Corona-Pandemie Verbände: Impfpflicht gefährdet Versorgung in Thüringen

Die Diakonie Mitteldeutschland will, dass die Landesregierungen von Thüringen und Sachsen-Anhalt die Impfpflicht für Beschäftigte in Sozial- und Gesundheitseinrichtungen aussetzen. Das Ziel eines höheren Infektionsschutzes in diesen Bereichen dürfe nicht mit der Abwanderung vieler Beschäftigter und mit Versorgungsengpässen erkauft werden. Pflegeverbände zeichnen ein düsteres Szenario.

Schwestern und Pfleger auf einer Stationen in der Pflege arbeiten am Schreibtisch
Die Diakonie Mitteldeutschland befürchtet Versorgungsprobleme. Bildrechte: IMAGO / Westend61

Pflegeverbände warnen wegen der branchenbezogenen Impfpflicht vor einem Zusammenbruch der Versorgung in Thüringen. In einer Mitteilung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) heißt es, in Regionen mit hohen Infektionszahlen und niedrigen Impfquoten könne die Situation sehr prekär werden. Die betroffenen Bundesländer - genannt wird neben Thüringen auch Sachsen - müssten schnell konkrete Vorkehrungen treffen, um die Pflege über den 15. März hinaus abzusichern.

Vorgeschlagen werden zum Beispiel temporäre Pflege-Krisenstäbe. Schon einzelne Beschäftigte, die dem Beruf den Rücken kehren, brächten die Versorgung in Gefahr, heißt es. Laut bpa läuft die sogenannte einrichtungsbezogene Impfpflicht ins Leere, so lange es keine allgemeine Impfpflicht gibt und Besucher und Angehörige weiterhin ungeimpft in die Einrichtungen kommen können.

Die für Mitte März geplante Impfpflicht für Beschäftigte in Sozial- und Gesundheitseinrichtungen wird auch aus Sicht der Diakonie Mitteldeutschland zu akuten Versorgungsengpässen in Thüringen und Sachsen-Anhalt führen.

Eine verbandsinterne Erhebung habe gezeigt, dass in den Diakonie-Einrichtungen zwischen 82 und 95 Prozent der Mitarbeiter geimpft seien, teilte die Diakonie Mitteldeutschland am Montag in Magdeburg mit. Das reiche nicht aus, falls die Gesundheitsämter für nicht Geimpfte ein Betretungsverbot des Arbeitsplatzes aussprechen. "Jetzt besteht die Gefahr, dass Menschen, die Pflege, Betreuung und Unterstützung benötigen, alleingelassen werden", hieß es.

Versorgungsengpässe befürchtet

Die Diakonie Mitteldeutschland fordere die Landesregierungen von Thüringen und Sachsen-Anhalt auf, sich für eine Aussetzung des entsprechenden Paragrafen des Infektionsschutzgesetzes einzusetzen, "zumindest bis der Bundestag eine Entscheidung zur Einführung einer allgemeinen Impfpflicht getroffen hat". Das Ziel eines höheren Infektionsschutzes in Sozial- und Gesundheitseinrichtungen dürfe nicht mit der Abwanderung vieler Beschäftigter und mit Versorgungsengpässen erkauft werden.

Die Rückmeldungen aus Einrichtungen hätten zahlreiche praktische Probleme ergeben: Dienstpläne könnten nicht geschrieben werden, neue Verträge für die Aufnahme in eine stationäre Pflegeeinrichtung könnten nicht geschlossen werden. Zur Disposition stünden Fahrdienste für Menschen mit Behinderungen und die Essensversorgung in Sozialeinrichtungen.

Belastungen durch Corona-Pandemie kommen dazu

Weiter hieß es: "Der drohende Versorgungsnotstand in Krankenhäusern, Pflegeheimen, ambulanten Pflegediensten, Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung und anderen Sozialeinrichtungen wird zudem verstärkt durch eine physische und psychische Erschöpfung bei vielen Mitarbeitenden nach zwei Jahren Schwerstarbeit in der Corona-Pandemie." Der Krankenstand sei schon sehr hoch.

Quelle: MDR/dpa (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. Januar 2022 | 18:00 Uhr

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