt die Sieben-Tage-Inzidenz an, wie viele Menschen (pro 100.000) in den vergangenen sieben Tagen mit einem positiven PCR-Test beim jeweiligen Gesundheitsamt gemeldet wurden.

Schnelltests werden nicht in die Statistik aufgenommen. Da nach geltender Verordnung kein PCR-Test mehr nötig ist beziehungsweise kein genereller Anspruch mehr darauf besteht, steigt damit auch die Dunkelziffer. Es ist davon auszugehen, dass noch mehr Menschen ohne erfasst zu werden das Virus in sich tragen als ohnehin schon.

Welche gegenwärtigen Corona-Regeln gelten in Thüringen?

Mit der Änderung des Bundesinfektionsschutzes zum 20. März 2022 enden die meisten tiefgreifenden Corona-Einschränkungen - unter anderem auch eine umfassende Maskenpflicht im Einzelhandel oder in Innenräumen von Gaststätten. Als Basis-Schutzmaßnahme soll dann noch etwa eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr oder in Krankenhäusern möglich sein. Die Thüringer Landesregierung nutzt eine Übergangsregelung, um eine Reihe von bestehenden Corona-Regeln noch bis zum 2. April fortzuführen - darunter die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen oder 2G- und 3G-Regeln für Veranstaltungen.

Welche Regeln gelten künftig?

Angesichts hoher Infektionszahlen in Thüringen wollen Linke, SPD und Grüne die jetzigen strengeren Regeln über den 2. April hinaus beibehalten. Entscheiden dürfen das aber nur die Landtage in Form einer Hotspot-Regelung. Der Thüringer Landtag wird sich am Donnerstag in einem Sonderplenum auf Antrag der drei Fraktionen damit befassen.

In Thüringen ist die rot-rot-grüne Minderheitsregierung auf Stimmen von der Opposition angewiesen. CDU und FDP lehnen eine Verlängerung strenger Regeln ab. Sie plädieren, die Vorschriften auf den Schutz gefährdeter Gruppen zu beschränken, wie eine Maskenpflicht in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Kommt am Donnerstag keine Mehrheit für den rot-rot-grünen Antrag zustande, gelten in Thüringen nur noch die Basis-Regeln nach dem Bundesinfektionsschutzgesetz.

Mehr zum Coronavirus

MDR (sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 29. März 2022 | 19:00 Uhr

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